Hamburg fördert 2026 mit dem INTRO-Programm neun geflüchtete Künstler*innen, vier davon auf der Elbinsel

In der vergangenen Woche stellte die Hamburger Kulturbehörde das Förderprogramm INTRO für das Jahr 2026/27 vor.
Das Programm richtet sich an Kulturschaffende, die ins Exil gegangen sind, weil sie aus unterschiedlichen Gründen von Verfolgung bedroht sind und ihre künstlerische Tätigkeit in ihrem Land nicht fortsetzen können. Es unterstützt sie dabei, in Zusammenarbeit mit einer Hamburger Kultureinrichtung eigene Projekte umzusetzen. Im Rahmen eines INTRO-Programms hatte bereits vor zwei Jahren die iranische Musikerin Atena Eshtiagi in Kooperation mit dem Bürgerhaus das Festival „HASTAM – Just because I AM“ (WIR 14.8.24) organisiert.
Kultursenator Carsten Brosda sagte bei der Vorstellung von INTRO 2026/27: „… Auch in diesem Jahr zeigt das große Interesse an dem Programm, dass wir geflüchteten Künstler*innen damit erfolgreich helfen, in Hamburg eine Heimat zu finden.“
Vier der acht Projekte finden südlich der Elbe statt
Für 2026/27 hat eine unabhängige Fachjury unter den Bewerber*innen acht Teams aus Kultureinrichtungen und Künstler*innen umgesetzt, die gemeinsam mit der Einrichtung in diesem Jahr ein eigenes Projekt umsetzen. Bemerkenswert ist, vier der acht Projekte mit fünf Künstler*innen finden südlich der Elbe statt, also in dem Teil Hamburgs, der auf dem Stadtplan von Hamburg-Tourismus gar nicht existiert:
Laila Mahmudi aus Afghanistan realisiert ihr Projekt „nonverbaler Ausdruck von Erinnerungen …“ in Kooperation mit dem
Alles wird schön e. V. in Harburg. Vier Künstler*innen arbeiten mit Einrichtungen auf der Elbinsel zusammen.
Die Wilhelmsburger Projekte
Im Kunst- und Philosophieverein Hyper Cultural Passengers e. V. im Sieldeich auf der Veddel erarbeiten die Malerin Saba Soleyman und die Bildhauerin Sara Rahanjam aus dem Iran verschiedene Kulturprojekte.
Die iranische Filmemacherin und Regisseurin Farahnaz Sharifi möchte in Kooperation mit dem Bürgerhaus die Filmszene in Wilhelmsburg wiederbeleben. Beim HASTAM Festival im September nimmt sie an einer Podiumsdiskussion über die Widerstandskraft iranischer Untergrundkultur teil.
Zusammen mit der Honigfabrik setzt der Künstler Khaldoun Shadoud sein Forschungsprojekt „Pieces of Peace“ – Friedensteile – um.
Das Beispiel „Pieces of Peace“

Foto: H. Kahle
Nach dem etwas sperrigen Projekttitel geht es dabei um eine Untersuchung, „wie Frieden nicht nur durch politische oder theoretische Definitionen verstanden, sondern sinnlich, emotional und kollektiv erfahrbar gemacht werden kann.“
Khaldoun Shadoud hat in Damaskus und in Hamburg Bildhauerei, Malerei und Visuelle Kommunikation studiert. Anfang dieses Jahres hat er sich um einen Atelierraum in der Honigfabrik beworben und die Teilnahme am INTRO-Programm angeregt. In seinem Projekt geht es ihm um den Kontrast zwischen den gesellschaftlichen Vorstellungen und den Erfahrungen jedes Einzelnen mit „Frieden“.
Dazu bietet er unter anderem in der Keramikwerkstatt der Honigfabrik Workshops an, in denen die Teilnehmer*innen ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Frieden in Ton „übersetzen“. Er sammelt Fotografien und Geschichten von Orten, die für den Frieden oder dessen Verlust stehen. Für die Entwicklung eines Videoarchivs führt er Interviews mit Menschen zu ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema.
Zum Abschluss des Projekts im nächsten Jahr werden alle Ergebnisse in der Honigfabrik ausgestellt und zusammengeführt. Neben der Werkstatt stellt die Hofa Khaldoun Shadoud ihre Infrastruktur zur Verfügung und unterstützt ihn mit ihren Netzwerken bei der Öffentlichkeitsarbeit.
„Pieces of Peace“ heißt es in der Projektbeschreibung, „… schafft Sichtbarkeit für die Perspektive eines Künstlers, der aufgrund von Krieg und Verfolgung erst kürzlich sein Heimatland verlassen musste.“

