Gemütliche Einzelzimmer mit eigenem Bad für ein würdiges Alter statt Doppelzimmer mit Schmetterlingsbädern, wie früher
Nach enormen Bauverzögerungen wurden am 27. Mai 2026 die Häuser Wilhelmsburg und Haus Linde von PFLEGEN & WOHNEN (P&W) HAMBURG feierlich eröffnet. Die beiden Neubauten ersetzen die vier alten Gebäude auf dem Gelände, die inzwischen bereits abgerissen sind. Die hohen Schuttberge erinnern noch daran. Es ist noch nicht klar, was hier in Zukunft möglich ist. Katja Lohmann, Geschäftsführerin von P&W HAMBURG ist zuversichtlich: „Es wird ein Brainstorming mit den Gesellschafter*innen und der Behörde geben und dann wird überlegt, was wir hier alles machen können. Wir werden die Überlegungen zu einem späteren Zeitpunkt vermitteln und teilen.“ Für die Bewohner*innen wurden schon einige Gärten angelegt. Der Teich, der an die Terrasse von Haus Wilhelmsburg grenzt, soll erhalten bleiben.
Bedeutung für die Pflege in Hamburg
Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer, Aufsichtsratsvorsitzende von P&W HAMBURG betonte in ihrer Rede, dass es die erste Inbetriebnahme neuer Häuser seit Rückkauf der Pflegeheime durch die Stadt Hamburg im Herbst letzten Jahres sei. Pflege sei Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und fuße auf Verlässlichkeit und Qualität. Da mache sich Hamburg keine Sorgen. P&W sei ausgezeichnet worden für besonders hohe Qualität. Im Namen des Aufsichtsrates dankte sie den langjährigen Mitarbeiter*innen und den Führungskräften.
Pflege braucht mehr als Effizienz
Nur ein geringer Teil alter Menschen wird stationär gepflegt. 85 Prozent werden zu Hause gepflegt. Für die stationäre Pflege stehen am Standort nun zwei moderne, zukunftsfähige Häuser mit 309 Pflegeplätzen zur Verfügung. Anstelle der früher üblichen Doppelzimmer gibt es jetzt gemütliche Einzelzimmer mit großem Bad. „Aber“, sagte Melanie Schlotzhauer, „gute Pflege lässt sich nicht allein durch Effizienz organisieren. Pflege braucht Zeit, Professionalität und Menschlichkeit.“ Als Mitglied im Zukunftspakt Pflege der Bundesregierung wünsche sie sich Antworten auf die Sorgen vieler Familien, die befürchten, durch die hohen Pflegekosten auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Diese Ängste hielten manche Menschen davon ab, in ein Pflegeheim zu gehen, obwohl sie Unterstützung benötigten.
Melanie Schlotzhauer lobte die Einrichtung insbesondere dafür, sich zu trauen im Haus Linde ein Angebot für Menschen mit demenziellen Erkrankungen oder Personen mit Korsakow-Syndrom zu machen. Nur wenige Träger und Einrichtungen wären bereit, diese Verantwortung zu übernehmen.
Ein langer Weg bis zur Eröffnung
Bevor die große Eröffnungstorte angeschnitten wurde, berichtete Michael Günther, Direktor P&W WILHELMSBURG, was so ein Neubau bedeutet und wie es ist, wenn es dann auch noch Verzögerungen gibt. Er war viele Jahre Pflegedienstleiter in Haus Linde am Holstenhof in Jenfeld. 2020 wurde dann ein Neubau angekündigt. Als bekannt wurde, dass dieser in Wilhelmsburg errichtet würde, bekam er elf Versetzungsanträge. Letztendlich sind 35 Mitarbeiter*innen nicht mit umgezogen. Nach vielen Verzögerungen, u. a. durch einen großen Wasserschaden, zogen schließlich 70 Bewohner*innen im Oktober 2025 in zwei Reisebussen nach Wilhelmsburg – fast wie bei einem gemeinsamen Ausflug. Die Bewohner*innen der bisherigen Wilhelmsburger Einrichtung folgten im Dezember 2025 und bezogen das neue Haus Wilhelmsburg.
Spezielles Konzept für Menschen mit Demenz und Korsakow-Syndrom
Michael Günther erzählte dann bei einem Rundgang durch das Haus Linde noch von den besonderen Erfordernissen bei der Betreuung der dort lebenden Menschen. Die Einrichtung verfügt über drei Bereiche: für Menschen mit Unterbringungsbeschluss, Personen, die das Gebäude verlassen dürfen und Menschen mit einer klassischen Demenz. Aufgrund der Altersunterschiede und unterschiedlichenVerhaltensweisen, dürfen sie sich nicht begegnen. Deshalb verfügt jede Gruppe über einen eigenen Fahrstuhl. Darüber hinaus gibt es auf jeder Etage Rückzugsräume und Therapiebereiche sowie Küchen und Terrassen. Eine Werkstatt und Sporträume können genutzt werden.
Langsam füllt sich das Haus und neue Mitarbeiter*innen konnten gewonnen werden. Das besondere Klientel erfordert aber auch eine intensive fachliche Schulung und Weiterbildung des Personals.
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