Eine grobe Übersicht, was in den den kommenden Jahren ansteht und das nur im Bereich der Elbinseln
Reik Wolff. Überall Baustellen und es werden noch mehr. Im Frühjahr geht es mit den Süderelbbrücken voran, die neustrukturierte Leitung der DBInfraGO (WIR 7.10.26) wird sich ins Zeug legen müssen, 2028 sind die Vorbereitungen abgeschlossen und die vier neuen Brücken sollen bis 2038 fertig sein. Aktuell wird an der Eisenbahnbrücke über der Nordelbe gearbeitet, die Ende 2028 angegangen werden soll und bis 2035, mit zusätzlichen Gleisen, befahrbar werden soll. Einstimmen auf die Baustellenaktion konnte man sich bereits zwischen Harburg und Hauptbahnhof. Der Streckenabschnitt wird in den kommenden Jahren immer wieder einen Schienenersatzverkehr abbekommen.
Etwas früher (2031) soll das neue Viertel Grasbrook mit dem Moldauhafen (U4) angebunden sein. Das defekte Brückenteil der Freihafenelbbrücke wird auch im kommenden Jahr ausgetauscht, eine Behelfsbrücke für Autos, Radfahrer*innen und Fussgänger*innen (Umleitungsverkehr Veddel) wird im Sommer 2027 errichtet.
Öffentlicher Nahverkehr für mehr Menschen?

Eine Weiterführung der U-Bahn oder, wie neuerdings angedacht, eine auf Stelzen geführte Magnet-Bahn des Transportunternehmens Max Bögl, auf der Georg-Wilhelm-Straße, Mengestrasse, über Kirchdorf und Harburg, wird es vorerst nicht geben. Ich habe Verkehrssenator Anjes Tjarks explizit noch einmal darauf hingewiesen, dass es in den nächsten Jahren 20.000 mehr Einwohner*innen in den Neubaugebieten auf Wilhelmsburg gibt. Der Kapazitätenausbau soll allerdings über die zusätzliche S6 zwischen Hamburg Süd und Innenstadt erfolgen. Eine Alternativroute, etwa auf der alten Trasse der B75 durch die neuen Wohnquartiere, wäre eine Parallelfahrt, so der Verkehrssenator. Man kann also hoffen, dass auf den Metronom- und S-Bahn-Strecken keine Stellwerke streiken, Weichen defekt werden oder Personen im Gleisbereich zu Ausfällen des Nahverkehrs führen – wie so oft. Bei einer Freiflächennutzung vor einer geplanten Bebauung der IBA-Quartiere, könnte man etliche Millionen Euro einsparen durch Vorleistungen für eine Magnet- oder U-Bahn. Und alternative Wege in Betracht ziehen, sollte die bestehende, anfällige Gleisstrecke wegen Vollsperrungen und Ersatzverkehr nicht vollends zur Verfügung stehen. Zusätzlich müsste durch die Hochbahn eine Querverbindung mit Expressbussen geschaffen werden, bis hinein in den Hafen, nach Altona, ZOB und Wandsbek, um auch die überforderten Straßen entlasten zu können, gerade für Pendler.
Die Arbeiten am Nördlichen Elbinselquartier haben begonnen, die ersten Bäume für die Veloroute 10 (Anm. der Red.: Velorouten heißen jetzt Radrouten, gemeint ist die Radroute 12) wurden abgeholzt. Der Stenzelring wird als Gewerbeort erhalten bleiben. Mit der Hamburger Hochbahn soll es dort auf drei Hektar einen neuen Mieter geben. Die Busflotte Süd bekommt zusätzlich zum Hammer Deich ihre Werkstätten und E-Ladestationen und spart mit dem neuen Areal fast 135 Millionen Euro ein, gegenüber dem geplanten Neubau an der Station Veddel mit weit über 250 Millionen Euro Baukosten, hochgetrieben durch Lärm- und Brandschutzauflagen.
Der erwartete Nahversorger wird also nicht kommen, der Busbahnhof Veddel wird trotzdem umgebaut. Der Kampfmittelräumdienst ist fertig, die ersten Tiefbauarbeiten An der Hafenbahn sind im Gange, allerdings wird es dort eher kleine Geschäfte geben und keinen Supermarkt mit Vollsortiment.
Nächstes großes Thema wird wieder die A26-Ost

In Presseberichten Anfang des Monats wurde überraschend über die Kompromissbereitschaft der Umweltverbände berichtet. Man wolle, wenn keine Moorflächen versiegelt würden, eine vorgestellte Alternativroute akzeptieren und von weiteren Klagen absehen. In einem offenen Brief vom 14. Oktober 2026 an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) wird eine Überprüfung anderer Varianten gefordert, wenn nicht sogar der komplette Ausschluss der Abschnitte 6 a bis c (Anbindung A7 zur A1). Dafür soll die Hafenroute mittels der Köhlbrandquerung an die Anschlussstellen geknüpft werden.
Die Probleme der Optimierung von Verkehrsflüssen liegen allerdings ausserhalb der Autobahnen. Die A26-Ost wäre zu 70 Prozent eine Pendlerautobahn und somit keine Entlastung beispielsweise für die Kornweide oder Otto-Brenner-Straße. Ebenfalls stünde sie mit ihren Ingenieursbauten mit Tunneln und Brücken der Ausbauphase der profitablen Hafenbahn im Wege, auch den Plänen der Vergrößerung von Industriebereichen in Moorburg, am Blumensandhafen und der Hohe Schaar. Der Energiezweig Wasserstoff soll eine grosse Bedeutung erlangen und Firmen wie Aurubis und Airbus zu Einsparungen von 1,4 Millionnen Tonnen CO₂ (Neun Prozent der gesamtstädtischen Emissionen pro Jahr) verhelfen. Der Strom kommt allerdings weiterhin grßtenteils von den Offshoreanlagen der Vattenfall – eine Goldgrube!
Eine zusätzliche Autobahn bringt keine Umschlagszuwächse im Hafen

Die Autobahn stünde den Expansionsplänen der Firmen überall im Weg . Deswegen ist es umso wichtiger, neben dem Bau der neuen Köhlbrandbrücke auch gleichzeitig die Anschlüsse zu optimieren, mit möglichst wenig Ampelanlagen – sprich: Kreisverkehre. Gerade im Bereich der Rampen Rossdamm/Neuhöfer Damm, Steinwerder/Reiherdamm, Rampe A7/ Finkenwerder Straße. Bleibt noch das Problem Veddeler Damm mit Anschluss in Richtung A1. Für einen Tunnel an der Harburger Chaussee ist zu wenig Platz; oder die Brücke an der Veddeler Strasße müsste verbreitert werden. Eine weitere Möglichkeit wäre eine schon früher angedachte Brückenvariante am Veddelkanal über den Spreehafen zur Schlenzigstraße an die B75. Der Gewerbeverkehr wird auch dort zunehmen, der Bereich Steinwerder Hafen/Südwesthafen wird auch komplett umgebaut.
Mir persönlich liegt es am Herzen, wenn ALLE zusammenarbeiten. Jeder hat seine Vorstellungen und seine Interessen, aber kompromissbereit sollte man dennoch sein, wenn die Argumente überwiegen und jeder etwas Positives vom Erdachten erkennt. Daher ist es umso wichtiger, wenn verschiedene Institutionen, Vereine, Verbände, länderübergreifende Vorhaben Parteimitglieder et cetera einmal im Quartal an einem Tisch zusammenarbeiten könnten und alle Vorhaben verknüpft diskutiert würden. Somit muss zum Beispiel nicht alle zwei Jahre eine Straße aufgebuddelt werden, einmal für Internetleitungen, einmal für Abwasser und einmal für Erdgaspipelines …
Und vielleicht kann man SPD und CDU zur Aufgabe des Festhaltens am Projekt Autobahn A26-Ost mit reichlich vorhandenen Argumenten überzeugen. Für den Hafen, für die Anwohnenden der Elbinsel und für die schöne Hansestadt!


