Grüner Wasserstoff, Unsinn oder sinnvoll?

Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) lud zu einer Barkassenfahrt mit Diskussion über Sinn, Unsinn und Chancen von grünem Wasserstoff ein

Bis Mittwoch dachte ich, „Grüner Wasserstoff“ sei generell ziemlicher Unsinn. Ungefähr vergleichbar mit Flugtaxis (Ich bin wohl nicht technologieoffen genug.). Der NABU Hamburg hatte am Mittwoch zu einer Barkassenfahrt mit Diskussion geladen. Thema „Grüner Wasserstoff“: Grüner Wasserstoff wird mit Hilfe von Energie (Ökostrom) aus Wasser gewonnen. Aus H2O (Wasser) wird H2 (Wasserstoff) und O (Sauerstoff). Der Sauerstoff geht als ungiftiges Gas in die Atmosphäre.

Ich fahre gern Schiff. Als Hamburgerin hab ich Elbwasser im Blut und sehe gern Container, Kräne und große Pötte. Wenn Letztere nur nicht solche Dreckschleudern wären … Das Gespräch über Grünen Wasserstoff begann direkt nach dem Ablegen und dauerte eine gute Stunde, bis kurz vor dem Anlegen. Dass zwischendurch die anderen Fahrgäste aufstanden und – ungeachtet der Diskussion Fotos von besonders eindrucksvollen Containerriesen machten – zeigte mir, dass nicht nur ich einen gewissen touristischen Anteil vermisst habe.

In der Schule nicht gut genug aufgepasst

Malte Siegert, der Vorsitzende des NABU Hamburg stellte Fragen und Peter Lindlahr (Geschäftsführer von hySOLUTIONS), Sönke Diesener (Senior Referent Schifffahrt beim NABU Bundesverband) und Katharina Beck (finanzpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion) antworteten. Ich bin mit sehr wenig Vorwissen aufs Schiff gegangen und muss sagen, dass ich nicht gut abgeholt wurde. Zwar hatte ich am Ende der Tour ein bisschen mehr Ahnung, aber ohne den Plan, darüber zu schreiben, wäre es dabei geblieben. Inzwischen habe ich mich etwas schlauer gemacht.

An Bord einer Barkasse. Im Vordergrund Köpfe von hinten. Vor der Kapitänskabine stehen Peter Lindlahr, Sönke Diesener, Katharina Beck, Malte Siegert Foto: Ania Groß
Peter Lindlahr, Sönke Diesener, Katharina Beck, Malte Siegert. Foto: Ania Groß

Das Ziel aller Menschen, die etwas gegen die Klimakrise unternehmen wollen, ist, keine fossilen Brennstoffe mehr zu verwenden. Wasserstoff, bzw. synthetische Kraftstoffe auf Wasserstoffbasis sind eine Alternative. In vielen Bereichen lassen sich Öl und Benzin allerdings direkt durch Ökostrom ersetzen. Und wo das geht, sollte man das auch unbedingt tun. Denn bei der Herstellung von grünem Wasserstoff aus Wasser mit Hilfe von Ökostrom entstehen hohe Energieverluste. Für große Schiffe und Flugzeuge ist ein Antrieb mit Strom nicht möglich und wird es vielleicht auch nie sein. Dort sind Grüner Wasserstoff bzw. daraus hergestellte Energieträger wie Ammoniak oder Methanol, bzw. synthetische Kraftstoffe interessant.

Warum ist Hamburg so interessant für grünen Wasserstoff?

Zurück zu unserer Barkassenfahrt: Im Hamburger Hafen gibt es alles, was im Zusammenhang mit Grünem Wasserstoff gebraucht wird. Grüner Wasserstoff kann hier sowohl produziert (in Moorburg, auf dem ehemaligen Kraftwerkgelände) als auch weiterverarbeitet und genutzt werden.

Grüner Wasserstoff ist also nicht generell Unsinn. Vom Gedanken, Autos mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen anzutreiben, sollten wir uns aber schnell verabschieden. Die Batterietechnologie wird immer besser. Im E-Auto liegt hier eindeutig die beste Lösung. Bei der Produktion von Stahl ist Wasserstoff allerdings unverzichtbar; und wenn Wasserstoff, dann lieber grün als grau! Beim Antrieb ist Grüner Wasserstoff der Champagner unter den Treibstoffen: Nicht für alle Zwecke sinnvoll, aber dort, wo die Alternativen sonst nur fossile Treibstoffe sind.

Sketchnotes von einer Barkassenfahrt mit Diskussion zum Thema Grüner Wasserstoff des NABU. Impulsvortrag von Sönke Diesener. Kleinen Portraits der 4 Personen sind jeweils mehr oder weniger Zitate zugeordnet. Dazwischen Schiffe, Kräne, ein Flugzeug. Und eine Champagnerflasche, die illustriert, dass Grüner Wasserstoff nicht für alles eingesetzt werden kann. Die Sketchnotes sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht frei verwendet werden!
Ich habe Sketchnotes gemacht, damit ich mir das Gesagte besser merken kann. Sicher auch informativ für andere. Die Sketchnotes sind urheberrechtlich geschützt und dürfen an anderer Stelle nur nach Erwerb der Nutzungsrechte verwendet werden. Sketchnotes: Ania Groß

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