Im Mai 2026 ließ SPD-Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer Förderungen für Träger der Hamburger Integrationszentren kündigen

Betroffen sind die BI Bildung und Integration Hamburg Süd, mit dem Standort in der Rudolfstraße, der Caritasverband für das Erzbistum Hamburg e. V., das Diakonische Werk Hamburg, der Interkulturelle Begegnungsstätte e. V. (IKB), der Internationale Bund (IB) und die verikom gGmbH (gemeinnützige GmbH). Laut Sozialbehörde, wurden die bisherigen Träger im Mai 2026 über die geplanten Veränderungen und das neue Auswahlverfahren informiert. Die bestehenden Zuwendungsbescheide laufen regulär zum 31. Dezember 2026 aus.
Für freie Träger in der Integrationsarbeit ist es nichts Neues, dass Zuwendungsbescheide für das kommende Jahr erst recht spät eingehen, so dass natürlich im Mai noch keine Kündigungen von Personal und Räume erfolgten, was die Sozialbehörde ihnen jetzt zum Vorwurf macht. Tatsächlich hatten sie berechtigte Hoffnung, auf grund ihrer Erfahrung den Zuschlag bei der neuen Ausschreibung zu erhalten. Noch dazu, weil die Integrationszentren erst Mitte 2025 im Rahmen einer neuen Förderrichtlinie grundlegend neu ausgerichtet wurden. Dabei wurde – wie von der Sozialbehörde gewünscht – die mobile Beratung in Wohnunterkünften ausgebaut. Diese Förderung war bis Ende 2028 ausgelegt. Im Vertrauen auf diese Perspektive erfolgten zahlreiche personelle und organisatorische Anpassungen der aktuellen Trägerschaft. Nun werden diese Strukturen bereits nach kurzer Zeit unwiederbringlich zerstört.
KOM gGmbH, Am Veringhof 11 – 13 statt BI Hamburg Süd, Rudolfstraße 5
Die sechs Träger, die seit mehr als 20 Jahren in der Hamburger Migrations- und Integrationsarbeit tätig sind, hatten sich mit einem gemeinsamen Konzept unter Berücksichtigung der neuen Förderrichtlinien an der Ausschreibung für 2027 beteiligt. In einer Pressemitteilung erklären sie: „Nach den, den Trägern vorliegenden Informationen fand dieses Konzept bei der Auswahlentscheidung keine Berücksichtigung, obwohl im Konzeptantrag des Verbunds alle Ausschreibungsanforderungen der Sozialbehörde vollumfänglich erfüllt wurden.“
Die Ausschreibung hat die SBB Kompetenz gGmbH gewonnen. Dazu schreibt die Sozialbehörde auf Anfrage des WIR: „Der Trägerverbund unter Federführung der SBB Kompetenz gGmbH setzte sich mit deutlichem Vorsprung durch und lag in 12 der 13 Bewertungskategorien vorn. Besonders überzeugt hat das Konzept durch die enge Verknüpfung mobiler, digitaler und persönlicher Beratungsangebote. Eine zentrale Koordinierungsstelle soll dafür sorgen, dass die Beratung flexibel und bedarfsgerecht eingesetzt wird. Das Konzept sieht zudem mehrsprachige Angebote, die Nutzung bestehender Infrastruktur und Kooperation sowie ein einheitliches Qualitätsmanagement vor. Damit soll die Wirksamkeit der Beratung regelmäßig überprüft und das Angebot bei Bedarf angepasst werden. Die beteiligten Träger bringen darüber hinaus umfangreiche Erfahrungen in der aufsuchenden Arbeit sowie in der Integrations- und Migrationsberatung mit. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die fachliche Qualität des Gesamtkonzepts.“
Andrea Franke von der SBB Kompetenz gGmbH erklärt auf Anfrage des WIR, wie es zu der Bewerbung kam: „Von der öffentlichen Bekanntgabe haben wir und der si! soziales & innovation gGmbH (Freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe) über einen ASD-Verteiler (Allgemeiner Sozialer Dienst) erfahren. Daraufhin haben wir uns innerhalb unseres Trägerverbundes beraten und uns als eigenständiges gemeinnütziges Tochterunternehmen der Stiftung Berufliche Bildung entschieden, ein gemeinsames Konzept einzureichen. Wir wurden im Vorfeld weder von der Sozialbehörde über die Ausschreibung informiert noch zur Beteiligung aufgefordert. Uns ist wichtig, dass die Integrationsberatung in Wilhelmsburg auch künftig gut erreichbar bleibt und die Menschen vor Ort verlässliche Unterstützung finden.“
Wie gelingt der Trägerwechsel für Ratsuchende?
Der Sozialbehörde ist es wichtig, dass Ratsuchende auch während des Trägerwechsels Unterstützung erhalten. Deshalb steht sie mit den bisherigen Trägern im Austausch, um einen geordneten Übergang und den Wissenstransfer an den neuen Trägerverbund zu organisieren. Laut Hamburger Abendblatt vom 28. Oktober hat am 26. Oktober ein Krisentreffen zwischen Behörde und Trägern stattgefunden, das „ernüchternd“ verlaufen sein soll, wie Judith Geipel, Geschäftsführerin des betroffenen Trägers BI Hamburg Süd, erklärt: „Der Termin war in vielerlei Hinsicht ernüchternd. Besonders fassungslos sind wir darüber, was die Behörde unter einem geordneten Übergang zwischen den bisherigen und den neuen Trägern versteht. Die Sozialbehörde will, dass Ratsuchende ein Formular mit den bisherigen Berater*innen ausfüllen, um dieses dann bei der SBB vorzulegen. Es ist unglaublich weltfremd, anzunehmen, dass man komplexe Beratungsfälle per Zettel übergeben kann.“
Das Hamburger Abendblatt berichtete am 28. Oktober, dass mit der gemeinnützigen GmbH Verikom der erste Träger Insolvenz angemeldet habe. Betroffen seien 56 Beschäftigte. Außerdem habe die Diakonie für den Trägerverbund jetzt offiziell Widerspruch gegen die Entscheidung der Sozialbehörde eingelegt. Sollte diese den Widerspruch ablehnen, wäre auch ein Gang der Diakonie vor Gericht möglich.

