Luftakrobat oder Liebessymbol

Die Wahl zum Vogel des Jahres 2027 startet. Alle können abstimmen: Fünf Vögel wollen Nachfolger des Rebhuhns werden. NABU Hamburg setzt sich durch vielfältige Projekte für den Schutz aller Kandidaten ein

Pressemitteilung. Am 8. September starten NABU und sein bayerischer Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) wieder die öffentliche Wahl zum Vogel des Jahres – alle können mitmachen und entscheiden, wer 2027 die Krone der Vogelwelt tragen soll. Dabei sind Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel. „Die Kandidaten zeigen, wie vielfältig unsere Vogelwelt ist: Trauerschnäpper und Mehlschwalbe ziehen im Winter nach Afrika, der Kranich nur eine kurze Strecke Richtung Süden, Kolkrabe und Wasseramsel leben ganzjährig bei uns“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler. „So unterschiedlich sie leben, jeder der Kandidaten bringt ein wichtiges Naturschutzthema mit, das unsere Aufmerksamkeit braucht – darum hat jeder der fünf es verdient, gewählt zu werden.“

Auf einem Ast mit sehr rauer Rinde sitzt ein großer schwarzglänzender Vogel.
Kolkrabe. Foto: © Mathias Schaef/NABU

Der Kolkrabe (Corvus corax) ist aus vielen Märchen und Mythen bekannt. Der besonders intelligente und soziale Vogel hat völlig zu Unrecht ein schlechtes Image. Im Mittelalter galt er als „Schädling“ oder „Unglücksrabe“ und auch heute wird sein Leben durch Abschüsse und Vergiftungen bedroht. Männchen und Weibchen sind kaum zu unterscheiden. Beide haben schwarz glänzendes Gefieder, einen klobigen Schnabel und die Körpergröße eines Bussards. Der Kolkrabe ist damit der größte Singvogel der Welt. Sein Slogan: „Schwarze Federn, helles Köpfchen!“

In Hamburg ist der Kolkrabe nur selten zu beobachten, eher hört man sein markantes „kroak“. Einige wenige Paare kann man in den größeren Waldgebieten beobachten, z.B. im Wohldorfer Wald, im Klövensteen, im Volksdorfer Wald, in den Harburger Bergen oder in den Besenhorster Sandbergen. Der NABU Hamburg setzt sich für den Erhalt alter Bäume und naturnaher Waldbestände ein, die der Kolkrabe als Brutplatz benötigt.

Ein großer, überwiegend brauner Vogel mit langen Beinen und langem Hals stakst durch hohes Gras.
Kranich. Foto: © Frank Derer/NABU

Mit seinem typischen Trompeten stellt sich der Kranich (Grus grus) zur Wahl. Der Zugvogel ist in vielerlei Hinsicht ein spektakulärer Kandidat. Mit bis zu 116 Zentimetern Körperhöhe ist er größer als ein Weißstorch. Seine eleganten Balztänze im Frühjahr und sein Zug in großen Keilformationen im Herbst sind Naturschauspiele, die jedes Jahr viele Menschen faszinieren. In vielen Ländern gilt er als Symbol für Glück, Liebe und Frieden. Weil er Feuchtgebiete zur Rast und Brut braucht, lautet sein Slogan: „Allzeit nasse Füße!“ Der NABU Hamburg engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für den Schutz des Kranichs. So gibt es im Duvenstedter Brook seit 1997 eine sogenannte Kranichwache: Ehrenamtliche des NABU sorgen von März bis Juni dafür, dass die Kraniche in Ruhe brüten können. Der Kranichschutz war zudem der Beginn der Aktivitäten des NABU Hamburg in der Elbtalaue in den 1970er Jahren. Damals drohten dort die letzten Kranichbrutpaare zu verschwinden. Heute sind sie dort wieder zahlreich zu beobachten.

kleiner Vogel am Rand einer Pfütze im Lehm. Der Vogel ist oben schwarz, der Bauch ist weiß.
Mehlschwalbe. Foto: © Mathias Schaef/NABU

Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) hat als Insektenfresser und Gebäudebrüter gleich zwei Probleme, die ihren Bestand gefährden: Durch den Insektenschwund hat sie weniger Nahrung zur Verfügung. Zudem werden ihre Nistplätze, Halbkugeln aus Lehm, die sie an die Außenseite von Häusern baut, oft entfernt, etwa bei Gebäudesanierungen. Die Mehlschwalbe ist laut Roter Liste gefährdet. Ihr Wahlkampfslogan lautet: „Auf gute Nachbarschaft!“

In Hamburg gehen viele Nistplätze der Mehlschwalbe durch energetische Sanierungen verloren. Mit dem Projekt „Artenschutz am Gebäude“ setzt sich der NABU Hamburg aktiv ein für die Mehlschwalbe und andere Gebäudebrüter.

Ein kleiner braun-weißer Vogel auf einem Ast. Er wurde vom Schwanz her fotografiert, blickt aber zur Seite und ist deshalb gut zu erkennen.
Trauerschnäpper. Foto: © Mathias Schaef/NABU

Anders als sein Name vermuten lässt, ist der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) ein munterer Luftakrobat. Er fängt sein Futter oft im Flug von einer Sitzwarte aus. Doch Insekten gibt es immer weniger. Außerdem hat er ein Zeitproblem: Weil der Frühling durch die Klimakrise immer früher beginnt, geht der Trauerschnäpper oft leer aus bei der Suche nach geeigneten Bruthöhlen und Nahrung für seinen Nachwuchs. Wenn er aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück ist, sind viele Baumhöhlen und Nistkästen schon besetzt und die Insektenentwicklung zum Teil weit vorangeschritten. Auch er ist gefährdet, in Hamburg sogar stark gefährdet. Sein Slogan: „Mach Tempo fürs Klima!“

Um unter anderem dem Trauerschnäpper wieder mehr Nistmöglichkeiten zu bieten, installieren die Stadtteilgruppen des NABU Hamburg seit 2025 Nistkästen in geeigneten Grünanlagen und Naturschutzgebieten. Dieses Projekt trägt den Titel „Ein Herz für Vögel – 555 Nistkästen für Hamburg“.

auf einem Stein vor grün verwischtem Hintergrund (Wasser?) steht ein nicht ganz kleiner brauner Vogel mit weißer Brust. Er hat ein Insekt und einige Würmer im Schnabel.
Wasseramsel. Foto: © Mathias Schaef/NABU

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist der einzige einheimische Singvogel, der tauchen, schwimmen und sogar unter Wasser laufen kann. Ihr überwiegend braunes Gefieder ist sehr dicht und somit perfekt an die aquatische Lebensweise angepasst. Sie brütet vor allem in Mittel- bis Süddeutschland in der Nähe von geröllreichen, schnell fließenden Bächen und Flüssen im Wald- und Bergland. Ihr Nest baut sie in der Uferböschung oder in Mauerlöchern. Sie ist das ganze Jahr über zu beobachten und derzeit ungefährdet. Ihr Slogan: „Klarer Bach, klarer Fall!“

In Hamburg ist die Wasseramsel ein seltener Wintergast, der an den naturnahen Fließgewässern beobachtet werden kann. Die Art profitiert von den Renaturierungsmaßnahmen, die der NABU an den Stadtbächen wie Bille oder Wandse durchführt. Hier findet sie ihre bevorzugte Nahrung wie Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven und kleine Wassertiere.

Seit 8. September ist das virtuelle Wahllokal unter www.vogeldesjahres.de freigeschaltet. Bis zum 15. Oktober, 11 Uhr, kann abgestimmt werden. Noch am selben Tag wird der Sieger bekanntgegeben. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt. Der aktuelle Vogel des Jahres ist das Rebhuhn.

Vogelporträts: www.NABU.de/vogelportraets

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