Auseinandersetzung mit Hamburgs kolonialer Vergangenheit

Kinder- und Jugendpreis für ein Projekt der Nelson-Mandela-Schule

Schullogo: Kreis mit vielen bunten Segmenten, darin Schlagwörter zu den Zielen und Tätigkeiten der Schule
Leitbild Vielfältigkeit, die Bildmarke der Schule.

Sieben Schüler*innen der Nelson-Mandela-Schule an der Neuenfelder Straße haben für ein Projekt beim Deutschen Kinder- und Jugendpreis des Deutschen Kinderhilfswerkes die sogenannte „Lobende Erwähnung“ in der Kategorie „Politisches Engagement“ erhalten – so heißt dort der zweite Preis – verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro. Das Projekt hat einen langen Namen: „Alte Geschichte(n), neue Zugänge –Junge Stimmen im Dialog mit dem Tansania Park“.

Der Tansania Park

Der Tansania Park ist eine umstrittene Gedenkstätte auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Jenfeld – Lettow-Vorbeck, auch in der Bundesrepublik noch lange als Held verehrter General der „Schutztruppe“ für die Kolonie Deutsch-Ostafrika, die unter anderem das Gebiet der heutigen Vereinigten Republik Tansania umfasste.

In dem Park wurde unter anderem seit 2003 eine Sammlung von Denkmälern aus der deutschen Kolonialgeschichte präsentiert. Diese unkommentierte Sammlung war von Anfang als revisionistische Heldenverehrung und Verharmlosung der Kolonialpolitik und des Rassisten Lettow-Vorbeck in der Kritik und Ziel von Protestveranstaltungen und Demonstrationen. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich. In den letzten 20 Jahren wurde daran gearbeitet, die Exponate mit erklärenden Texttafeln zu versehen.

Das Projekt

Die vier kleine Preisstatuen nebeneinander aufgereiht
Die Preisstatuen. Foto: Oliver Lichtblau/Deutsches Kinderhilfswerk e. V.

Die Schüler*innen der Nelson-Mandela-Schule haben sich in ihrem Projekt anhand der Objekte im Tansania Park kritisch mit Kolonialismus und Rassismus auseinandergesetzt. Sie haben Interviews geführt, Audiobeiträge produziert und selbst alternative Ausstellungselemente hergestellt. Ein wichtiger Aspekt des Projekts waren auch die aktuellen Erfahrungen der migrantischen Jugendlichen mit Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. In der Abschlusspräsentation stellten sie die Ergebnisse ihrer Arbeit auf einer Führung durch den Tansania Park vor.

Die Lobende Erwähnung

Die Wahl des Projektthemas kommt nicht von ungefähr. Die Schule, die seit 2011 den Namen Nelson Mandelas, trägt steht für Antirassismus und Antidiskriminierung. Mit zwei Schulen der tansanischen Hafenstadt Daressalam, Hamburgs Partnerstadt, pflegt die Schule seit mehreren Jahren einen Austausch.

In der Begründung der „Lobenden Erwähnung“ des Kinderhilfswerks wird hervorgehoben, dass es den Schüler*innen darum ging „junge Perspektiven sichtbar zu machen, insbesondere von Jugendlichen, deren Erfahrungen mit Migration, Ausgrenzung und Rassismus in öffentlichen Diskursen selten vorkommen.“

Das Deutsche Kinderhilfswerk setzt sich seit mehr als 50 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Unterstützt wird der Preis von der Freizeitunternehmerfamilie Mack. Er wird stets in der badischen Gemeinde Rust im Freizeitpark „Euro-Park-Erlebnis-Resort“ des Unternehmers Roland Mack vergeben, (der im letzten Jahr wegen seiner AfD-Offenheit in die Kritik geraten ist).





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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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