
Die Wilhelmsburger*innen wissen es schon länger: Wir leben in einem besonderen Stadtteil von Hamburg, landschaftlich und geschichtlich gesehen. Diese Besonderheiten untersuchten jetzt Studierende der Universität Lüneburg
Anlässlich des 11. Hamburger Architektursommers haben Studierende der Universität Leuphana in Lüneburg ausgewählte dokumentarische Filmclips über Bewohner*innen aus dem Reiherstiegviertel produziert und am 3. Juli 2026 in der Honigfabrik vorgestellt.
Unter der Leitung von Professorin Ursula Kirschner und Studentin Emma Ulrich präsentierten sie die Lebensgeschichten von Bewohner*innen besonderer Wohnhäuser. In kurzen Videoclips erzählen Bewohner*innen ihre Lebensgeschichten. Auffällig ist, dass alle gerne im Reiherstiegviertel gelebt haben oder es immer noch tun. Das negativ stigmatisierende Bild von Wilhelmsburg, das einem häufig in den Medien begegnet, können sie nicht bestätigen. Kritisiert wird eher die Gentrifizierung des Stadtteils, die hippe Cafés und höhere Mieten mit sich bringt. Jede Entwicklung hat eben auch ihre Schattenseiten.
Erfahrungen und Wünsche
Die Videos zeigten die Vielfältigkeit der Bewohner*innen des Reiherstiegviertels. „Wilhelmsburg ist ein Dorf mit 50.000 Einwohnern*innen“ diese Aussage bringt das Lebensgefühl der Insulaner*innen auf den Punkt.
Ein Familienvater, den alle Mücke nennen, wohnt im Familienhaus Schumacher, ein Mehrgenerationenhaus in der Fährstraße. Er kann sich ein Leben woanders ohne seine Familie nicht vorstellen und hofft, dass seine Enkel noch lange im Innenhof spielen.
Rita Wodniczak, 86, wohnt schon ihr ganzes Leben in Wilhelmsburg und hat auch die Sturmflut 1962 hautnah miterlebt, in ihrer Wohnung in der Veringstraße. Ganze Wohnungen im Parterre mussten damals leer geräumt werden.
Dann berichtete ein es den syrischer Flüchtling, wie er direkt vom Flughafen in Wilhelmsburg gelandet ist. Er hebt die Freundlichkeit der Menschen der Elbinsel hervor. Aber kritisiert geleichzeitig die mittlerweile schlechte Luft durch Fabriken im Wohngebiet und die geringe Anzahl an Parkplätzen.
Sanya Buljan, deren Mutter 1968 als als Gastarbeiterin nach Hamburg gekommen ist und die zuerst in der Fährstraße und danach mit ihren Eltern in der sogenannten Papageiensiedlung an der Georg-Wilhelm-Straße wohnte und sich besonders an die freundschaftliche Beziehung zu den Nachbarn im Haus erinnert.
Der Klabundehof
Hans-Peter Menk nennt sich „Insulaner“, denn man ist Wilhelmsburger ein Leben lang, wohnt seit 50 Jahren im Klabundehof (siehe Foto), einer Häusersiedlung aus den 50er Jahren, die nach dem SPD-Politiker Erich Klabunde benannt ist. Er freut sich besonders über das „viele Leben“ heutzutage. Was ihn stört, ist, dass oft ein negatives Narrativ vom Stadtteil verbreitet wird.
Die Ausstellung und Interviews beleuchteten die nahezu vergessenen Wohn- und Lebenswelten Wilhelmsburgs. Die Gespräche mit Zeitzeug*innen, Anwohner*innen und Angehörigen boten faszinierende Einblicke in die Geschichte und städtebauliche Entwicklung des Viertels. Sie präsentierten die Geschichten der Menschen hinter den Häuserfassaden und zeigten die Einzigartigkeit des Stadtviertels. Das ist wohl die größte Leistung der Arbeit der Studierenden und macht diese so besonders.

