Musik, die nach Freiheit schmeckt

Zum zweiten Mal findet auf Wilhelmsburg das Kulturfestival „HASTAM – Just because I AM“ statt, mit erweiterter Perspektive und neuen Programmpunkten

Mit dem Kulturfestival „HASTAM – Just because I AM“, das im September zum zweiten Mal stattfindet, feiert das Bürgerhaus Wilhelmsburg „widerständische Kunst aus Iran und Afghanistan“.

Die erste Auflage des Festivals 2024 war der Abschluss einer einjährigen Zusammenarbeit mit der iranischen Multiinstrumentalistin und Komponistin Atena Eshtiaghi (WIR 17.7.24). Im Programm waren vor allem im Exil lebende iranische Kulturschaffende, die in ihren Herkunftsländern aus unterschiedlichen Gründen von Verfolgung oder Repression bedroht waren und ihre künstlerische Tätigkeit dort nicht fortsetzen konnten. Die Zuschauer*innen erlebten drei Tage lang Singer-Songwriter*innen, elektronische Experimente, persische Musik mit westlichen Jazzharmonien – Musik, die nach Freiheit schmeckt. Das Festival wurde mit dem „HELGA! Festival Award“ als „das mutigste Festival in ganz Deutschland“ ausgezeichnet (WIR 3.2.26).

Zweite Auflage mit erweiterter Perspektive

Auch das zweite Festival „HASTAM – Just because I AM“ auf Wilhelmsburg wird von Atena Eshtiaghi kuratiert. Es findet vom 4. bis 6. September 2026 im Bürgerhaus statt. Wieder gibt es ein breit gefächertes Programm mit Konzerten, Filmen, Performances, Workshops und Diskussionsrunden, die Räume für konkrete politische Auseinandersetzungen bieten – insbesondere über die Rolle der Frauen und der Künstlerinnen im Iran und in Afghanistan.

In der zweiten Auflage erweitert das Festival seine Perspektive. „HASTAM – Just because I AM“ blickt, wie es in der Ankündigung heißt, „von den Freiheitskämpfen im Iran über die Grenze nach Afghanistan. Auch von dort aus bricht eine junge Generation von Kunstschaffenden auf und erhebt ihre Stimme gegen Patriarchat und Unterdrückung, denn in Afghanistan wie im Iran ist es Frauen offiziell verboten, sich öffentlich auf Bühnen zu äußern.“

Einige Künstler*innen haben schon zugesagt

Athe Eshtiag am Cello, rechts daneben singt Golnar Golnar Shahyar
Atena Eshtiaghi und Golnar Shahyar bei HASTAM 2024.
Foto: Morvarid Mirarab

Bis zum Frühsommer soll das Festivalprogramm stehen. Einige Künstler*innen haben schon zugesagt. Unter anderem das Golnar & Mahan Trio, das „Elemente des zeitgenössischen Jazz mit polyrhythmischen Grooves und europäischer Kammer- und Experimentalmusik vereint“.
Außerdem Kefaya & Elaha Soroor: Gemeinsam mit der Hazara-Sängerin und Aktivistin Elaha Soroor bringt die Gruppe Kefaya „Folk-Formen aus Afghanistan in Dialog mit zeitgenössischen Ästhetiken und Jazz. Ihre Musik erzählt von Exil, Widerstand und Überleben im Patriarchat“.

Im Filmprogramm wird der Dokumentarfilm „My Stolen Planet“ gezeigt: „Ein Film über den Kontrast zwischen häuslicher Freiheit und Unterdrückung in der öffentlichen Sphäre im Iran von der Islamischen Revolution 1979 bis zur Bewegung ,Frau-Leben-Freiheit‘.“

In der Sparte Performance tritt die Tänzerin und Choreografin Mona Farivar mit ihrem Stück Tikké Tikké auf: Sie zieht in ihrer Tanzperformance „die Schichten ihrer Identität ab – eine davon als Tochter einer iranischen Familie in Deutschland“.

Der „HASTAM Festival Award“

vorne sitzend Elaha Soroor, hinter stehen die drei Männer der Gruppe Kefaya
Kefaya & Elaha Soroor. Foto: Kefaya/Elaha Soroor

Als eine weitere Neuerung lobt HASTAM erstmals einen Preis aus: Mit dem „HASTAM Festival Award 2026“ werden Kompositionen ausgezeichnet, die – inspiriert von dem Motto „Beyond all Borders“ – „jenseits aller Grenzen“ Menschen weltweit verbinden. In der Pressemitteilung des Bürgerhauses heißt es: „Komponist*innen aller Länder sind herzlich eingeladen, bis zum 5. Juli 2026 ihre Komposition für Soloklavier einzureichen. Um sowohl lokale als auch internationale künstlerische Stimmen hörbar zu machen, vergibt die Jury den „HASTAM Festival Award 2026″ in drei Kategorien: Ein*e Komponist*in afghanischer Herkunft, eine*r mit iranischen Wurzeln und ein*e internationale*r Künstler*in erhalten jeweils die offizielle Auszeichnung und ein Preisgeld von 200 Euro.“ Zur Eröffnung des Festivals am 4. September im Bürgerhaus Wilhelmsburg werden alle drei prämierten Kompositionen live zu hören sein, gespielt von der Konzertpianistin Evgeniya Kleyn. Mehr Informationen zur Teilnahme am Wettbewerb via Instagram (@hastam.festival und @musik_von_den_elbinseln).

Förderung aus Hamburg und dem Bund

Die zweite Auflage von „HASTAM – Just because I AM“ wurde im Februar in das Förderprogramm für interkulturelle Projekte der Behörde für Kultur und Medien (BKM) aufgenommen. Außerdem erhält das Festival als eine von fünf Hamburger Veranstaltungen eine Förderung aus Bundesmitteln. Weitere Unterstützer*innen sind die Karin und Uwe Hollweg Stiftung sowie der Kirchliche Entwicklungsdienst der Nordkirche.

Ab sofort gibt es Tickets im Vorverkauf unter www.buewi.de oder www.mvde.de 

Tagesticket Freitag, 4.9.: 18 Euro 
Tagesticket Samstag, 5.9.: 26 Euro 
Tagesticket Sonntag, 6.9.: 18 Euro 
Festivalpass: Early Bird 35 Euro (begrenztes Kontingent)/regulär 45 Euro

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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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