An vielen Stellen in Wilhelmsburg und auf der Veddel findet man illegal entsorgten Müll. Viele Initiativen und die Parteien rufen regelmäßig zu Müllsammel-Aktionen auf. In den Parks und an den Straßen stehen viele rote Mülltonnen für „To-Go“-Verpackungen wie Kaffeebecher, Alufolie vom Döner und Zigarettenkippen. Das ist vielen egal, denn das illegale Entsorgen (Littering) von Müll und Sperrmüll hat keine Folgen
Am 29. Juli 2026 erreichte den WIR folgende Pressemitteilung:
Sauberkeit im öffentlichen Raum: Hamburg erhöht Strafen für illegale Müllentsorgung und Wildtierfütterung
Ob weggeworfene Zigarettenkippen, illegaler Sperrmüll auf Gehwegen oder das unzulässige Füttern von Gänsen an der Alster: Hamburg geht künftig deutlich konsequenter gegen Umweltsünden im öffentlichen Raum vor. Die Hamburger Bezirksämter haben in Zusammenarbeit mit der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) den gemeinsamen Bußgeldkatalog umfassend überarbeitet. Wer die Stadt verunreinigt, muss ab sofort mit spürbar höheren Bußgeldern rechnen. Zugleich wird eine gezielte Verschärfung gegen Gänsefütterung an der Alster umgesetzt.
Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Hamburg ist am schönsten, wenn es sauber ist und unsere Natur geschützt wird. Deshalb schärfen wir jetzt an zwei zentralen Stellen nach und erhöhen die Bußgelder spürbar: Beim Müll auf unseren Straßen und Parks greifen wir künftig deutlich stärker durch – denn wer Kippen, Becher oder Sperrmüll einfach liegen lässt, schadet der Allgemeinheit. Parallel verschärfen wir die Ahndung von verbotener Gänsefütterung an der Alster und in unseren Grünanlagen. Futter aus falsch verstandener Tierliebe führt nicht nur zu massiven Problemen für Tiere, sondern verschlechtert auch den Zustand der Grünanlagen für alle Hamburgerinnen und Hamburger. Für uns ist klar: Sauberkeit und Naturschutz gehören zusammen. Wir werden also nicht nur beim Thema Müll, sondern auch bei der verbotenen Fütterung von Wildtieren den Druck erhöhen und den Bußgeldrahmen stärker ausschöpfen.”
Harte Strafen für „To-Go“-Müll, Kaugummis und Sperrmüll
Ein Schwerpunkt der Überarbeitung liegt auf dem schärferen Vorgehen gegen Müll und Kleinabfälle (Littering) im öffentlichen Raum:
- Zigarettenkippen: Das achtlose Wegwerfen einer Zigarette kostet ab sofort 100 bis 300 Euro (bisher 35 bis 150 Euro).
- Kaugummis: Wer sein Kaugummi einfach auf den Gehweg spuckt, zahlt nun 55 bis 150 Euro (bisher ab 35 Euro).
- To-Go-Verpackungen & Fast-Food-Müll: Der Rahmen für weggeworfenen Kleinmüll wurde im Höchstsatz verdoppelt und liegt nun bei 35 bis 300 Euro (bisher 35 bis 150 Euro).
- Kleinerer Sperrmüll (bis 1 m³): Für mehrere Einzelstücke kleineren Umfangs wurde der Höchstsatz auf bis zu 2.000 Euro angehoben (bisher 250 bis 1.500 Euro). Für ein einzelnes kleines Stück (bis 0,1 m³) gilt nun ein fester Satz von 55 Euro.
- Großer Sperrmüll (über 1 m³): Das unzulässige Abstellen von großen Mengen an der Straße wird streng bestraft – statt bisher 1.000 bis 8.000 Euro drohen nun Bußgelder von 2.000 bis zu 16.000 Euro.
Der neue Bußgeldkatalog wird im gesamten Stadtgebiet einheitlich angewendet. Einsatzkräfte nehmen Personalien direkt vor Ort auf und leiten die Bußgeldverfahren ein. Bei geringfügigen Erstverstößen kann vor Ort flexibel verwarnt oder ein direktes Verwarnungsgeld verhängt werden.
Schutz der Grünanlagen und Gewässer: Vorgehen gegen Gänsefütterung
Die unkontrollierte Fütterung von Graugänsen führt an der Alster und in vielen Parks zu Nutzungskonflikten und ökologischen Problemen. Bereits in der Vergangenheit wurden nach § 25 Abs. 1 des Hamburger Jagdgesetzes Bußgelder für das Füttern von Gänsen in der Regel in einer Höhe von bis zu 100 Euro verhängt. Dies wird auf bis zu 200 Euro angehoben. In gravierenden Fällen können Bußgelder weit über den Regelsatz hinaus bis in den vierstelligen Bereich verhängt werden.
Ach, es gab auch bisher schon Bußgelder?
Ich muss gestehen, das hat mich erstaunt. Ich wusste gar nicht, dass es schon bisher so hohe Strafen für das illegale Entsorgen von Müll und Sperrmüll gab. Liegt am diesjährigen Sommerloch, dass die Pressemitteilung des Senates dazu so viel Aufmerksamkeit in den Medien (u. a. Hamburger Abendblatt und NDR) bekommt? Ich kenne niemanden, der/die schon mal zahlen musste (das kann natürlich daran liegen, dass ich nur nette Menschen kenne, die so was nicht machen) oder der/die von jemandem gehört hat, der zahlen musste.
Oft stehen die verhängten Bußgelder in keiner vernünftigen Relation zum Aufwand: Jemand muss die verursachende Person aufmerksam bzw. erstmal ausfindig machen und einen Bußgeldbescheid schreiben. Vielleicht ginge auch das direkte Bezahlen vor Ort? Dann müsste die Person, die das Bußgeld verhängt, natürlich Wechselgeld dabei haben. Wer sind denn überhaupt die Menschen, die Bußgelder verhängen? Die Polizei hat schon nicht genügend Kapazitäten für die (gefährlichen) Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung und andere Verbrechen. Die Behörden sparen beim Personal (kriegen aber auch keines). Zudem müssten Müllpolizeistreifen aus Sicherheitsgründen vermutlich mindestens zu dritt patroullieren. Es bleibt absurd!
Ich bin nicht allein mit meiner Irritation über den Inhalt der Pressemitteilung. Von elf Leser*innenbriefen im Hamburger Abendblatt (Printausgabe) am 1. August 2026 sind sechs zu diesem Thema.
Keine Gefahr, erwischt zu werden
„Keine Gefahr erwischt zu werden“, schreibt ein Kommentator und meint, dass keine noch so hohe Strafe Müllsünder*innen abschrecken wird, wenn sie nicht auch wirklich verhängt wird. Ein anderer meint, dass man innerhalb kurzer Zeit den Landeshaushalt Hamburgs sanieren könnte, wenn man in den richtigen Gegenden mal einige Tage ALLE Menschen zur Kasse bitten würde, die Zigarettenkippen achtlos wegwerfen.
Pfand auf Einweg-Fast-Food-Verpackungen?
Die Idee eines weiteren Lesers, achtlos abgestellte E-Scooter wie große Sperrmüllstücke zu behandeln, ist mir sehr sympathisch. Bei denen lässt sich zudem der Halter schnell ermitteln. Dazu fällt mir noch der typische Müll der beiden Kettenrestaurants rund um die Dratelnstraße ein. Denn vielleicht fände sich ja auch ein Weg, die Fast-Food-Restaurants direkt für die im Umfeld weggeworfenen Trinkbecher und andere Einwegverpackungen zur Kasse zu bitten. Name steht ja drauf. Eine Alternative könnte ein Pfandsystem sein.

Ein weiterer Leser des Abendblatts vermisst eine „Verschärfung der Sanktionen beim Füttern von Tauben“. Recht hat er, schließlich gibt es weit mehr Tauben als Gänse in der Stadt. Aber die hinterlassen ihren Dreck halt nicht bevorzugt auf solchen touristischen Vorzeigeorten wie den Alsterwiesen.
Eine Leserbriefschreiberin weist auf Singapur als gutes Vorbild hin: Kameraüberwachung und Streifen in Uniform und Zivil, Strafen ab 1.000 Euro. Ich fände es besser, wenn wir nicht noch mehr Überwachung bekämen, sondern wenn es gelänge, Menschen davon zu überzeugen, dass die Benutzung von privaten und öffentlichen Mülleimern ein guter Weg ist. Für uns alle!

Liebe Leser*innen, wusstet ihr, dass die Stadtreinigung Hamburg (SRH) eine Müllhotline und eine App hat?
Müllhotline: 040 2576-1111
Müll online melden: https://www.stadtreinigung.hamburg/stadtsauberkeit/verschmutzung-melden/
Die Apps gibt es im App-Store, bzw. Playstore unter dem Stichwort SRH.
Und alle Infos über Sperrmüll-Abholung gibt es hier: https://www.stadtreinigung.hamburg/entsorgung-recycling/sperrmuell/.
Wie sind eure bisherigen Erfahrungen? Habt ihr schon mal erlebt, dass jemand für illegale Sperrmüllentsorgung oder das Wegwerfen einer Kippe zahlen musste? Was meint ihr zur Erhöhung der Bußgelder? Bringt das was? Wie findet ihr die Idee von Kameraüberwachung gegen Müllsünder*innen? Habt ihr andere Ideen, wie man Menschen bewegen könnte, ihre Abfälle regelkonform zu entsorgen? Schreibt es in die Kommentare!

