Unsere Lesetipps für den Sommer

… und ihr so? Was lest ihr gerade? Wir sind neugierig! Teilt gerne in der Kommentar-Spalte mit anderen Leser*innen und uns eure Buchempfehlung

Wie immer verlosen wir alle Bücher, die als [Gewinn] gekennzeichnet sind, unter den Rätseleinsender*innen von Januar bis Juni 2026! Schreibt gerne, welches Buch euch besonders interessiert. Wir versuchen, den Wunsch zu berücksichtigen.

Die Seele dem Teufel verkauft

Im Krimi „Bitterkaltes Land“ von Regine Seemann führt eine falsche Spur die Ermittler*innen zur Aufklärung eines Mordes mit grausamer Vorgeschichte

Hermann Kahle. „Bitterkaltes Land“ ist der fünfte Krimi von Regine Seemann um die Polizist*innen der Hamburger „Mordbereitschaft 5“.

Die beiden Kommissarinnen Banu Kurtoglu und Stella Brandes fahren auf dem Heimweg von einer Feier durch einen Wald – mitten hinein in ihren neuen Fall: Sie sehen schon von weitem ein brennendes Haus und finden neben dem Haus eine tote Frau. Es stellt sich heraus: Das Feuer war gelegt und das Brandopfer war die 74-jährige Journalistin Viktoria Beck.

Die Ermittlungen ergeben, dass Viktoria Beck zu „Hexenprozessen“ 1950 in Lüneburg recherchiert hat, außerdem zu einer Kinderpflegerin Ilse Scheudern aus York, die im zweiten Weltkrieg im Alten Land neugeborene Kinder von Zwangsarbeiterinnen gerettet haben sollte.

Die beiden Kommissarinnen und ihre Kollegen verfolgen lange die „Hexenspur“, die noch rätselhafter wird durch allerlei Spuk, der die gegenwärtigen Bewohner*innen des Scheuderschen Hauses in Angst und Schrecken versetzt. Die Spur löst sich schließlich in Luft auf. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und den Ermittlerinnen wird klar: Ilse Scheudern hatte ein Geheimnis.

Auch der fünfte Fall von Stella und Banu ist ein spannend erzählter und ausgeklügelt aufgebauter Roman. Nach dem Vorbild der populären skandinavischen Krimis hat auch dieser Mordfall eine düstere, weit zurückliegende Vorgeschichte, die in kursiv gesetzten Zwischenkapiteln langsam entwickelt wird. Die Figuren der Geschichte sind fiktiv, schreibt Regine Seemann im Nachwort. Aber die beschriebenen Zustände am Ende des zweiten Weltkrieges im Alten Land waren real, so erklärt sich auch der Buchtitel „Bitterkaltes Land“.

Wer die ersten vier Krimis der Reihe, „Falkenberg“, „Elbleichen“, „Alsterschwan“ und „Friedhofsengel“, nicht kennt, findet sich trotzdem schnell in der „Mordbereitschaft 5“ zurecht und lernt die Alltagsfreuden und -nöte sowie die Familiengeschichten der beiden Ermittlerinnen kennen, die in der Reihe miterzählt werden. Leser*innen der ersten vier Bände treffen auf gute alte Bekannte.

Die Autorin Regine Seemann lebt nahe der Fischbeker Heide. Sie kennt sich im Süderelberaum aus, bis auf einen spielen ihre Krimis in dieser Region.

Eigentlich ist sie Schulleiterin der mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Schule An der Burgweide in Kirchdorf-Süd (WIR 15.10.25). Dass die Autorin „nebenberuflich“ auch Lehrerin ist, merkt man im „Bitterkalten Land“ höchstens an zwei kurzen Passagen, in denen historische Erklärungen sich ein wenig wie Schulfunk anhören. Der nächste Krimi „Endstation Elbe“ ist schon in Arbeit. Er spielt auf Wilhelmsburg und erscheint im Oktober.

Was ist ein echter Amerikaner?

Der Roman einer amerikanischen Autorin mit chinesischem Hintergrund erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte von zwei Menschen aus verschiedenen Welten, sondern geht auch der Frage nach: Was ist ein echter Amerikaner?

Buchcover Real Americans

Chris Meyer. New York. Die Praktikantin Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer, lebt in New York und lernt 1999 den Milliardärssohn Matthew kennen. Der charmante blonde junge Mann verdreht ihr den Kopf und sie verlieben sich. Diese zwei Welten, die aufeinander treffen, ziehen sich an. 

Im zweiten Teil des Romans steht Lilys Sohn Nick im Mittelpunkt. Er wächst mit dem Gefühl auf, dass seine Mutter ihm etwas verschweigt, und macht sich auf die Suche nach seiner Herkunft und seinem weißen, ihm unbekannten Vater.

Worum geht es wirklich?

„Real Americans“ schneidet immer wieder interessante Themen an – etwa wenn Lily auffällt, dass sie und ihre Asian-American-Freundinnen allesamt mit weißen Männern zusammen sind. Diese Gedanken werden aber nicht konsequent verfolgt in diesem breit angelegten Gesellschaftsroman, der er eigentlich sein will. Zusammen mit eingestreuten plumpen Aussagen („Wir sehen vielleicht chinesisch aus, aber wir haben keine Loyalität gegenüber China. Wir wollen Amerikaner sein.“) ist der Roman nicht nur streckenweise langatmig, sondern auch noch didaktisch.

Das Buch behandelt auf intelligente Weise, wie sehr Genetik und vorgegebene Umstände unser Schicksal formen. Auch der große Konflikt zwischen Arm und Reich in einem Land, in dem alles möglich scheint und in dem doch jede*r kämpfen muss, wird hier thematisiert, angeführt auch von einer immer schwelenden Sprachlosigkeit zwischen den Generationen. Sehr feinfühlig, zwischendurch aber durchaus auch ungeschönt ist der Sprachstil der Autorin, die selbst asiatischer Herkunft ist und daher sicherlich einige autobiographische Züge in ihre Erzählung hat einfließen lassen. 

Das Werk ist eine ruhige, vielschichtige und emotionale Familiengeschichte, die weniger durch atemberaubende Action, sondern durch intelligente, unbequeme Fragen überzeugt. Wer tiefgründige, moderne Romane über Zugehörigkeit, Wissenschaftsethik und das eigene Erbe mag, wird hier bestens unterhalten.

Eine etwas ungewöhnliche Ferienlektüre

Das kleine Büchlein passt in jeden Rucksack und ist gut und informativ geschrieben. Die einzelnen Kapitel sind nicht lang. Und nach dem Urlaub ist man als Leser*in gerüstet für jede Kantinen-Diskussion

Das Buch mit dem rosa Cover auf weißem Hintergrund

Meret Büchner. Sommerferien. Du sitzt im Zug oder im Flugzeug. Oder du liegst am Strand. Und plötzlich hörst du wie jemand etwas gegen Migranten, Menschen in Armut, Gleichberechtigung oder Inklusion sagt und denkst: „Das stimmt so nicht!“
Aber weil du die Fakten nicht so ganz genau kennst, hältst du vielleicht lieber die Klappe. Das hat nun ein Ende. Zehn Organisationen haben sich zusammengetan und Hintergründe und Fakten aufgeschrieben.

Das Büchlein Das stimmt so nicht hat zehn Kapitel, zum Beispiel zu den Themen Mentale Gesundheit, Klimakrise, rechte Erzählungen oder digitale Gewalt. In jedem Kapitel gibt es einige „steile Thesen“. Also das, was du vielleicht auf der letzten Party oder beim Bäcker gehört hast. Wo du dachtest: : „Das stimmt so nicht!“

Ab jetzt kannst du dich einmischen. Unter jeder These gibt es eine Einordnung und einen Faktencheck. Und ganz am Schluss einen Kasten mit der passenden Antwort.

Damit alle das Buch lesen können, ist es kostenlos als Download erhältlich. Wer lieber ein gedrucktes Buch liest, kann es sich zuschicken lassen (Im Buchladen ist es nicht erhältlich.). Der Normalpreis beträgt fünf Euro. Wer kein Geld hat, bekommt es für einen Euro. Und wer die gute Sache unterstützen will, zahlt zehn Euro und finanziert dafür ein 1-€-Exemplar.

Das stimmt so nicht
Herausgegeben von Mein Grundeinkommen
Mit Beiträgen von
Amadeo Antonio Stiftung, HateAid Fridays for Future, Sozialheld*innen, Volksverpetzer, Freunde fürs Leben, Sea-Watch, LSVD Berlin-Brandenburg, PINKSTINKS, Mein Grundeinkommen

Kostenloser Download oder Print-Ausgabe (140 Seiten) zum (Soli-)Preis von 1, 5 oder 10 €

Deutsch-österreichisches Zusammenraufen

Die in Österreich aufgewachsene und lebende Petra Hartlieb und der Wahlberliner Claus-Ulrich Bielefeld haben in den Zehnerjahren zusammen eine Reihe mit vier Krimis geschrieben. Dies ist der erste Band

Cover des Buches

Ania Groß. Nachdem ich vor ungefähr zwei Jahren das biografische Buch Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb las, wollte ich mehr von der humorvollen Autorin lesen und stieß auf die Krimireihe um die zwei Kommissar*innen Anna Habel (Wien, mit viel Temperament) und Thomas Bernhardt (Berlin, ein ruhiger Zeitgenosse), die die Autorin zusammen mit ihrem Kollegen Claus-Ulrich Bielefeld geschrieben hat.

Weil ich Krimiserien gern der Reihe nach lese, dauerte es eine Weile, bis ich die zwischen 2011 und 2015 erschienenen vier Bände gebraucht zusammengesammelt hatte. Jetzt habe ich den ersten Band Auf der Strecke durchgeschmökert.

Wenn eine Buchhändlerin einen Krimi schreibt, spielt der – natürlich – in der Literaturszene: Im Nachtzug aus Wien wird ein junger Starautor ermordet, der auf dem Weg zu seinem Agenten nach Berlin unterwegs war. Wien und Berlin müssen also bei der Aufklärung zusammenarbeiten. Dass der Kommissar aus Berlin Thomas Bernhardt (mit „dt“) heißt, ist eine weitere Anspielung, Thomas Bernhard (mit „d“) ist einer der berühmtesten Autoren Österreichs.

Zwischen Wien und Berlin knirscht es, aber man rauft sich zusammen. Sogar etwas mehr als das … Zeitweise wird der Fall ein bisschen zur Nebensache. Wir folgen den beiden (einzeln und zusammen) auf den Wiener Zentralfriedhof und in den Prater, durch Wiener Gassen, Berliner Hinterhöfe und Kneipen und sogar auf die Frankfurter Buchmesse (und die legendären Partys …). Und am Ende wissen wir, wer es war und warum!

Kein „Muss-man-unbedingt-gelesen-haben“-Buch, aber eine unterhaltsame Sommerlektüre. Ich bin gespannt, ob in den Bänden zwei bis vier auch immer die Literaturszene im Mittelpunkt steht. Und auf die weiteren privaten Ent- und Verwicklungen in den nächsten drei Bänden bin ich natürlich ebenfalls sehr neugierig.

Bielefeld & Hartlieb , Auf der Strecke (erster Fall), Diogenes, 359 Seiten, 13 Euro, ISBN 978-3-257-24068-9

Ruhe im Karton

Autobiographischer Roman über eine Kiez-Revierwache in den 1970er Jahren

Hermann Kahle. Die titelgebende „Wache 16“ (heute PK 16) gibt es wirklich. Anders als die fernsehprominente Wache 15, die Davidwache, lag sie auf der „dreckigen“ Seite St. Paulis östlich der Reeperbahn.

Auch die im Roman beschriebenen Verhältnisse in den 1970er Jahren werden so gewesen sein: Kriminelle Gewalt, Prostitution, brutale Kämpfe zwischen Zuhältergangs auf der einen Seite und auf der anderen engagierte und brutale Polizisten. Zwischen Dienstvorschriften, die sie für ihr Einsatzgebiet für untauglich halten, und den Gesetzen des Kiezes schaffen die Polizisten sich ihren eigenen Moralkompass und handeln in Westernmanier nach ihren eigenen Regeln.

Einer von ihnen ist der Polizist Werner. Wir erleben ihn, wie er bei Schlägereien selber Schläge und Ohrfeigen verteilt, damit „Ruhe im Karton ist“, und wie er mit seinen Kollegen bei einer brutalen Schlacht zwischen Rockern und Luden im Eros-Center genauso brutal mit Gummiknüppeln dazwischen geht. Andererseits umgeht er Regeln, um Schwächere zu schützen, ermahnt kleine Gesetzesübertreter anstatt Anzeigen zu schreiben und hat im Umgang mit Bagatellen die Machtbalance auf dem Kiez im Blick. Er kritisiert seinen neuen Kollegen Polle, weil der Manne, eine Kiezgröße, wegen einer Kleinigkeit in Handschellen auf die Wache gebracht hat. Er habe Manne, ohne etwas Belastbares in der Hand zu haben, vor dem ganzen Kiez bloßgestellt und damit die Auseinandersetzungen zwischen den Gangs angeheizt.

Polle, die eigentliche Hauptperson des Romans, ist die Verkörperung des korrekten Polizisten. Er wurde nach Polizeischule und Bereitschaftspolizei gegen seinen Willen auf die Wache 16 als seine erste Dienststelle versetzt. Werner wird sein „Bärenführer“. Die brutale Kiezwelt ist ihm völlig fremd. Er will seinen Job nach den Dienstvorschriften machen, verteilt Knöllchen an falsch parkende Ludenschlitten, will Rockerbosse „rauswinken“, weil sie keinen Helm tragen, und verdächtigt Werner fälschlich, sich von Luden bestechen zu lassen. Während ihrer Dienstfahrten reden Polle und Werner über ihre unterschiedliche Auffassung von Polizeiarbeit auf dem Kiez: Werner versteht seinen jungen Kollegen, aber erklärt ihm: „Die 16 ist nun mal keine Dornröschenwache. Da muss man manchmal Dinge tun, die in den Regularien nicht vorgesehen sind. Wenn man das Richtige tun will.“
„Das Richtige?“
Werner nickte: „Ja.“
Polle blickte kurz zu ihm (… ) „Allein der Satz wäre schon ausreichend für ein Disziplinarverfahren, ist dir schon klar, oder?“
„Ja.“

Im Verlauf des Jahres 1976, in dem der Roman spielt, spitzt sich der Streit der beiden „Kronprinzen“ um die Nachfolge des verstorbenen Kiezkönigs Oma zu und der Krieg zwischen Rockern und den eingesessenen Rotlichtherrschern eskaliert und führt zu einem finalen Showdown. Polle findet sich nach und nach in die Besonderheiten des Reviers ein. Und er entwickelt langsam, bei allen Vorbehalten, Verständnis und auch Respekt für Werner und seine Kollegen.

Der Autor Michael Ehnert ist eigentlich ein bekannter, vielfach preisgekrönter Kabarettist. „Hamburg, Wache 16“ ist sein erster Roman – mit einem autobiografischen Hintergrund. Sein Vater Walter war in den 1970er Jahren Polizist auf der Wache 16. Ihm ist das Buch gewidmet. Ehnert war als Halbwüchsiger oft auf der Wache, stand seinem Vater später als Punk gegenüber und hat selbst lange auf St. Pauli gewohnt. Seine eigenen Erlebnisse, seine Gespräche mit ehemaligen Kollegen von Walter Ehnert und mit Kiezbewohnern sind die Grundlage des Romans. Der Werner der Geschichte ist eindeutig mein Vater Walter, sagt Ehnert. In der fiktiven Figur Polle findet sich Ehnerts ambivalente Haltung zu den damaligen Kiezpolizisten wieder. In einzelnen Abschnitten taucht Ehnert auch unvermittelt als Ich-Erzähler auf.

Michael Ehnert schreibt anschaulich und spannend und gibt die rohe Sprache des Rocker- und Ludenmilieus ungeschminkt wieder. Ursprünglich hatte er – er ist auch Drehbuchautor – die „Wache 16“ als Fernsehserie gedacht. Und man kann sich den Roman mit seinen häufigen Szenenwechseln und der Entwicklung der Geschichte anhand verschiedener Einzelschicksale auch gut als TV-Serie vorstellen.

Am „Happyend“ des Buches fährt Polle mit Werner zur Wache. Er hat die lange angestrebte Versetzung in eine ruhigere Gegend schon in der Tasche, doch als sie ins Viertel einbiegen, überlegt er, doch auf der „Wache 16“ zu bleiben: Ja, es fühlte sich tatsächlich ein bisschen an wie Nachhausekommen.

Und dann fliegt vom Dach eines Hauses ein „Molli“ und der Streifenwagen steht in Flammen. Der letzte Satz des Buches heißt: „Willkommen in der neuen Zeit.“

Michael Ehnert, Hamburg, Wache 16, Junius Verlag, 303 Seiten. 18 Euro [Gewinn]

Nachtrag: PK 16

Die Wache 16 in der Budapester Straße, später Polizeikommissariat 16 (PK 16) in der Lerchenstraße war auch nach den 70er Jahren immer wieder Gegenstand von Dienstaufsichtsbeschwerden, Amnesty-International-Ächtungen und Verfahren wegen „Körperverletzung im Amt.“

In die im Roman angekündigte „neue Zeit“ fallen unter anderem die Auseinandersetzungen um die Rote Flora und die berüchtigten Einsätze bei den Demonstrationen gegen die – 2015 als verfassungswidrig verbotene Einrichtung – von „Gefahrengebieten“ mit erweiterten Polizeikompetenzen, die heute als „gefährliche Orte“ nach dem Gesetz über die Datenverarbeitung der Polizei (PolDVG) weiterleben.

„ … dass alles Leben intelligent ist“

Zu Beginn des vergangenen Jahres fand ich beim Stöbern in meiner Zeitungs-Ausschnittskiste ein Interview mit Jane Goodall, der berühmten Affenforscherin und Umweltaktivistin, aus dem „Spiegel“ von 2015 wieder. Alles an dem Interview hatte mich fasziniert und tut es bis heute: Die Erzählungen von der Schimpansen-Beobachtung, Goodalls feine Abwägung zwischen der frappierenden Ähnlichkeit und den ebenso vorhandenen Unterschieden zwischen den Menschenaffen und uns, das ganzseitige Portraitfoto von ihr am Anfang des Artikels, die Klugheit und der Humor, die immer wieder in ihren Antworten aufblitzen, ihr Verständnis von der Natur und vom Mensch-Sein darin. Und die köstliche Anekdote, wie sie einmal den chinesischen Umweltminister mit den Begrüßungslauten, die ein Schimpansen-Weibchen gegenüber einem hochrangigeren Männchen ausstößt, begrüßte: „Ö-hö-hö-hö-hö-hö“, und den Technokraten damit nicht nur zum Lachen brachte und das Protokoll vergessen ließ, sondern ihm auch die Etablierung ihres Jugendprogramms „Roots & Shoots“ an den chinesischen Schulen abrang.

Ein Buch von ihr, „Das Buch der Hoffnung“, kam sofort auf meinen Bücherwunschzettel. Am 1. Oktober desselben Jahres starb Jane Goodall mit 91 Jahren. Bis zuletzt hatte sie sich – am liebsten gemeinsam mit jungen Menschen – für den Naturschutz eingesetzt, in konkreten Projekten ebenso wie auf der Straße. Sie hat ihre Berühmtheit genutzt, um den Mächtigen dieser Welt Initiativen abzuringen, gleichzeitig war sie eine Kritikerin der politischen Systeme. Umweltpolitik war für sie immer auch Sozialpolitik, sie wusste um den Zusammenhang zwischen Kapitalismus, Armut und Rassismus und der Ausbeutung der Natur.

Im „Buch der Hoffnung“ spricht sie mit dem Journalisten Douglas Abrams über diese Themen ihres Lebens und darüber, was ihr trotz allem Hoffnung macht. Hoffnung ist bei ihr nichts Blumiges, Nebulöses – Hoffnung ist Tun, und zwar gemeinsames Tun. Eine durchaus anstrengende, fordernde Hoffnung der Tat. Hoffnung zu schöpfen, bedeutet, die Trauer über die Zerstörung des Planeten zu teilen und ihr Ausdruck zu geben. Damit der menschliche Kampfgeist, den Goodall als wichtige Voraussetzung für das tätige Hoffen sieht, nicht darunter begraben wird.

Sie war Verhaltens- und Naturforscherin, hat mit den Vorgängen der Evolution und den Erkenntnissen der Hirnforschung argumentiert – und ist dennoch nie in Biologismus verfallen. Glasklar hat sie die Fehler und dunklen Seiten des Menschen benannt – und ist trotzdem nicht zur tierschützenden Misanthropin geworden. Sie war eine Humanistin, immer auf der Suche nach den positiven Möglichkeiten des Menschen. Sie versuchte, die Menschen ihre Zugehörigkeit zur belebten Welt spüren zu lassen. Aus diesem Empfinden, so hoffte sie, würde auch das Gefühl der Verantwortung für die uns umgebende Natur erwachsen.

Jane Goodall, Douglas Abrams, Das Buch der Hoffnung, Goldmann, 272 Seiten, 13 Euro

Auf die Liebe, das Leben, die Krisen und die Lösungen

Marianne Groß. Noch leichte Lektüre für den Urlaub gesucht? Steffi von Wolffs Buch ist da das Richtige. Fetzige Dialoge, dramatische Turbulenzen im Leben der drei Frauen und natürlich drei Happy Ends.

Keine weiß von den Problemen der anderen, als sie sich zu einem Segeltörn mit Susannas Boot Subeca verabreden. Bis sie sich alles erzählen und gemeinsam nach Lösungen suchen zicken sie sich ordentlich an. Sie waren schon als Kinder mit Susannas Eltern gesegelt und diese hatten das Boot nach den Anfangsbuchstaben der Mädchen benannt.

Auch wenn sie sich nicht oft sehen, hält ihre Freundschaft seit Kindertagen. Nun sind sie Mitte Vierzig, die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus, das Leben könnte so schön sein, da wird plötzlich alles auf den Kopf gestellt. Susanna, die sich nie um Geld Sorgen machen musste, verliert plötzlich den Boden unter den Füßen, als ihr Mann Rickmers sich scheiden lassen will, um eine andere zu heiraten. Betty trifft ihre Jugendliebe wieder und will aus ihrer Ehe ausbrechen und Caroline, genannt Caro, ist durch ihre Kaufsucht völlig überschuldet.

Steffi von Wolff, Das legt sich wieder, Droemer-Knaur, 268 Seiten, 6,99 € [Gewinn]

Lesetipps aus der Bücherhalle Wilhelmsburg

Romane & Comics

Huber, Christian: Solange ein Streichholz brennt
ISBN 978-3-423-28540-7
Ein berührender Roman über eine menschliche Beziehung zwischen Schuld und Vergebung, Liebe und Flucht, die sozial einengende Konventionen zu sprengen vermag.

Knausgård, Karl Ove: Arendal
ISBN 978-3-630-87824-9
Im neuen Roman des norwegischen Autors geht es um unmögliche Liebe und das unmögliche Leben. Es geht um Schiffe mit Toten, Feuer und Eis, schwindelerregende Sternenhimmel und einen Mann, der versucht, im Leben Fuß zu fassen.

O’Farrell, Maggie: Land
ISBN 978-3-492-07456-8
Eine berührende Geschichte einer Familie und der Kartografierung im Irland der 1860er Jahre. Der neue Roman der Autorin von „Hamnet“.

Stell dir vor!: Comics über die Nachkriegszeit
ISBN 978-3-96445-139-2
Diese Sammlung zeigt aus verschiedenen Perspektiven den Umgang mit dem Thema Nachkriegszeit. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2026.

Werner, Ella Carina: Der Hahn erläutert unentwegt der Henne, wie man Eier legt
ISBN 978-3-95614-625-1
Inspirierende feministische Tiergedichte mit farbenfrohen Illustrationen von Juliane Piper.

Sachbuch

Loff, Andreas O.: Das geht nicht mehr weg. KI in der Welt von morgen
ISBN 978-3-499-01901-2
Das erste Buch des Hamburger Podcast-Hosts und KI-Creators, das zeigt, wie junge Generationen von Künstlicher Intelligenz profitieren können.

Bilderbücher, Kindererzählungen und Comics

Klaßen, Stefanie: Prinz Puk, Pony Schnaub und das große Zappenduster
ISBN 978-3-505-15338-9
Prinz sein ist so langweilig! Viel lieber möchte Puk Abenteuer erleben. Doch als er im Dunkelwald auf das gefährliche Zappenduster trifft, wird ihm schon etwas mulmig. Aber vielleicht ist dieses Wesen gar nicht so gefährlich, wie alle denken … Ein Buch gegen Langeweile und Vorurteile. Ab 3 Jahren

Gottwald, Benjamin: Hänky und die vier Megamonsterbanausen
ISBN 978-3-551-52361-7
Hänky, der kleine Vampir, liebt Bücher. Gruselige Gestalten hingegen mag er nicht. Dumm nur, dass er mit Hexe, Skelett, Drachendame und Gespenst unter einem Dach wohnt. Ein neues witziges Bilderbuch vom Jugendliteraturpreisträger aus Wilhelmsburg über Freundschaft und gegen Vorurteile. Ab 4 Jahren

Knudsen, Michelle: Land of Wild Magic – Das Flüstern der Bäume
ISBN 978-3-8339-1098-2
Als Bevvy und Cat durch ein magisches Portal in die geheimnisvolle Welt Lorelkey gelangen, beginnt ein spannendes Abenteuer voller Gefahren, Drachen und Einhörner. Gemeinsam kämpfen sie gegen dunkle Mächte und entdecken dabei die Kraft von Freundschaft und Mut. Fantastisches ab 10 Jahren

Liebe, Songs & beste Freundinnen (Der Kuss-Club, Bd. 3)
ISBN 978-3-7432-1923-6
Lang erwartet, endlich da! Die Comic-Reihe um die Freundinnen Jasmine und Lina geht weiter und erzählt vom Verliebtsein, Herzklopfen, aber auch den Schattenseiten der Liebe. Ab 10 Jahren

Wo Kunst gemacht wird: eine Reise durch die Ateliers der Kunstgeschichte
ISBN 978-3-03876-284-3
Eine farbenfrohe Reise durch die Geschichte der Kunst von der prähistorischen Höhlenmalerei bis zu Banksys Street Art – mit Einblicken in die Ateliers von Leonardo da Vinci, Hokusai, Andy Warhol und vielen anderen. Ab 8 Jahren

… und noch viel mehr tolle Bücher gibt’s in der:
Bücherhalle Wilhelmsburg, Vogelhüttendeich 45, 21107 Hamburg
Tel. 040 – 75 72 68, E-Mail: wilhelmsburg@buecherhallen.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr

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Sigrun Clausen

Themen in Worte fassen und Schreiben um der Sprache selbst willen - beides macht sie mit großer Freude. Oft geht es in ihren Texten um das Spannungsfeld von Natur und Kultur. Zur Zeit beschäftigt sie sich vor allem mit der Entstehung von Landschaften und der Lebensweise von Pflanzen. Neben dem Schreiben ist ihr politisches Handeln wichtig.

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