Im April trat die ehemalige Vorsitzende des AfD-Bezirks Hamburg Mitte, Nicole Jordan, aus der Partei aus. Der neue Bezirksvorstand steht für dieselbe rechtsradikale Politik

Angesichts ständig steigender bundesweiter Umfragewerte der AfD und einer drohenden Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt reagieren die anderen Parteien und die Medien immer halbherziger und widersprüchlicher: Die Umfragezahlen werden schöngeredet. Neben dem Kurs, die „Rechten“ mit rechter Politik überflüssig zu machen (Abschiebeoffensive) steht die Betonung der „Brandmauer“, die wiederum von Teilen der CDU und vom BSW für überholt und schädlich erklärt wird. Der Spiegel macht Ulrich Siegmund (Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt) als „gefährilichsten Mann Deutschlands“ bekannt, und stellt andererseits einen AfD-Bürgermeister einer kleinen Gemeinde vor, der „gar nicht so schlecht sei.“ Das ZDF hat in vorauseilendem Gehorsam ein AfD-kritisches Lied des Rappers Danger Dan kurzfristig aus dem Programm der Satiresendung „Die Anstalt“ genommen.
Kein Grund zum Aufatmen nach Nicole Jordans Austritt aus der AfD

Gegen die Rechtsentwicklung gab es In Hamburg in den letzten Jahren mehrere große Demonstrationen. Auf den Elbinseln wurde verschiedentlich gegen die AfD-Bezirksvorsitzende, die Wilhelmsburgerin Nicole Jordan protestiert, unter anderem mit lauter „Blockflötenmusik“ gegen einen AfD-Wahlstand. Der WIR hat mehrfach berichtet (WIR 6.2. 25)
Nicole Jordan wird dem rechten Rand der Rechten zugerechnet, dem formal inzwischen aufgelösten völkisch-rassistischen „Flügel“ um Björn Höcke – vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft.
Im April 2026 ist Nicole Jordan nach parteiinternen Querelen aus der AfD ausgetreten, behält allerdings ihr Mandat in der Fraktion des Bezirks Mitte weiter. Der neue AfD-Bezirksvorstand steht für die gleiche Politik, die Nicole Jordan vertritt.
Noch viel zu tun
Eine Gruppe Wilhelmsburger Antifaschisten hat aus der AfD-Homepage, Wikipedia und sozialen Medien Infos über die neuen Vorstandsmitglieder zusammengestellt und dem WIR den nachstehenden Text zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. (Die Verfasser sind der Redaktion bekannt.)
Anfang April gab die langjährige Vorsitzende des Bezirksverbandes Nicole Jordan ihren Austritt aus der AfD bekannt. Ihr Grundstück in Wilhelmsburg war einer der letzten Veranstaltungsorte in Hamburg, welcher der AfD noch zur Verfügung stand. Dieser war immer wieder im Zentrum von Protesten. Jetzt hört Nicole Jordan bei der AfD auf. Zeit für uns als Wilhelmsburger*innen aufzuatmen? Nein.
Abgesehen von der Tatsache, dass sie ihr Mandat in der Bezirksversammlung weiter behalten will: Der AfD-Vorstand mit neuer Besetzung steht unverändert für einen völkischen Rassismus und die Bekämpfung demokratischer Grundwerte. Ob mit oder ohne Nicole Jordan: Ihre Politik wird weiterhin auch in Wilhelmsburg stattfinden.
Neuer Bezirksvorsitzender ist Benjamin Mennerich. Dem ehemaligen Soldaten aus Billstedt werden von anderen AfD-Mitgliedern
Holocaust-Leugnung und antisemitische Äußerungen vorgeworfen. Die selben Quellen berichten auch, dass der Grund für das Ende seiner Bundeswehr-Karriere Ermittlungen des Militärgeheimdienstes MAD waren, welcher Mennerichs politische Tendenzen als „rechtsextrem“ und „volksverhetzend“ einschätzte.
Zuletzt machte er aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der rassistischen Dating-Plattform „White Date“ Schlagzeilen, die in Erwartung eines „Rassekrieges“ die Gründung „reinrassiger deutscher Familien“ fördern sollte. Er zeigt sich damit noch deutlicher und schamloser als andere AfD-Mitglieder als Befürworter eines völkischen Rassismus.
Neu dazugekommen sind unter anderem die Wilhelmsburger Daryan Schölling, Patrick Pranjic und Günther Seidel. Diese besetzen Posten im Bezirksvorstand der AfD Hamburg Mitte, sowie im Vorstand des neugegründeten AfD-Jugendverbandes „Generation Deutschland“ (Hamburg) und beziehen sich positiv auf rechte Kampfbegriffe wie „Remigration“. Sie alle leben in Wilhelmsburg.
Die weiteren drei Mitglieder sind Waldemar Fengler aus Hamm, Gabriele Brochner aus Billstedt und eine aktuell noch anonyme Person die nur als „R. F.“ auf der Website der AfD steht. Fengler ist ebenfalls Teil der „Generation Deutschland“ und präsentiert sich mit dem Slogan „Disziplin, Fitness und Stärke“. Brochner zeigt auf ihren Social Media Profilen nicht nur ihre Zugehörigkeit zur AfD, sondern auch ihre Nähe zur neonazistischen Partei „Die Heimat.“
Nicole Jordans Rückzug bedeutet demnach keine Entspannung. Ihre Nachfolger in der AfD und der „Generation Deutschland“ sind nicht weniger radikal und stehen für eine Orientierung der AfD zu einer völkische Rechten. Vergangene Wahlergebnisse zeigen, dass insbesondere Süd- und Ost-Wilhelmsburg zu den Hochburgen der AfD in Hamburg gehören. Wir haben immer noch viel zu tun

