Der Quartiersbeirat Wilhelmsburg Ost tagte im Inselcafé

„Was hast du im Sommer gemacht?“ Mit der Beantwortung dieser Frage in der Vorstellungsrunde begann die Sitzung des Stadtteilbeirats Wilhelmsburg Ost am 9. September 2026 im Inselcafé. Bei allen Anworten war die Sommerhitze ein Thema. Einige haben sie genossen, vielen war es zu heiß gewesen, manche waren in Gegenden unterwegs, in denen es kühler war.
Leider hatte die Stadtreinigung Hamburg (SRH) den angekündigten Besuch der „Kümmerin“ abgesagt. Die „Kümmerin“ ist dafür da, die Müll- und Entsorgungsprobleme im Stadtteil im Auge zu behalten und sich um die Entsorgung des Mülls zu kümmern. Birte Diekmann vom Stadtteilbüro erklärte, dass die „Kümmerin“ sehr viel im Stadtteil unterwegs und sehr engagiert sei. Sie habe schon viele Überstunden geleistet.
Interessengemeinschaft will Strohdachhaus erhalten
Vor Kurzem hat sich die „Interessengemeinschaft Höhe 51“ gebildet. Das denkmalgeschützte Strohdachhaus an der Adresse Auf der Höhe 51 aus dem Jahr 1859 wurde 1942 zu einem Kindertagesheim umgebaut. Das Gebäude gehört der Stadt und ist stark sanierungsbedürftig. Es regnet durch das Dach, und die Kita ist inzwischen ausgezogen. Die Interessengemeinschaft möchte das Haus erhalten und künftig für unterschiedliche Veranstaltungen nutzen.
Neuer Sportplatz für das Helmut-Schmidt-Gymnasium (HSG)
Einen ausführlichen Vortrag hielt York Brodersen, Projektleitung Schulbau Hamburg (SBH), über die Fortschritte beim Sportplatz des HSG. Der Neubau wird von der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) und der Johan-Cruyff-Stiftung, Niederlande, finanziert. Diese Stiftung unterstützt sportliche Aktivitäten für Kinder auf der ganzen Welt. Die Kosten für den Sportplatz einschließlich Planungshonorar liegen bei einer Million Euro. Mit dem Bau wurde bereits begonnen.

Zunächst wurde der alte Sportplatz komplett abgebrochen. Der neue Sportplatz wird 26 mal 36 Meter groß. Geplant ist ein Fußballfeld. Wunschgemäß bleibt die bereits bestehende Laufbahn erhalten. Sie wird mit einem neuen Rundlauf ergänzt. Im hinteren Bereich der Anlage wird eine Sprunggrube gebaut. Die gesamte Anlage wird ökologisch und wasserdurchlässig errichtet. Ende September soll alles fertig sein. Anfang Oktober findet dann die Eröffnung im Beisein der Sponsor*innen statt.
Der Sportplatz soll nach Schulschluss, also ab circa 16 Uhr, allen Kindern, auch aus der Nachbarschaft, zur Verfügung stehen und zu einem Treffpunkt im Quartier werden.
Die Hoffnung ist, dass es nicht wieder Vandalismus gibt.
Diskussion über Energieversorgung und Kunstrasenplatz
Anschließend stellte sich York Brodersen den Fragen der Anwesenden. Da ging es vor allem um die Frage, ob nicht eine so große Fläche wie der Sportplatz etwas zur Energieversorgung der zahlreichen Schulgebäude hätte beitragen können. So fand es ein Beiratsmitglied schade, dass beim Neubau der Sportanlage keine Erdwärmepumpe zu diesem Zweck mitgedacht worden sei. Brodersen behauptete, der Energieertrag würde nicht einmal für die Versorgung eines einzigen Gebäudes ausreichen. Diese Aussage bezweifelte der Fragesteller und erkundigte sich nach dem entsprechenden energetischen Gutachten, insbesondere im Hinblick darauf, dass auch die Schulen bis 2040 klimaneutral sein müssten.
Brodersen verwies darauf, dass solche Projekte normalerweise Jahre dauern würden. Hier würde innerhalb von drei Monaten die Realisierung erfolgen. Erdkollektoren seien zudem sehr teuer. Die Kosten hätten nicht innerhalb eines Jahres gestemmt werden können. Gleichzeitig hätte ein*e Betreiber*in gefunden werden müssen. Grundsätzlich habe Schulbau Hamburg ein Konzept, wie die Schulen klimaneutral werden können, denn das müssten sie natürlich.
Die Frage nach einer Photovoltaikanlage zur Energieversorgung der Schule konnte nicht beantwortet werden. Die Prüfung von Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden hat die städtische Tochter HenW KommunalEnergie GmbH übernommen. Laut Hamburger Klimaschutzgesetz müssen alle neuen öffentlichen Gebäude Gründächer mit Photovoltaikanlagen erhalten. Bei alten Bestandsgebäuden wird die Möglichkeit statisch geprüft.
Es wurde angeregt, zu einer späteren Beiratssitzung eine*n Expert*in einzuladen, der*die zum Thema „Energiekonzept“ das Gesamtstandortkonzept vorstellen solle. „Das ist nicht meine Kernkompetenz,“ sagte York Brodersen, „aber ich könnte natürlich intern mit den Kolleg*innen sprechen, ob sie eine Präsentation erstellen können.“
Zur Diskussion stand dann auch noch der geplante Kunstrasenplatz. „Das ist ja jetzt der Trend“, merkte ein Beiratsmitglied an. „Für Sportplätze der Johan-Cruyff-Stiftung ist Kunstrasen vorgeschrieben“, antwortete Projektleiter Brodersen. Das funktioniere zusammen mit der Drainage und dem Regenwassermanagement gut. Naturrasen sei innerhalb von wenigen Wochen zerstört. Selbst Rollrasen müsse man jährlich mehrere Male wechseln. „Ich glaube, dass die Lösung gut ist für das Quartier und auch für die Schule“, erklärte er.
Antrag an den Verfügungsfonds
Nach einer Diskussion über die Höhe und Vergabe von Mitteln aus dem Verfügungsfonds wurde der Antrag der Initiative „Learn2Fly gUG“ genehmigt, die bewilligte Summe betrug mit 1.000 Euro etwas weniger als beantragt. Die Initiative möchte einen neu gestalteten Hinterhof nutzen und einen Sport- und Bewegungstag für die Nachbarschaft veranstalten.
Aktuelles aus dem Quartier
Enno Redeker vom Bezirksamt Hamburg-Mitte berichtete, dass Bewegung in das neue Korallusviertel komme. Er kündigte an, Michael Mathe, Amtsleiter des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirksamt Hamburg-Mitte, werde in der nächsten Beiratssitzung im November die Ergebnisse der Verhandlung mit dem Bauunternehmen Richard Ditting GmbH & Co. vorstellen.
Wiederkehrendes Thema war die Rattenplage im Korallusviertel. Am 22. September 2026 wird sie ein Tagesordnungspunkt im Regionalausschuss sein. Ein*e Vertreter*in von Vonovia ist dazu eingeladen.
Die E-Scooter, insbesondere vor den Fahrradstellflächen in der Keindorffstraße, stellen weiterhin ein besonderes Ärgernis dar.
Hartmut Sauer, AG Verkehr, erinnerte an die guten Vorschläge zur Einbahnstraßenregelung in der Budde- und Wittestraße aus dem Jahr 2023. Er fragte nach dem Stand der Prüfung der Vorschläge.
Am 27. September 2026 um 10.30 Uhr ruft die Müllaktionsgruppe wieder zu einer Müllsammelaktion auf. Treffpunkt ist an der S-Bahn Wilhelmsburg.
Der Rattenfänger von Hameln wird neu erzählt
Andrea vom Theater am Strom stellte zum Schluss noch die Pläne für ein Stadtteiltheater-Projekt im Bahnhofs- und Korallusviertel vor: „Während der Ferienzeit hat uns die wundervolle Nachricht erreicht, dass der Fonds Soziokultur unser Stadtteiltheater-Projekt fördert“, berichtete sie. „Wir hoffen, dass ihr in irgendeiner Form mit dabei seid.“
Das Projekt hat den Titel „Hinterhofratten – ein Umzugstheater“. Das Theater am Strom träumt davon, dass möglichst viele Menschen aus dem Quartier mitmachen – unabhängig von Alter, Sprache, finanziellen Ressourcen, Religion oder sozialer Lage.
Weil Ratten so ein großes Thema sind im Quartier, wollen sie die Geschichte vom „Rattenfänger von Hameln“ neu als Geschichte von Widerstand und Zusammenhalt erzählen. Um Kontakte zu den verschiedensten Menschen aus dem Quartier zu knüpfen, sind sie auf die Mitarbeit lokaler Initiativen angewiesen, die im Quartier vernetzt sind. Unter anderem ist geplant, Expert*innen aus dem Quartier in Form bezahlter Mitarbeit für möglichst viele verschiedene Gewerke der Produktion, z. B. die künstlerische Co-Leitung, Kostüm oder Musik zu engagieren.
Die Vorbereitungen beginnen ab sofort. Die Proben finden im 1. Quartal 2027 statt. Die Aufführungen sind für Ende Mai 2027 geplant. Es gibt ein Auftakttreffen am 6.10.2026 von 12 bis 13.30 Uhr im Probenraum des Theaters am Strom. Das Theater befindet sich in der Tor-zur-Welt-Schule. Zu dem Treffen sind alle Menschen und Initiativen eingeladen, um ihre Ideen zu dem Projekt auszutauschen und sich zu vernetzen. Wer Interesse hat, beim Auftakttreffen jedoch nicht dabei sein kann, meldet sich gerne per Mail an: info@theateramstrom.de.


