Was entsteht eigentlich nördlich vom Ernst-August-Kanal?

Bis vor wenigen Jahren führte hier die Wilhelmsburger Reichsstraße entlang. Doch diese ist nun weg. Was auf dem Gebiet folgt, wird Wilhelmsburg in den nächsten Jahren stark verändern

Im Sommer wurden wir auf Bauzäune aufmerksam gemacht, die auf dem Honartsdeicher Weg standen und so die Fahrbahn der Radroute teilweise sehr eng gemacht haben. Nach einer Anfrage des WIR beim Wegewart und der IBA Hamburg wurden diese im August auf die anliegenden Grünflächen verschoben.

Die Bauzäune wurden für die Kampfmittelsondierung des Gebiets aufgestellt. Die Sondierung der Oberfläche soll gemäß der IBA Hamburg ungefähr bis Oktober 2026 laufen, zu sehen ist bis heute, 7. Oktober, allerdings nichts. Danach soll unter der Oberfläche nach Kampfmittel gesucht werden.

Was dann nördlich vom Ernst-August-Kanal entstehen soll, wirkt dagegen weniger konkret. Und selbst Anlieger*nnen wissen nur wenig. Der Vorsitzende des Kleingartenvereins Op Schulzens Eck, Janwillem van de Loo, schrieb auf eine Anfrage, dass er davon ausginge, dass die Arbeiten im Zusammenhang mit einer geplanten Radroute (früher als Velorouten bekannt) stehen. Dass der Kleingartenverein von den Arbeiten betroffen sein wird, erwarte er nicht.

Die IBA Hamburg selbst schreibt in einer Antwort dazu: „Im Elbinselquartier Nord entsteht ein neuer Freiraum, der Natur, Freizeit, Bewegung und gemeinschaftliches Leben miteinander verbindet.“ Weiter heißt es, dass der Ernst-August-Kanal stärker in die Entwicklung eingebunden werden soll. Das Gebiet soll nach den Plänen der IBA Hamburg eine grüne Verbindung zwischen den geplanten Quartieren werden. Dazu zählen das direkt südlich vom Ernst-August-Kanal geplante Elbinselquartier, das weiter südlich gelegende Rathausquartier und das direkt westlich gelegende Spreehafenquartier, für welches der Wilde Wald gerodet werden soll.

Auf den bereitgestellten Karten der IBA Hamburg ist das Gebiet nördlich des Ernst-August-Kanals bisher nur spärlich beschriftet. Doch kann man einige Dinge ganz gut erkennen, der Honartsdeicher Weg bzw. Loop wird breiter und zwischen Rad- und Fußweg soll eine deutliche Trennung erfolgen. Der Radweg wird am Kanal unter der Schlenzigstraße durchgeführt, um dann über den Kanal geführt zu werden. Südlich vom Vogelhüttendeich geht es dann geradeaus durchs „Elbinsel-“ und „Rathausquartier“. Ein Vertreter vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) Hamburg schrieb dazu auf Anfrage, dass die Radroute Teil des geplanten Schnellradwegs von Hamburg nach Lüneburg werden könnte.

Karte vom Gebiet nördliches des Ernst-August-Kanals, die alte Fahrbahn der Wilhelmsburger Reichsstraße ist noch gut zu erkennen. Daneben der Honartsdeicher Weg.
Karte vom Gebiet nördlich des Ernst-August-Kanals. Die alte Fahrbahn der Wilhelmsburger Reichsstraße ist noch gut zu erkennen. Daneben der Honartsdeicher Weg. Map data from OpenStreetMaps

Stark verändern wird das sich das Gebiet zwischen Honartsdeicher Weg und dem Schiffsgraben. Hier soll nicht nur eine Skaterbahn entstehen, sondern hier ist auf den Karten auch ein Parkplatz zu sehen, der für die Kleingartenvereine gedacht ist. Die Nutzung der alten Fahrbahnfläche der Wilhelmsburger Reichsstraße soll gemäß der Karte vor allem für die Ansiedlung von Kleingärten zur Verfügung stehen. Und direkt am Ernst-August-Kanal sind vor allem Grünflächen zu erkennen.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der geplante Radweg unter der Schlenzigstraße auch dazu dienen soll, das im Wilden Wald geplante Spreehafen-Quartier anzubinden. Und dass die als Schleife geplante Auffahrt zur Brücke über den Ernst-August-Kanal den Wilden Wald betreffen wird. So wird hier zwar eine bessere Radverkehrsinfrastruktur entstehen, doch gleichzeitig wäre damit weiterer massiver Eingriff in den Wilden Wald verbunden.

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