Der Ort für Begegnung, Kultur und Demokratie auf Wilhelmsburg öffnete nach umfassender Sanierung wieder seine Türen
Nach mehr als einem Jahr Bauzeit und mehreren Jahren Planung wurde das Bürgerhaus Wilhelmsburg (BüWi) mit einem Festakt wieder eröffnet. Alena Kruse, Programmleitung Musik, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, verwies auf die 48h Wilhelmsburg, die anschließend an den Festakt begannen und kündigte den ersten Programmpunkt an: die Band Calimba. Zwischen den Redebeiträgen zeigten Büwi-Mitarbeitende in kurzen Video-Einspielern, was sich im Haus so alles getan hat.
Rund 9,8 Millionen Euro wurden in die grundlegende Sanierung investiert. Finanziert wurde das Projekt durch Mittel des Bundes und der Freien und Hansestadt Hamburg. Obwohl auf den ersten Blick nicht alle Veränderungen ins Auge fallen, kann sich das Ergebnis sehen lassen: Modernisierte Veranstaltungsräume, verbesserte Barrierefreiheit, neue technische Infrastruktur und ein offenes Foyer sollen das Bürgerhaus fit für die Zukunft machen.
Ein Haus mit Bedeutung weit über Wilhelmsburg hinaus
Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel unterstrich, dass alle Parteien der demokratischen Mitte hier ihre Parteitage abhalten und betonte: „Dieser Ort ist wichtig für die Politik in ganz Hamburg. Wilhelmsburg kann stolz sein, weil viele Menschen aus ganz Hamburg auf die Elbinsel kommen und nicht nur durchfahren und so die Schönheiten dieser wunderbaren Elbinsel entdecken und auch die Schönheit dieses Hauses, das heute in neuem Glanz erstrahlt.“ Er hörte zum ersten Mal die Abkürzung BüWi, die für ihn neu war. Die wolle er mit auf die andere Elbseite nehmen. Das war aber nicht der einzige neue Begriff, den der Senator an diesem Freitagnachmittag lernte, auch Elbinsulaner*innen war neu für ihn. (Vielleicht sollte er nicht immer nur ins Bürgerhaus fahren, sondern auch mal einen Rundgang oder eine Radtour über unsere Insel(n) machen. Wer weiß, was er da noch alles lernen könnte. D.Red.)
Der Senator bemerkte weiter, dass ihn besonders gefreut hat, dass die Sanierung sowohl im vorgesehenen Zeit- als auch im Kostenrahmen abgeschlossen werden konnte. Der Baustart erfolgte im April 2025. Die umfangreichen Arbeiten umfassten unter anderem eine neue Lüftungszentrale, energetische Verbesserungen, den Ausbau der Barrierefreiheit sowie die Modernisierung technischer Anlagen.
„Das Bauliche ist das eine, die menschliche Begegnung das andere“, sagte Dressel. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung seien Orte wichtig, an denen Menschen sich persönlich begegnen, unterschiedliche Meinungen austauschen und gemeinsam Lösungen für ihren Stadtteil entwickeln könnten.
Fünf Jahre Planung und ein Kraftakt für das gesamte Team
Auch Dr. Gerlind Gundelach, Vorsitzende des Stiftungsrats, blickte zurück auf den langen Sanierungsweg. Bereits 2020 begannen die Planungen für die Sanierung, 2021 folgte die Förderzusage des Bundes. „Heute fällt uns ein Stein vom Herzen“, sagte Gundelach. Nach Jahren intensiver Vorbereitung sei die grundlegende Erneuerung des Hauses endlich abgeschlossen.
Besonders dankte sie den Mitarbeiter*innen des Bürgerhauses. Während der Bauphase hätten sie nicht nur ihre gute Laune bewahrt, sondern auch den Betrieb an zahlreichen Ausweichstandorten im Stadtteil aufrechterhalten. „Das war nicht selbstverständlich und vor allem nicht einfach“, betonte Gundelach. Ihr Dank galt außerdem den politischen Unterstützern des Projekts, insbesondere Andreas Dressel und dem Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi, die sich für die Finanzierung eingesetzt hatten.
Ein „Wohnzimmer“ für den Stadtteil
BüWi-Vorständin Katja Scheer erinnerte daran, wie schwer vorstellbar es noch vor einem Jahr gewesen sei, dass die Wiedereröffnung tatsächlich so stattfinden würde. Damals standen noch Bauzäune, Bauschutt und zahlreiche offene Baustellen im Weg. Im Frühjahr 2025 begann schließlich der eigentliche Umbau. Dafür musste das gesamte Gebäude mit seinen rund 4.500 Quadratmetern Fläche ausgeräumt werden. Sie erinnerte sich: „Das war viel Arbeit, aber wir haben es geschafft.“
Heute präsentieren sich die Räume in völlig neuer Form. Ein großer heller Multifunktionsraum bietet Platz für Bewegungsangebote, Musikworkshops und kreative Projekte. Neue technische Möglichkeiten erlauben künftig auch hybride Veranstaltungen und Übertragungen in andere Räume. Besonders stolz zeigte sich die Geschäftsführerin auf das neu gestaltete Foyer. Dank einer Spende der Hamburger Sparkasse in Höhe von 10.000 Euro konnte dort ein flexibles Möblierungskonzept umgesetzt werden. „Ein Wohnzimmer für den Stadtteil ist entstanden“, sagte sie. Ein Ort, an dem Menschen nach Konzerten zusammensitzen, auf ihre Kinder warten oder einfach miteinander ins Gespräch kommen können.
Auch das Parkett im großen Saal wurde vollständig erneuert. Geschont werden soll es allerdings nicht lange. Sie lud die Gäst*innen ein: Direkt nach dieser Eröffnungsfeier findet die Rollstuhl- und Rollschuh-Disco statt. Rollschuhe können geliehen werden, wenn Sie noch einmal zurück kommen wollen.“
Mehr als ein Kulturzentrum
Die Redner*innen machten deutlich, dass das Bürgerhaus weit mehr ist als ein Veranstaltungsort.
Hier treffen sich Senior*innen zu Sport- und Singangeboten. Kinder lernen Akrobatik und Zirkuskunst. Menschen unterschiedlichster Herkunft kommen miteinander ins Gespräch. Kultur, Bildung, Ehrenamt und Nachbarschaft finden unter einem Dach zusammen.
„Demokratie wird nicht nur in Rathäusern oder Bezirksversammlungen gestärkt“, sagte Katja Scheer, „(Groß weiter? Neuer Satz?) sie wird vor allem dort gestärkt, wo Menschen Verantwortung übernehmen, sich einbringen und ihren Stadtteil mitgestalten können. Wir bieten den Raum dafür. Den wollen wir gemeinsam mit euch mit Leben füllen.“ Das BüWi sei vorbereitet auf die neuen Nachbarschaften und sei gerne bereit, neue und alte Bewohner*innen zusammen zu bringen.
Auftakt mit „48h Wilhelmsburg“
Musikalisch eröffnete die Gruppe Calimba mit lateinamerikanischen Klängen das Programm. Zudem präsentierten Kinder des Zirkus Willibande erste Ausschnitte ihrer neuen Show „Recht auf Radau“, die am 28. Juni 2026 im Bürgerhaus Premiere feiern wird.
Passend zur Wiedereröffnung startete unmittelbar nach dem Festakt das Kulturfestival 48h Wilhelmsburg, In diesem Jahr auch wieder mit Auftritten im BüWi. Das Festival macht jedes Jahr die kulturelle Vielfalt der Elbinsel sichtbar.
Nach Monaten der Schließung kehrt damit nicht nur Leben in die frisch sanierten Räume zurück. Für viele Besucher*innen markiert die Wiedereröffnung vor allem die Rückkehr eines vertrauten Ortes, an dem Kultur, Nachbarschaft und demokratisches Miteinander tagtäglich gelebt werden.
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