Die Otto-Brenner-Straße wird umgebaut. Der Fahrradverkehr führt künftig über geschützte Radfahrstreifen auf der Fahrbahn

Seit ein paar Wochen ist der südliche Teil der Otto-Brenner-Straße eine Baustelle. Große Teile der stadteinwärts führenden Fahrbahn sind aufgegraben. Auf dem verbreiterten Gehweg wurden schon die ersten Steine verlegt. Die Baumaßnahme ist nach Angaben des Bezirksamts Hamburg-Mitte Teil des Ausbaus der Radroute 23 von der Veddel durch Georgswerder und Kirchdorf-Süd zur Süderelbe. Die Radroute 23 war vor der Neuaufstellung und Neunummerierung des Radwegenetzes Anfang 2025 die Veloroute 10.
Protected Bikelanes
Auf der Otto-Brenner-Straße wird der Verkehrsraum neu geordnet. Der Radverkehr wird auf Radfahrstreifen auf der Fahrbahn verlegt. Sie werden als „protected bikelanes mit physischen Barrieren“ zum fließenden Autoverkehr ausgelegt. Die Gehwege werden verbreitert. Um Platz für die Radwege und für neue Grünflächen zu schaffen, werden 60 Parkflächen entlang der Straße wegfallen. Außerdem sollen 22 Straßenbäume für die neu verlaufenden Radfahrstreifen gefällt und durch 39 neue Bäumchen ein paar Meter weiter ersetzt werden. Die Fahrbahn wird von bisher vier auf zwei Spuren zurückgebaut.
Lange Geschichte

Die gerade begonnene Baumaßnahme mit der Einrichtung sicherer Radwege hat eine lange Vorgeschichte. Die alten neben dem Fußweg verlaufenden „Hochbordradwege“ waren 80 cm breit und in gefährlich schlechtem Zustand. Schon 2017 gab das Bezirksamt Mitte an, dass der Radweg „… in der Oberfläche erhebliche Wurzelaufbrüche aufwies“. In der Folge wurde „… aus Versicherungsgründen die Radwegbenutzungspflicht aufgehoben.“ Radfahrer*innen durften die Fahrbahn benutzen, außerdem die mit dem Zusatzzeichen 1022-10 „Radverkehr frei“ versehenen Fußwege. Eine Instandsetzung der maroden Radwege sah das Bezirksamt, mit Verweis auf den geplanten Umbau der Otto-Brenner-Straße und die Einrichtung von Radfahrstreifen, nicht vor. Als Termin für den Umbau wurde 2022 angegeben.
In den folgenden Jahren verkamen die alten Radwege endgültig, wurden zusehends von Gras überwuchert, Auffahrten an Kreuzungen endeten im Nichts.
Baumaßnahme verschoben

Mitte 2022 fragte Dirk Holm von den „Engagierten Wilhelmsburgern“ beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) nach, wann denn nun mit den Bauarbeiten begonnen werde. Der LSBG bedauerte in der Antwort, die Umgestaltung der Otto-Brenner-Straße müsse leider aufgrund der Baumaßnahmen in der Georg-Wilhelm-Straße, verschoben werden. Der Beginn der Arbeiten werde Mitte 2025 angestrebt.
Mit einem weiteren Jahr Verzug wurde der Umbau in der südlichen Otto-Brenner-Straße nun begonnen, die weiteren Bauabschnitte folgen. Im August sollen die Arbeiten voraussichtlich abgeschlossen sein. (WIR 21.6.23)
Der „Autobahnzubringer“
Ein Problem könnte es in Zukunft für die neu gestaltete Otto-Brenner-Straße noch geben, falls die A26, wie geplant, tatsächlich bis Stillhorn verlängert wird und in einem Tunnel unter der Kornweide durch Kirchdorf-Süd verläuft. Durch die aktuell geplante Anschlussstelle Otto-Brenner-Straße wird der Verkehr in der Otto-Brenner-Straße nach den Angaben der zuständigen Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und bau GmbH (DEGES) um rund ein Drittel zunehmen. Auf einer „Perspektiven Werkstatt“ zur A26 2018 fragte eine Teilnehmerin, wie denn das gehen solle, wenn die ohnehin schon hochbelastete Straße in Zukunft von vier auf zwei Fahrpuren zurückgebaut werde. Das, meinte der Vertreter der DEGES, seien zwei voneinander unabhängige Planungen verschiedener Behörden. Außerdem sei die Otto-Brenner-Straße nach den Zahlen der DEGES für das gegenwärtige Verkehrsaufkommen überdimensioniert. (WIR 11/18)


Die A26-Ost soll nach den Plänen der DEGES nicht unter der Kornweide verlaufen, sondern parallel dazu, südlich, teilweise unter der Siedlung Katenweg. Dafür sind bereits eine Reihe von Häusern der Siedlung abgerissen.