Die Modernisierung des Warmwasserblocks auf der der Veddel ist abgeschlossen

Der jetzt als letzter denkmalgeschützte Gebäudekomplex aus den 20er Jahren auf der Veddel ist eins der berühmten Gebäude des Architekten und Stadtplaners Fritz Schumacher. Er wurde für die Baugenossenschaft freier Gewerkschafter (bgfg) erbaut. Und einer der ersten Häuserblocks mit fließend warmem Wasser. Daher der Name Warmwasserblock. Die Veddel ist eines der noch vorhandenen drei erhaltenen Schumacherquartiere.
Jetzt wurde die Instandsetzung und Modernisierung der sanierungsbedürftigen Gebäude nach vierjähriger Bauzeit abgeschlossen. Die energetische Sanierung umfasste unter anderem die Dämmung der Außenwände und der oberen Geschoss- und der Kellerdecken. Außerdem wurden die Leitungen ausgetauscht und Küchen und Bäder modernisiert. Bei der Außensanierung ging es auch darum, das Erscheinungsbild des Schumacherbaus zu bewahren und zum Beispiel Details der Fassade im Originalzustand zu erhalten.
Lob vom Denkmalschutz

Die Leiterin des Denkmalschutzamts, Anna Joss, lobte in einer Presseerklärung zum Abschluss der Arbeiten, die SAGA habe mit großer Sorgfalt dieses bedeutende Baudenkmal denkmalgerecht instandgesetzt und energetisch fit für die Zukunft gemacht.
Und Snezana Michaelis vom SAGA-Vorstand betonte: „Die SAGA ist sich ihrer städtebaulichen Verantwortung als Bestandshalterin bewusst. Die Modernisierung des Warmwasserblocks ist ein gelungenes Beispiel, das wir gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt eng abgestimmt und umgesetzt haben.“ Die SAGA habe das Gebäude im Sommer 2015 in einem baulich schlechten Zustand übernommen und unter Berücksichtigung der Interessen der Mieter*innen und in enger Abstimmung mit der Stadtentwicklungsbehörde, der Behörde für Kultur und Medien sowie dem Bezirksamt Hamburg-Mitte eine Lösung für die Sanierung erarbeitet.
Ursprünglich war der Abriss geplant
Ganz so harmonisch wie die SAGA-Vorständin es in der Presseerklärung beschreibt, ging es bei der Sanierung des Warmwasserblocks allerdings nicht zu.
Der damalige Senat hatte die Baugenossenschaft durch seine hohen Forderungen praktisch zum Verkauf des Erbpachtgrundstücks genötigt. Der Bau wurde zunächst von der Sprinkenhofgesellschaft verwaltet und kam dann in die Hände der SAGA. Dadurch wurde er etliche Jahre stark vernachlässigt. Die SAGA plante nach der Übernahme des Blocks 2015 eigentlich den Abriss der Häuser, weil der Abriss kostengünstiger sei als eine Sanierung der schimmelbefallenen Gebäude. Weder diese Pläne noch den Inhalt des dieser Entscheidung zugrundeliegenden Gutachtens teilte die SAGA den 160 Mietparteien des Warmwasserblocks mit.
Die Mieter*inneninitiative
Die Pläne kursierten nur als Gerücht, bis der SPD-Kommunalpolitiker Klaus Lübke die Pläne der SAGA 2018 bestätigte. Die Mieterin Almut Korf und Tina Röthig, eine Mitarbeiterin der Poliklinik Veddel, gründeten dann mit anderen Mieter*innen mit Unterstützung des Vereins „Mieter helfen Mietern“ eine Initiative und gingen an die Öffentlichkeit. In einer Presseerklärung der Initiative hieß es: „Wir wollen eine Veröffentlichung des Gutachtens … und die Prüfung der Optionen des Erhalts … Wir wollen bei den Plänen aktiv einbezogen werden.“

Außerdem fürchteten die Mieter*innen, dass sie während der Bauzeit nicht alle auf der Veddel bleiben könnten, neue Wohnungen teurer würden und dass nach Abschluss der Baumaßnahmen nicht alle wieder zurück ziehen könnten. Der Warmwasserblock geriet in die Schlagzeilen und die SAGA reagierte auf den öffentlichen Druck. Sie zog eine für 2020 angekündigte Mieterhöhung zurück, organisierte Werbeveranstaltungen – und ließ Zettel mit den Forderungen der Initiative, von den Haustüren entfernen. (WIR 9/19)
Der Denkmalschutz
Ausschlaggebend für den Sinneswandel der SAGA war neben der regen Tätigkeit der Initiative dann vor allem eine Entscheidung der Kulturbehörde: Sie stellte Ende 2018 den Schumacherbau als Teil des „Hamburger Backsteinerbes“ unter Denkmalschutz und verhinderte so den Abriss.
Die Mediation und die dann ausgehandelte Umsetzvereinbarung ist bundesweit zum Vorbild geworden, da hier die schwächere Partei der Mieter*innen ihre Interessen mit der Vermieterin gleichberechtigt verhandelte.
Anfang 2020 einigten sich die Behörde und der Bezirk Mitte mit der SAGA auf den Erhalt und die denkmalgerechte Modernisierung des Warmwasserblocks. Außerdem sollten durch Inanspruchnahme von Fördermitteln der Hamburgischen Investitions- und Förderbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau die Mieten des ersten Förderwegs mit 6,70 Euro pro Quadratmeter nach der Sanierung bezahlbar bleiben – ein Euro mehr als vor der Sanierung. (WIR 3/2020).
Ein Viertel der Mieter*innen kehrten zurück
So kam es dann zum „gelungenen Beispiel der engen Abstimmung mit dem Denkmalschutz“ und der „Berücksichtigung der Interessen der Mieter*innen“.
Laut der aktuellen Presseerklärung der SAGA hatten alle Mieter*innen im Zuge der Modernisierung Ersatzwohnungen und ein Rückkehrrecht erhalten, von dem etwa ein Viertel Gebrauch gemacht haben. Die Miete des ersten Förderwegs liegt jetzt „anfänglich“ bei 6,90 Euro pro Quadratmeter. Die Förderdauer ist auf 30 Jahre festgelegt. Wegen der immer noch günstigen, aber im Verhältnis zu den Genossenschaftszeiten verdoppelten jetzigen Mieten sind trotz aller Heimatverbundenheit und festen Rückkehrplänen etliche Mieter*innen in den Umsetzwohnungen verblieben.
Wie in anderen Hamburger Stadtteilen ist in Wilhelmsburg Nord und der Veddel ein SAGA-Mieter*innenrat in Gründung, um die Interessen der Mieter*innen gegenüber der SAGA besser vertreten zu können. So gibt es zum Beispiel im Warmwasserblock nach wie vor Schimmelprobleme wegen altbaubedingter Mängel (WIR 1.7.26).

