Endlich, der Alte Elbtunnel ist fertig und beide Röhren sind wieder zugänglich. Ein guter Grund, endlich mal wieder auf diesem Weg die Elbe zu unterqueren.
Thomas Bohn. Der Mittwoch vor dem Hafengeburtstag schien der richtige Tag dafür, auch, weil das Wetter war eher ungemütlich war. Auf meinem Weg von der S-Bahn Landungsbrücken zum Tunnel wurden gerade die Buden und Bühnen für das Wochenende aufgebaut. So konnte ich auf der Nordseite den Zugang zu den großen Lastenaufzügen gar nicht sehen, weil die NDR-Bühne jedes Jahr fast direkt davor steht.

Am Nordeingang des Tunnels angekommen, gab es für mich mehrere Wege nach unten: Vier große Lastenaufzüge, die einst Kutschen und Autos nach unten brachten, außerdem zwei Personenaufzüge, die 24 Stunden nutzbar sind (anders als die Lastenaufzüge) und die Treppen. Trotz meiner Höhenangst entschied ich mich wagemutig für die Treppe. Das Geländer fest mit den Händen umklammert, begab ich mich auf den Weg in die Tiefe. „Nicht nach unten gucken“, ist ein Rat gegen Höhenangst. Doch das war einfacher gesagt als getan. Denn schon hier gibt es sehr viel zu sehen!
Man sieht die Architektur des Gebäudes mit den vielen Details, die großen Lastenaufzüge und das Stahlgerüst in das sie eingebaut sind. Und natürlich die geschwungene Treppe. Sie hat zwei Zwischenböden, die dazu einladen, innezuhalten und den Blick wandern zu lassen. Hier konnte ich in Ruhe beobachten, wie der große Lastenaufzug Menschen nach oben beförderte. Schön, dass diese Fahrstühle nach wie vor funktionieren und für viele einfach nur ein Teil ihres Weges durch den Tunnel sind. Seit über 100 Jahren.
Mein Weg führte mich weiter nach unten, und nun konnte ich endlich mal wieder in beide Röhren gucken. Viele Jahre war erst die östliche, dann die westliche Seite nicht zugänglich und alle Menschen zu Fuß oder auf dem Fahrrad mussten sich eine Röhre teilen. Jetzt ist es eindeutig, die linke, östliche Röhre ist fürs Fahrrad (Eine schmale Fahrspur für beide Richtungen. Das kann manchmal ganz schön eng werden, wenn sich zum Beispiel zwei Lastenräder begegnen.). Die rechte Seite ist in ganzer Breite eine Fußgängerzone. Autos bleiben dauerhaft draußen.


Zu Beginn der Restaurierung fuhren sogar noch Autos durch den Alten Elbtunnel. Von frühmorgens bis mittags Richtung Steinwerder, ab mittags Richtung Landungsbrücken. Radfahrer*innen, die in die jeweils andere Richtung wollten, mussten damals ihr Rad auf dem Gehweg schieben! Die Alternative, über die Elbbrücken zu fahren, bedeutete mehrere Kilometer Umweg. Im Juni 2019 wurde der Alte Elbtunnel dann für KFZ gesperrt. Seitdem können Radfahrer*innen und Fußgänger*innen 24 Stunden am Tag den Tunnel in beide Richtungen durchqueren.

Obwohl mir auf dem Weg durch die Fußgängerröhre mehrere Gruppen entgegenkamen, die sich vom Echo überzeugen wollten, empfand ich eine gewisse Ruhe; keine Ablenkung, kein rollender Verkehr. Einfach nur ich und ein gerader Weg unter der Elbe. So konnte ich mit Muße die Details des Tunnels betrachten: Zum Beispiel gibt es regelmäßig Steine mit Fischreliefs, die sich eindeutig von Kacheln an der Wand abheben. Und natürlich der Hinweis an der tiefsten Stelle, dass es nun wieder bergauf geht.
Nach 426,5 Metern unter der Elbe war ich in Steinwerder angekommen. Hier nahm ich mit anderen einen der großen Frachtaufzüge, auch ein paar Menschen mit Fahrrädern fuhren mit nach oben. Die Südseite ist innen wie außen nicht so prunkvoll, sondern eher funktional.
Genau wie viele Werftarbeiter vor 100 Jahren, durchqueren viele Menschen in Hamburg den Tunnel nach wie vor regelmäßig, sei es auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit. Für mich war es hingegen ein besonderer Ausflug.

