Jungtiere sind jetzt auf Quartiersuche. NABU warnt vor offenen Fenstern in der Urlaubszeit oder bei längerer Abwesenheit
Im August und September werden dem NABU immer wieder Fledermäuse gemeldet, die in Wohnungen eingeflogen sind. Der Grund ist schnell erklärt: Jetzt beginnen junge Fledermäuse, ihre Umgebung zu erkunden und nach Quartieren zu suchen – dabei können sie sich auch mal verirren und z. B. durch gekippte Fenster in Wohnräume gelangen.
Im vergangenen Jahr ereignete sich so ein tragischer Vorfall: Während eines dreiwöchigen Urlaubs flogen 130 Zwerg- und Mückenfledermäuse durch ein gekipptes Fenster in eine Hamburger Wohnung ein. Der Großteil der Tiere waren Jungtiere auf Quartiersuche. Als das ehrenamtlich tätige NABU-Team alarmiert wurde, war es für die meisten Tiere leider zu spät – nur sechs Fledermäuse konnten gerettet, versorgt und später wieder ausgewildert werden.

„Durch gekippte Fenster können Fledermäuse zwar einfliegen, kommen aber nicht wieder heraus – und geraten dadurch in lebensbedrohliche Situationen“, erklärt Britta Uhde von der AG Fledermausschutz des NABU Hamburg.
Gefahrenquellen minimieren
Neben Fenstern können auch leere Blumentöpfe, Gießkannen oder andere glattwandige Gefäße zur Gefahr werden, wenn sie als vermeintlicher Unterschlupf dienen. Fledermäuse fliegen dort hinein, können aber an den glatten Innenwänden nicht wieder hinauskommen. Der NABU empfiehlt daher dringend, Fenster bei längerer Abwesenheit geschlossen zu halten oder mit einem Fliegenschutz zu versehen. Besonders in den Monaten August und September sollte auf Einflugmöglichkeiten geachtet werden. Zudem ist es ratsam, Gefäße regelmäßig zu kontrollieren und am besten abzudecken oder umzudrehen, um potenzielle Gefahrenquellen zu minimieren.
„Einmal eingesperrt kommt es zu einem unschönen Kreislauf. Da Fledermäuse sehr soziale Tiere sind, rufen sie immer ihre Artgenossen um Hilfe. Diese kommen dann dazu und sitzen ebenfalls in der Falle,“ erläutert Alexander Heidorn von der AG Fledermausschutz. „Dies ist der Grund von Masseneinflügen in Wohnungen und unzähligen Tieren in offenen Gefäßen. Dieser Kreislauf kann über Wochen andauern.“
Ein weiterer Punkt sind Regentonnen und offene Wasserbehälter. Sie werden für Fledermäuse oftmals zur nassen Falle und nicht selten ertrinken sie in den Gefäßen. Auch hier gilt: Entweder die Behälter abdecken, einen schräg aus dem Wasser ragenden Ast oder Stein hineinlegen oder ein kleines „Floß“ darin schwimmen lassen, das als Rettungsinsel dient.
Fenster abends weit öffnen
Im Falle eines Einflugs kann das Fenster nach Sonnenuntergang weit geöffnet werden – die Tiere verlassen den Raum meist von allein. Sobald alle Tiere ausgeflogen sind, sollte das Fenster geschlossen und in den folgenden Nächten nicht erneut gekippt werden, da Fledermäuse ortstreu sind und zurückkehren könnten. Es ist außerdem wichtig, sicherzustellen, dass sich keine Tiere mehr im Raum befinden – insbesondere hinter Möbeln oder in offenen Gefäßen wie Vasen und Gießkannen.
Bei Unsicherheit oder falls die Tiere schon länger in der Wohnung sein könnten, steht das ehrenamtliche NABU-Team über das Fledermaus-Nottelefon unter 0700 35 33 37 62 unterstützend zur Verfügung.
Weitere Informationen zum Fledermausschutz in Hamburg sind unter folgender Adresse verfügbar: www.nabu-hamburg.de/fledermaus

