Im Heuckenlock gibt es sie noch nicht

Am 22. Oktober 2026 wurde die „Gelbe Wiesenraute“ im Elbe-Tideauenzentrum der Gesellschaft für ökologische Planung (GöP) an der Bunthäuser Spitze zur „Blume des Jahres 2027“ gekürt

Auf grün-blauen Hintergrund die Dolde einer weiß blühenden Pflanze
Die Gelbe Wiesenraute. Foto: Cyrille Claudel

Die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) ist die 48. Pflanze, die diesen Titel trägt. Mit der Ernennung ruft die Loki Schmidt Stiftung jährlich zum Schutz heimischer Wildpflanzen und ihrer Lebensräume auf.

Gartenbotschafter John Langley begrüßte die Besucher*innen am Elbe-Tideauenzentrum und führte sie anschließend zum nahen Ufer der Norderelbe. Er erzählte, dass Loki Schmidt († 21.10.2010) in den 60er Jahren seine Lehrerin gewesen sei und seine Liebe zur Natur geweckt habe.

Die Botanikerin Laura Jürgens arbeitet für das Blumenprojekt der Loki Schmidt Stiftung und stellte bei schönstem Wetter am Elbufer die Blume des Jahres 2027 vor. Bevor sie Bilder der Gelben Wiesenraute zeigte, erklärte sie, welches Ziel die Stiftung mit der jährlichen Auswahl einer bestimmten Wildpflanze verfolgt: „Die relevante Frage für uns ist, welche Pflanze ist gefährdet? Welcher Lebensraum steht dahinter? Ist der gefährdet? Ist der schutzbedürftig und welche Themen können wir vielleicht ansprechen und was können wir damit bewirken?“

Eine seltene Schönheit für den Schutz der Flussauen

Die Gelbe Wiesenraute wächst an Ufern, in feuchten Wiesen, in Auen und Niedermooren. Sie ist eine ausdauernde Wildpflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Sie erreicht eine Höhe von 50 bis 110 Zentimetern, bei äußerst guten Bedingen bis zu 160 Zentimetern. Die Blätter sind zwei- bis dreifach gefiedert und fein gelappt. Unter der Erde befindet sich ein leuchtend gelbes, kriechendes Wurzelgeflecht, das Ausläufer bilden kann.

Von diesen leuchtendgelben Wurzeln, die früher zum Färben von Wolle genutzt wurden, und von den gelben Pollen, die an den Staubblättern zu sehen sind, kommt der Name der Pflanze. Nicht von den Blütenblättern, die sind unscheinbar weiß. Es eine spezialisierte Pollenblume, die keinen Nektar produziert. Deshalb wird sie hauptsächlich windbestäubt. Aber auch Insekten fliegen sie wegen ihres süßlichen Duftes an.

Sie sollte niemals trockene Füße kriegen

Viele Menschen stehen um einen Tisch herum, auf dem ein Eimer steht.
Saatgut wird eingetopft. Foto: M. Groß

Die Pflanze blüht von Juni bis August und dann fruchtet sie. Und jetzt im Oktober können die Samen in die Erde. Sie braucht zum Keimen einen Kälteschock, das heißt, Temperaturen unter null Grad. Damit die Gelbe Wiesenraute weiter verbreitet wird, hatte die Loki Schmidt Stiftung einen Tisch mit kleinen Blumentöpfen und Saatgut vorbereitet. Interessierte konnten ein Samentöpfchen befüllen und mit nach Hause nehmen.

Wenn die Töpfchen im Haus bleiben, müssen die Samen evtl. überlistet werden und in den Kühlschrank. Dann ist Geduld gefragt. Es kann Monate dauern, bis sie keimen. Im Garten sollten die Samen halbschattig an einem feuchten Standort ausgesät. Saatgut der Gelben Wiesenraute gibt es bei der Loki Schmidt Stiftung.

André Palm Projektleiter „Blume des Jahres“ begründete die Wahl der Gelben Wiesenraute damit, dass sie für ein gefährdetes Ökosystem stehe, das für den Natur- und Klimaschutz dringender denn je bewahrt werden müsse: „In den Flussauen lebt auf engstem Raum etwa ein Drittel aller mitteleuropäischen Arten. Wenn wir wollen, dass seltene Pflanzenarten und seltene Tiere, wie Federlibellen, Schilfrohrsänger und Biber ihr Zuhause behalten und nicht zuletzt auch wir Menschen von einem natürlichen Wasserfilter und einem effektiven Hochwasserschutz profitieren können, müssen wir Flüssen ihren natürlichen Lauf endlich wieder zugestehen.“

Die Frage: „Gibt es die Gelbe Wiesenraute hier an der Bunthäuser Spitze oder im Heuckenlock?“, musste Laura Jürgens von der Loki Schmidt Stiftung leider verneinen: „Nicht, dass wir jetzt hingehen könnten. Also hier haben wir jedenfalls keine Bestände gesehen, aber sie kommt direkt in der Elbtalaue hier in der Nähe vor.“

Sechs Menschen stehen an einem Flussufer und halten Bilder in den Händen.

Detailbilder der Gelben Wiesenraute werden gezeigt. Foto: M. Groß

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Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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