20 Jahre Elbe-Tide-Auenzentrum: Natur erleben am richtigen Ort

An der Bunthäuser Spitze, im Südosten der Insel Wilhelmsburg und damit in unmittelbarer Großstadtnähe, liegt das Elbe-Tide-Auenzentrum der Gesellschaft für ökologische Planung e. V.

Im Vordergrund eine Hecke, dahinter. Im Hintergrund ein Fluss.
Ein kleiner Podest im Garten des Elbe-Tideauenzentrums ermöglicht den Blick auf die Elbe. Foto: M. Groß

Seit 20 Jahren informiert die Einrichtung hier über die Besonderheiten der Süßwasser-Tideauen, den Naturschutz und die Bedeutung von Biodiversität. Das Jubiläum wurde mit Wegbegleiter*innen, Unterstützer*innen und Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung gefeiert.

„Die Vielfalt der Gäste passt auch zu dem, um was es hier geht“, erklärte Kai Schmille, Vorsitzender und Gründer der Gesellschaft für Ökologische Planung (GÖP). „Dieses Projekt ist von vielen aufgebaut worden. Als die Initiator*innen das Projekt dem Amtsleiter der Naturschutzbehörde vor mehr als 25 Jahren vorstellten und auf die Besonderheiten der Süßwasser-Tideauen hinwiesen, meinte der nur: ‚Super Idee, aber ich habe keine einzige D-Mark in der Kasse.‘ Der Etat der Umweltbehörde war wirklich noch sehr schmal,“ erzählte Kay Schmille. Damals hatte der Naturschutz, der Klimawandel und der Erhalt der Artenvielfalt noch weniger Bedeutung als heute.

Dennoch gelang es, das Tide-Auen-Zentrum zu verwirklichen. Ein großer Teil des Geldes, der noch fehlte, kam aus der Stadtteilförderung. Die Wilhelmsburger Politiker*innen und Mitglieder des Stadtteilbeirats wollten das Haus auf der Insel haben. Ein solches Informationszentrum könne den ganzen Stadtteil aufwerten, argumentierten sie. Solche Info-Häuser sollten nicht immer nur nach Duvenstedt, Fischbek oder andere Stadtteile gehen.

„Das Geld war dann immer noch knapp, eigentlich reichte es überhaupt nicht,“ erinnerte sich Kai Schmille. „Aber das hatte auch den Vorteil, dass wir lernten, sparsam zu wirtschaften. Was kann man selber machen? Vieles wird selbst gebaut.“ Heute trägt die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) einen Teil der Hauskosten. Aber der pädagogische Inhalt, und der ist dem Team besonders wichtig, wird mit Stiftungsgeldern finanziert. „Also, es gibt keine Pädagogikmittel der BUKEA für dieses Haus, sondern die müssen wir uns selbst zusammensuchen,“ erklärte Kai Schmille. Aber das ginge auch und hätte die ganzen Jahre gut funktioniert.

Zuerst war die Wasserburg das Ziel

Jens Kerstan, Ex-Umweltsenator von Hamburg und lange Jahre Vorsitzender der GÖP, bestätigte die wichtige Rolle Kai Schmilles bei der Entwicklung des Zentrums: „Kai war von Anfang an hier. Er hat die geniale Fähigkeit, Projekte zu planen, Leute zu begeistern und Geldgeber zu finden, Widerstände aus dem Weg zu räumen und zu organisieren.“

Die GÖP sei ein relativ kleiner Verband gemessen an der Mitgliederzahl. Was Kai Schmille da auf die Beine gestellt habe, sei sehr beeindruckend. Er berichtete von der der Wasserburg, die zuerst als Zentrum geplant war. Aber diese fiel kurz vor Vertragsabschluss Brandstiftern zum Opfer. Daraufhin erhielt die GÖP den Hinweis, das die Stackmeisterei an der Bunthäuser Spitze leer stehe. Laut Kai Schmille spielte Jens Kerstan in der Delegation, die mit der Hamburg Port Authority (HPA) die Verhandlungen führte, eine ganz wichtige Rolle. Es war damals nicht selbstverständlich, dass ein Naturschutzverband sein Haus von einer Hafenbehörde mietet. Bis heute ist die GÖP Mieter der HPA.

Ein ganz besonderer Ort

Auch die heutige Umweltsenatorin, Katharina Fegebank, lobte die GÖP als großartigen Naturschutzverein. Sie habe ihn nicht nur als leidenschaftlich und beharrlich, sondern auch als grundoptimistisch wahrgenommen. Sie geriet ins Schwärmen über die einzigartige Lage, einen Ort, an dem sich Norder- und Süderelbe trennen. Er schaffe ein Bewusstsein für die großen Themen dieser Zeit – den Klimawandel, die Bedeutung der Biodiversität und den Verlust der Artenvielfalt.

Die Menschen prägen das Elbe-Tideauenzentrum

„Noch ein paar Worte wird auch Anne sagen, die auf besondere Weise mit dem Haus verbunden ist,“ leitete Kai Schmille zu Anne-Marie Kühle über. Sie leitet das Elbe-Tideauenzentrum seit drei Jahren.

Ihre Geschichte mit dem Haus begann schon vor der dessen Eröffnung im Jahr 2006. Sie absolvierte 2005 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der GÖP, die damals ein Büro im Boberger Dünenhaus hatte. Die FÖJler*innen waren in ganz Hamburg im Einsatz und eines Tages auch auf Moorwerder.

Anne-Marie Kühle berichtet, wie sie und andere Freiwillige das ehemalige Wohnhaus entkernten und anschließend zu dem heutigen Zentrum umbauten. Danach begann sie ihr Studium und arbeitete in anderen Regionen. Vor drei Jahren traf sie durch Zufall Kai Schmille wieder und kehrte an die Bunthäuser Spitze zurück.

Hier erlebte sie, wie sich das Haus weiter entwickelt hatte und wie es geprägt wurde durch die Menschen, die das Haus durchlaufen hätten. Sie lobte die Mitarbeiter*innen, insbesondere Benedikt Domin, der seit über zehn Jahren viel Herzblut und Zeit in Haus, Garten und Naturerlebnisfläche stecke. Auch die Absolvent*innen des Freiwilligen Ökologischen Jahres und des Bundesfreiwilligendienstes hätten viel geleistet für die Vorbereitung des Jubiläums.

Jetzt steht der Ausbau und die Erweiterung der Außen- und Naturerlebnisfläche an. WIR wünschen für die nächsten 20 Jahre viel Erfolg.

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Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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