Verpackungsmüll in Grünanlagen und Kanälen, Abfälle und Sperrmüll auf Straßen und Plätzen, Ratten in Parks und Hinterhöfen – die Vermüllung des öffentlichen Raums ist auch in Wilhelmsburg ein zunehmendes Problem. Doch statt uns nur darüber zu ärgern, sammeln wir gemeinsam Müll
Anna-Lena Bester. Bereits zum vierten Mal organisierte die Ortsgruppe der Partei Die Linke eine gemeinsame Müllsammelaktion. Am 4. Oktober kamen erneut engagierte Nachbar*innen zusammen, um sich für ein sauberes Viertel einzusetzen. Ausgestattet mit Greifzangen, Eimern, Müllbeuteln und Warnwesten sammelten sie im Reiherstiegviertel zwei Stunden lang Abfälle. Diesmal rund um den Wilden Wald, um das dort stattfindende Protestcamp für den Erhalt des Wilden Waldes zu unterstützen. Unterwegs bedankten sich immer wieder Wilhelmsburger*innen für den Einsatz.
Am Ende stapelte sich der gesammelte Abfall in mehreren großen Müllsäcken. Über die Melde-App der Stadtreinigung wurde die Abholung organisiert. Doch nicht nur das Ergebnis stand im Mittelpunkt: Die Aktion bot auch Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Nachbarschaft zu stärken. „Gemeinsames Müllsammeln macht Spaß! Man kommt miteinander ins Gespräch und sieht am Ende, was man geschafft hat. Beim nächsten Mal bin ich wieder dabei!“, erzählte eine Anwohnerin beim gemeinsamen Ausklang. Auf die Aktion war sie durch Plakate im Viertel und eine Telegram-Gruppe aufmerksam geworden.
Dass die Vermüllung des Stadtteils viele Menschen beschäftigt, zeigt sich auch in der offenen Sprechstunde im Stadtteilbüro der Linken und bei Haustürgesprächen. Immer wieder sprechen Anwohner*innen das Problem an und regen gemeinsame Müllsammelaktionen an. Daher bietet Die Linke weiterhin das gemeinsame Müllsammeln an und will dazu beitragen, Verantwortung für das eigene Wohnumfeld zu übernehmen und das nachbarschaftliche Miteinander zu stärken.
Auch Marinus Stehmeier, Abgeordneter der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, packte bei „Müllsammeln mit links“ mit an. Er betont, dass es bei der Aktion um mehr geht als um saubere Grünflächen: „Gemeinsames Müllsammeln schafft Sichtbarkeit für das Problem und stärkt das Bewusstsein für den Umgang mit Müll in unserer Gesellschaft.“
Zugleich sei es wichtig, nicht allein auf das Verhalten Einzelner zu schauen. „Die Vermüllung hat auch strukturelle Ursachen: Es werden zu viele unnötige Verpackungen produziert, Einwegverpackungen statt Mehrweglösungen genutzt und Abfalleimer quellen über in dicht besiedelten Gegenden. Wir wollen nicht nur die Natur schützen, sondern auch die sozialen Fragen in den Blick nehmen, die etwa beim Thema Sperrmüll eine Rolle spielen. Wer mehr Geld, Platz und Zeit hat, kann Müll oft leichter und schneller entsorgen – und damit auch leichter aus dem öffentlichen Blick verschwinden lassen.“
In Hamburg wurde 2025 für die Entsorgung illegalen Mülls 24 Millionen Euro ausgegeben. „Dieses Geld wäre besser in eine kostenfreie Sperrmüllabholung investiert“, fordert Marinus Stehmeier.

Gemeinsam anpacken und das Viertel sauberer machen. Die nächste Aktion kommt bald – und helfende Hände sind herzlich willkommen.

