Hat die DEGES die gerichtlich angeordnete Klimaüberprüfung der A26-Trasse durch das Moor südlich von Moorburg tatsächlich vorgenommen? BUND und NABU bezweifeln das

Schönes Wetter und viele Menschen waren am letzten August-Wochenende beim SWAMP-Fest auf dem Gelände des Elbdeich e. V. in Moorburg. Stände mit Kaffee, Kuchen und Getränken. Auf der Bühne Musik von Indie-Pop bis Reggae und viele Angebote für die Kinder. An einer Wand hängt ein Plakat mit einem Männchen mit der Schleuder ihm gegenüber ein Riese und darunter die Parole: „Nur Mut! David besiegte Goliath“.
Das gallische Dorf
Moorburg ist schon seit Jahrzehnten ein kleines „gallisches Dorf“ im Hamburger Süden. Der Ort gehört seit Anfang der 80er Jahre zum Hafenerweiterungsgebiet nach dem Hafenentwicklungsgesetz. Es darf dort nichts neu gebaut werden, die bestehenden Häuser nicht „verändert“ werden, Grundbesitzer können mit vereinfachtem Verfahren enteignet werden. Inzwischen haben viele Bewohner*innen Moorburg verlassen, Häuser stehen leer, die Schule und das letzte Gasthaus sind geschlossen. Die Bewohner*innen haben sich auch schon immer gegen den Verfall des Ortes gewehrt. In der Homepage des Elbdeich e. V.. heißt es: „Das Leben in Moorburg ist zwangsläufig ein Politikum“. Das SWAMP-Fest zeugte davon, dass der Ort trotz allem lebt.
Vor allem wehren sich die Moorburger*innen zusammen mit den Umweltverbänden BUND und NABU gegen den Bau des geplanten Autobahnabschnitts A26-Ost, der südlich des Ortes durch ökologisch wertvolles Moorgebiet führen soll: mit Öffentlichkeitsarbeit, regelmäßigen „Moorwalks“ durch das betroffene Gebiet und einem „Protestival“.
Die DEGES räumt die Klimaschädlichkeit ein, aber …

Auf dem SWAMP-Fest versammelten sich Besucher*innen und BUND-Aktive zu einem großen Protestfoto. Lisa-Mia Schaich, Moorburgerin und Leiterin des BUND-Erlebnisgartens im Wilhelmsburger Inselpark, informierte über den aktuellen Stand der Planung: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte vor einem Jahr auf eine Klage von BUND und NABU in einem aufsehenerregenden Urteil die Pläne der DEGES für den Weiterbau der A26 gestoppt. Das Gericht hielt bei der Bestimmung der Trasse durch das Moor die Klimawirkungen für nicht ausreichend berücksichtigt und forderte von der DEGES eine „Planergänzung“ mit der Prüfung alternativer Trassen.
Das Ergänzungsverfahren ist jetzt abgeschlossen. Die DEGES kam – erwartbar? – zu dem Ergebnis, dass – trotz im Vergleich mit den Alternativen eingeräumter größerer Klimaschädlichkeit – die ursprünglich geplante Variante „Süd1″, die Trasse südlich von Moorburg durch das Moor den alternativen Trassen vorzuziehen sei. (Ein ausführlicher Vergleich der Trassenvarianten im Artikel „A26 – Wohin geht die Planung?“ von Michael Rothschuh in WIR 28.8. 2026). Lisa-Mia Schaich meinte im Gespräch mit dem WIR: Man fragt sich, ob die DEGES überhaupt ernsthaft „ergebnisoffen“ alternative Trassen prüfen wollte.
Neuerliche Klage nicht ausgeschlossen
Zwei Tage nach dem SWAMP-Fest, am 31. August 2026, endete die Frist, bis zu der Stellungnahmen zu diesen Ergebnissen abgegeben werden konnten. NABU und BUND reichten zu dem Stichtag eine gemeinsame Stellungnahme ein. In einer Presseerklärung dazu heißt es unter anderem: „ … In ihrer Planergänzung stellt die DEGES selbst fest, dass die Überbauung von Torfböden der „wesentliche Nachteil“ der Variante Süd1 ist und drei alternative Trassen beim Klimaschutz besser abschneiden. Süd1 führt durch einen zusammenhängenden Torfkörper von rund 66 Hektar … Eine Planergänzung darf nicht bedeuten, dass dasselbe Ergebnis lediglich mit mehr Text begründet wird. Wer drei klimaschonendere Alternativen feststellt, kann nicht einfach weiterbauen wie bisher. Die Planfeststellungsbehörde muss aus den Ergebnissen der Klimaprüfung jetzt Konsequenzen ziehen.“
Die zuständige zur Hamburger Wirtschaftsbehörde gehörende Planfeststellungsbehörde muss das Ergebnis der DEGES jetzt bewerten und einen Planungsergänzungsbeschluss erlassen. „Große Hoffnungen, dass etwas anderes dabei herauskommt als vor dem Leipziger Urteil, haben wir nicht“, meint Lisa Schaich, „aber BUND und NABU schließen dann eine neuerliche Klage nicht aus.“

