Die Tagesordnung des Quartiersbeirates Reiherstiegviertel am 5. Mai 2026 war kurz. So blieb viel Raum für Informationen und Diskussionen
Fahrrad kaputt? FIX UND FERTIG hilft

Als Erster stellte Jörg Maltzahn seine Fahrradselbsthilfewerkstatt FiX UND FERTIG in den Zinnwerken vor: „Ich habe das Projekt hier schon zu Beginn vorgestellt. Inzwischen gibt es Helfer, die regelmäßig kommen. Außerdem kommen viele Leute und viele Kinder aus der Umgebung. Manche können sich keinen neuen Schlauch leisten. Aber auch Menschen mit viel Geld kommen, weil es bei den Fahrradläden große Wartezeiten gibt.“ Jörg Maltzahn betonte: „Wir wollen nicht nur reparieren. Die FIX UND FERTIG-Container sind ein Meeting Point für Leute, die sich für Fahrräder interessieren. Oft gibt es Musik. Wir organisieren gemeinsame Ausfahrten, meistens mittwochs. Die reparierten Fahrräder sollen auch möglichst fahren.“
„Allerdings gibt es auch einen hohen Verschleiß bei unseren Werkzeugen. Einige Leute reparieren ihre Fahrräder unter Anleitung selbst, andere zusammen mit Helfern und manche gucken nur zu, wenn das Rad repariert wird. Dabei wird manchmal falsch umgegangen mit dem Werkzeug, sodass es ersetzt werden muss“, erklärte Jörg Maltzahn. Mit den Spenden, die sie bekommen, ist einiges möglich. „Aber um die Werkstatt aufzufrischen, werden wir einen Förderantrag an den Beirat stellen“, kündigte er an. „Und einen Termin für 2027 gibt es auch schon: Am 8. Mai 2027 planen wir einen Fahrradflohmarkt.“
Die Fahrradselbsthilfewerkstatt ist jeden Donnerstag ab 17 Uhr geöffnet. Die kleine Sommerpause und besondere Veranstaltungen finden Sie auf der Webseite der Zinnwerke.
Tischdecken aus eigener Produktion

Foto: Zinnwerke
„Die erste Flachs(Lein-)saat ist im Boden“, berichteten Sonja Möller und Sonja Lattwesen vom Projekt 1 qm Lein in den Zinnwerken. Gemeinsam mit Schüler*innen der Nelson-Mandela-Schule haben sie im Wilhelmsburger Inselpark die alten Flachssorten Rembrandt, Kathenellenbogen und Hohenheimer Weißblühende ausgesät. Flachs ist eine vegane Faser, die durch Riffeln, Brechen, Schwingen, Hecheln und Spinnen zum Weben vorbereitet wird. Geplant sind selbst gefertigte Leinentischdecken. Nach vielen Anmeldungen zum Mitmachen 2025 ist die Nachfrage 2026 noch mehr gestiegen und nun fehlen den Zinnwerker*innen Brechen.
Deshalb stellten Sonja Möller und Sonja Lattwesen das Projekt nun beim Quartiersbeirat Reiherstiegviertel vor und baten um einen Zuschuss aus dem Verfügungsfonds. Aktuell besteht die Möglichkeit, historische Geräte vom Flachsmuseum Mönchen-Gladbach zu übernehmen. Dazu müssen sie allerdings hinfahren und prüfen, ob die Geräte in Ordnung sind. Die Fördermittel wurden vom Beirat bewilligt. Außerdem bot Holger Schenk von der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg an, bei der Tafel nachzufragen, ob der Tafelbus für die Fahrt nach Mönchen-Gladbach zur Verfügung gestellt werden kann.
Dies und das aus dem Quartier
Der Beiratsvorstand hat sich Gedanken über eine Anpassung der Förderrichtlinien zum Verfügungsfonds gemacht: Soll die Obergrenze für einzelne Vorhaben herabgesetzt werden? Welche Themen sollen gefördert werden? Sollen die Abstimmungen geheim erfolgen? Die Diskussion mit den Beiratsmitgliedern und Gäst*innen führte jedoch zu keinem abschließenden Ergebnis.
Anschließend ging es um das leidige Thema E-Scooter. Mehrere Teilnehmende beklagten, dass die E-Scooterfahrer*innen „noch schlimmer als Radfahrer*innen“ seien. Ein Teilnehmer erklärte: „Es gibt Regeln in der Straßenverkehrsordnung, aber sie werden nicht durchgesetzt.“ Im Geoportal* sollen Parkverbotszonen für E-Scooter ausgewiesen sein. Die anwesende Polizistin bestätigte, dass sich die Polizeiwache Wilhelmsburg (Tel.040 428654410) um falsch abgestellte oder liegende E-Scooter kümmere, wenn diese gemeldet würden.

Zuletzt stellte Andreas Schwarz ein Community-Gardening-Projekt vor. Ziel sei es, Geschäftsleute im Reiherstiegviertel dafür zu gewinnen, Blumenkästen vor ihren Läden aufzustellen. Zusätzlich sollen in den Geschäften hübsche Spendenboxen aufgestellt werden, um Blumen und Pflanzen finanzieren zu können. An verschiedenen Orten im Viertel sollen bunte Blumen-Hotspots entstehen. Baumscheiben sollen zu Hinguckern werden. Andreas Schwarz hat schon erste Läden zum Mitmachen gewonnen.
*Leider konnte die Redakteurin die Verbotszonen für einzelne Straßen nicht ermitteln. WIR freuen uns auf Tipps unserer Leser*innen.
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