Olympia – Wie geht es weiter?

Am 31. Mai 2026 stimmen die Hamburger*innen über Olympia ab. Ab dann entscheiden der DOSB und das IOC, wer schließlich den Zuschlag für die Austragung der Spiele erhält

Olympiawewrbeplaket mit kleinem Nein-Aufkleber
Der Rummel ist in der Endphase: Befürworter*innen und Gegner*innen kleben Plakate. Fotos: H. Kahle

Der Rummel um Hamburgs Olympia-Bewerbung ist in der Endphase. Senat, SPD, CDU, Grüne, Sportbund und Wirtschaftsverbände pflastern die Stadt mit OlympJA-Plakaten, die das Blaue im Himmel versprechen. Insgesamt zwei Millionen Euro sind für das „Kommunikationskonzept“ der Kampagne vorgesehen. Davon sind nach Auskunft des Senats auf eine Anfrage der Linken bisher 500.000 Euro ausgegeben, für Plakate und andere Werbeevents wie die beiden spektakulären Drohnen-Shows am Hafen.

Der offizielle Jubel hat einen schlechten Beigeschmack: Das einseitige „Informationsmaterial“ zum Referendum, das der Senat an die Schulen geschickt hat, die „wichtige Information“ des Bürgermeisters an alle Haushalte, die als Olympi-O-Mat getarnte Werbebroschüre des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), auch die Diffamierung der Kritiker*innen als „Fortschrittsfeinde“ und „Verbreiter schlechter Laune“, alles eher eine zweifelhafte Reklame. Aber auch namhafte Gegner von Hamburgs Bewerbung für die Spiele melden sich zu Wort: Der Hamburger Zukunftsrat empfiehlt ein „Nein“, ebenso vor ein paar Tagen zum Ärger des Senats die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). Es gibt viele gute Gründe, Hamburgs Bewerbung für Olympia abzulehnen.

Wie geht es weiter?

Am 31. Mai entscheiden die Hamburger*innen, ob sie diese Olympischen Spiele in der Stadt wollen. Je nach Ausgang des Referendums reichen dann bis zum Juni die drei (oder vier) Kandidaten ihre finalisierten Konzepte beim DOSB ein. Auf jeden Fall dabei sind Berlin, München und die Rhein-Ruhrregion. Mit einem Kandidaten wird sich Deutschland dann für die Spiele 2036, 2040 und 2044 bewerben.

Der DOSB prüft die Konzepte. In einer Erklärung heißt es dazu: „In der finalen dritten Stufe wird anhand einer gemeinsam mit dem Bund zu entwickelnden Bewertungsmatrix das endgültige Konzept ausgewählt. Ausschlaggebend sind dabei insbesondere die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit der eingereichten Vorschläge.“ Im September wird dann verkündet, mit welchem Standort der DOSB sich beim IOC für die Spiele bewirbt.

Zuletzt entscheidet das IOC

Links ein Plakat °Kreuzt NEIN an“, daneben ein Plakat „Wie gelingt ein grünes Olympia“?
NOlympia oder die Reise ins Ungewisse

Dass die deutsche Bewerbung vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Zuschlag für die Austragung der Spiele erhält, wird heiß gehandelt. Deutschland „sei mal wieder dran“, heißt es in den Medien.
Allerdings begibt sich die deutsche Bewerberstadt auf eine Reise mit ungewissem Ausgang. Die Bewerbung gilt pauschal für alle drei olympischen Jahre, 2036, 2040 und 2044. Für welches der drei Jahre die Bewerberstadt dann den Zuschlag erhält, entscheidet – frühestens 2027 – das IOC.

Hamburg favorisiert 2040

Bürgermeister Tschentscher sagte auf einer Olympia-Veranstaltung auf eine Frage des WIR, Hamburg favorisiere die Spiele 2040 (WIR 12.5.26). Das Jahr läge nicht zu nah, die Stadt hätte genug Zeit für die Vorbereitung. Andererseits sei der Termin nicht in doch sehr weiter Ferne, wie 2044. Aber auch die Spiele 2036, mit nur neunjähriger Vorbereitungszeit, seien für Hamburg machbar. Auf die Frage, ob sich Olympische Spiele in Deutschland 2036 – genau hundert Jahre nach der Nazi-Olympiade in Berlin – nicht verböten, ging er nicht weiter ein. Bundespräsident Steinmeier hatte aus diesem Grund eine Olympiade 2036 in Deutschland in einer Erklärung abgelehnt. Die Entscheidung liegt beim IOC. Aber, so Bürgermeister Tschentscher, eine Stadt könne auch jederzeit von ihrer Bewerbung zurücktreten.

Vertrauensvorschuss ist nicht angebracht

Kirsty Coventry, seit 2025 neue IOC-Präsidentin, hat angekündigt, das immer wieder kritisierte undurchsichtige Vergabeverfahren der Spiele durch einen transparenten Prozess mit im Voraus veröffentlichten Kriterien zu ersetzen. Dazu wurden mehrere Arbeitsgruppen eingerichtet, deren Ergebnisse allerdings erst im Juni dieses Jahres vorliegen werden, also nach dem Hamburger Referendum.

Das IOC steht seit Jahrzehnten im Ruch der Korruption. Auch nach dem Bestechungsskandal bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City und verschiedenen Reformen gibt es immer wieder Korruptionsfälle, z. die Schmiergeldzahlungen bei der Vergabe von Sponsorenverträgen bei den Spielen 2020 in Tokio.
Das IOC ist ein hochkommerzielles Unternehmen. Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins BILANZ erzielte das IOC im Olympiajahr 2024 Einnahmen von 4,4 Milliarden Dollar, den Großteil aus Medienrechten und Sponsorenverträgen. In diesen Verträgen räumt das IOC in der Regel globalen Konzernen exklusive Vermarktungsrechte z. B. von Getränken in der austragenden Stadt ein, verbunden mit einem vertraglichen Vermarktungsverbot für lokale Anbieter.

Collage mit Zeitungschagzeilen zum korrupten IOC
Seit Jahrzehnten im Ruch der Korruption. Collage: H. Kahle

Auch die in der IOC-Agenda ins Zentrum gestellte Nachhaltigkeit steht nach der Einschätzung des Zukunftsrates im Widerspruch zur Realität. So wurden bei den Winterspielen im Februar in Mailand-Cortina Wälder gerodet, Bauprojekte wurden von Umweltverträglichkeitsprüfungen befreit und die Hauptsponsoren waren ein Öl- und ein Autokonzern.

Im verpflichtenden „Host-City“-Vertrag mit der austragenden Stadt garantiert die Stadt dem IOC die oben genannten Rechte und Profite und die Steuerfreiheit seiner Geschäfte. Das finanzielle Risiko der Spiele trägt die Stadt und nach allen Erhebungen waren bisher alle Spiele unterm Strich deutlich teurer als geplant. Die Vertragsabschlüsse sind nicht öffentlich. Der „Host-City-Contract“ wird auch nach einigen Korrekturen durch das IOC als „Knebelvertrag“ kritisiert.

Olympische Spiele sind IOC-Spiele nach den Regeln des IOC. Das ist für den Zukunftsrat einer der Gründe, beim Referendum zu einem NEIN aufzurufen. Der Zukunftsrat bezweifelt, dass Hamburg, selbst wenn es die Nachhaltigkeitsziele ernst meint, sich „gegen die strukturellen Interessen des IOC und seiner Sponsoren durchsetzen kann.“ Außerdem gebe es keine verbindlichen Rücktritts-Kriterien für den Fall, dass die Nachhaltigkeitsziele nicht erreichbar sind. Die glühenden Befürworter der Spiele scheinen dies alles nicht als problematisch zu sehen.



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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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