Zwiebelmusik

Das Duo Pequén spielte bei den 48h Wilhelmsburg selten gehörte chilenische Lieder

Im Vordergrund ein Keyboarder mit dunklem Kapuzenpulli an seinem Instrument. Im Hintergrund eine Frau im Sommerkleid, die in ein Mikrofon singt und eine große Trommel aus Holz festhält und schlägt. Foto: Hermann Kahle
Wunderschöne traurige Lieder, Duo Pequen. Fotos: Hermann Kahle

Eigentlich wollte ich das Duo Pequén schon vor dem 48h-Wochenende im Juni für einen Bericht im WIR treffen. Aber die beiden Musiker*innen Isidora Caroca und Victor Gutiérrez sind vielbeschäftigt. Am Festivalwochenende gaben sie bei großer Hitze und unterbrochen von heftigen Regenschauern ein Konzert in den Zinnwerken. Victor kündigte ihr Programm so an: Mit chilenischer Musik würde man in der Regel das Repertoire lateinamerikanischer Bands verbinden, die mit fröhlichen Melodien zum Tanz aufspielen. Es gebe aber viele hier unbekannte wunderschöne, traurige chilenische Lieder. Und die hätten sie in ihrem Programm. Isidora begleitete sich auf dem Akkordeon, Victor auf dem Piano. Sie stellten die Lieder kurz vor. Die wenigsten im Publikum werden spanisch gekonnt haben. Aber auch ohne die Texte im Einzelnen zu verstehen, kam „über die Rampe“: die Lieder, die die beiden sangen, waren wunderschön.

Musica Cebolla

„Diese Lieder“, sagt Isidora beim Treffen mit dem WIR, „werden in Chile musica cebolla genannt, weil man beim Anhören weinen muss wie beim Zwiebelschneiden.“ Die Lieder seien populär und würden auch viel im Radio gesendet. Manche Lieder seien sentimental und handelten zum Beispiel von enttäuschter Liebe, aber es würden auch politische und soziale Ereignisse thematisiert. Als Beispiel nennt Victor ein Lied der chilenischen Volksliedforscherin und Songwriterin Violeta Parra über eine Frau in Patagonien: La Pericona se ha muerto – Die Pericona ist gestorben, sie konnte nicht zum Arzt, ihr fehlte das Geld und die Schuhe und sie hatte kein Brot, deshalb ist sie gestorben.

Das Duo Pequén

Das Duo auf der Bühne, rundherum Zuschauer im Regenzeug und mit Schirmen
Musik im Regen in den Zinnwerken

Isidora und Victor haben beide in Chile Musik studiert. Isidora unter anderem Musiktheorie, die Geschichte lateinamerikanischer Musik und Akkordeon. Victor instrumentale und multimediale Komposition. Er kam schon 2019 nach Hamburg, Isidora – sie sind schon lange ein Paar – kam kurz darauf hinterher. Beide setzten in Hamburg ihre Ausbildung fort. Nun leben sie schon mehrere Jahre im Reiherstieg. Isidora arbeitet als Akkordeonlehrerin in einer privaten Musikschule und im JeKi-Unterricht an zwei Grundschulen, Viktor in verschiedenen Multimedia-Projekten.

„2015″, sagt Victor, „dachten wir, wir könnten auch musikalisch mal etwas gemeinsam machen und hatten dann unseren ersten Auftritt bei den 48h Wilhelmsburg als Duo Pequén.“
„Pequén ist in Chile eine kleine Eule“, erklärt Isidora, „aber es ist auch eine Teigtasche wie die Empanadas, nur vor allem mit Zwiebeln gefüllt. Und das passte eben gut zu unserer „Zwiebelmusik.“

Nächstes Konzert

Als Tipp für alle, die Isidora Caroca und Victor Gutiérrez bei den 48h Wilhelmsburg in den Zinnwerken verpasst haben: Das nächste Konzert vom Duo Pequén ist am 7. August 2026 beim Sommerfestival auf Kampnagel.

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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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