Am 31. Mai 2026 stimmen die Hamburger*innen in einem Referendum über Hamburgs Olympia-Bewerbung ab. Auf einer Veranstaltung des Steuerzahlerbundes wurde das Für und Wider diskutiert

Collage: H. Kahle
Am 24. März 2026 veranstaltete der Hamburger Steuerzahlerbund eine Podiumsdiskussion unter dem Thema „Olympia in Hamburg: Was kostet uns das wirklich?“ Über 200 Besucher*innen waren in den großen Saal der Handwerkskammer gekommen. Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bundes des Steuerzahler (BdSt) sagte in der Begrüßung, sie hätten ursprünglich einen viel kleineren Raum vorgesehen. Aber das große Interesse zeuge von der Brisanz des Themas. Es gehe bei den Olympischen Spielen um viel Geld, um internationale Aufmerksamkeit: Manche sagen, es gehe um Sport.
Abstimmung am 31. Mai
Am 31. Mai stimmen die Bürger*innen in einem Referendum darüber ab, ob Hamburg sich für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 bewerben soll. Der Bürgermeister und die Senator*innen haben bei der Vorstellung des Olympiakonzepts von den Chancen und vom Booster für die Stadtentwicklung geschwärmt. In den nächsten Wochen wird es in der Stadt ähnlich wie 2015 eine große Werbekampagne für ein JA zu den Spielen geben. Die Mitte März veröffentlichten Computersimulationen vom Olympischen Dorf im Sonnenschein und den schwimmenden Sportstätten auf der Binnenalster geben einen ersten Eindruck.
Das Referendum 2015

Vor dem Olympiareferendum 2015 gab es in Wilhelmsburg monatelange heftige Diskussionen auf Veranstaltungen und auch im WIR. Die Olympischen Spiele 2024, über die im Referendum abgestimmt wurde, sollten vor allem auf dem Grasbrook und in Wilhelmsburg stattfinden. Sie betrafen also die Elbinseln direkt. Die Mehrheit der Hamburger*innen lehnte damals bekanntlich die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 ab. Der größte Teil der Nein-Stimmen beim Referendum kam aus dem Bezirk Mitte. Im Wahllokal Fährstraße stimmten 83 Prozent mit NEIN. Bei den Spielen, um die sich Hamburg jetzt bewerben will, sind für Wilhelmsburg nur der moderne Fünfkampf und die Wasserball-Wettbewerbe in der Inselparkarena vorgesehen. Aber die Auswirkungen auf die Stadtentwicklung gehen natürlich auch die Elbinseln an.
Podiumsdiskussion um drei Fragenkomplexe

Nach der Begrüßung stellte Sascha Mummenhoff die Diskutanten auf dem Podium vor: Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), Heike Sudmann (Die Linke), Steffen Rülke (Leiter der Olympia-Bewerbung) und Eckart Maudrich (Sprecher der Initiative „NOlympia“) sowie die Pressereferentin Michaela Skott, die mit ihm zusammen die Veranstaltung moderierte.
In der Diskussion ging es vor allem um drei Fragenkomplexe: Kosten und finanzielle Risiken, die konkrete Umsetzung und die langfristigen Folgen für Hamburg.
Letzte Gelegenheit, sich friedlich zu treffen
Auf die Eingangsfrage: Warum sie für Olympische Spiele seien, betonten Finanzsenator Dressel und Steffen Rülke das Völkerverbindende der Spiele. Sie seien in dieser krisenhaften Zeit vielleicht die letzte Gelegenheit, sich friedlich zu treffen, sie stünden für Zusammenhalt und Respekt.
Andreas Dressel stellt noch einmal das Finanzkonzept vor mit dem Durchführungsbudget von 4,8 Mrd. Euro und den geplanten Einnahmen von 4,9 Mrd. Euro und dem sich daraus ergebenen Gewinn von 100 Mio. Euro. Und Steffen Rülke fügte hinzu, man habe aus 2015 gelernt. Es sei sogar ein finanzieller Puffer eingerechnet. Es gebe keine Stadt auf der Welt, die sich bei einer Olympia-Bewerbung so viele Gedanken über die Finanzierung gemacht habe.
Unseriöses Finanzkonzept

Das bezweifelten Heike Sudmann und Eckart Maudrich in ihren Statements auf die Frage, warum sie gegen die Spiele seien. Das Finanzkonzept sei unseriös. Man müsse bis in die 30er, oder 40er Jahre inflationsbedingte hohe Kostensteigerungen einplanen. Die Finanzen seien außerdem Stand jetzt schon kleingerechnet. Die Ausgaben für Sicherheit, die in Paris 2024 1,7 Mrd. Euro betragen hätten, kämen in dem Konzept nicht vor. Ebenso die geschätzt 500 Mio. Euro für den Bau des Olympiastadions, der über private Investoren finanziert werden solle und nach den Spielen unter anderem neues Fußballstadion für den HSV werden solle. Und was dann aus dem in der Nachbarschaft liegenden aktuellen Volksparkstadion werde, sei auch offen.
Auf die Frage, ob sie sich denn überhaupt olympische Spiele vorstellen könne, meinte Heike Sudmann: „Ja, mit einem IOC, das nicht korrupt ist, und unter Rahmenbedingungen, bei denen das finanzielle Restrisiko nicht bei der Stadt liegt.“
In seiner Entgegnung räumte Senator Dessel ein, die Kosten für die Sicherheit der Spiele seien nicht im Finanzkonzept berücksichtigt, weil man sie jetzt noch nicht einschätzen könne. Und zur wahrscheinlichen inflationären Entwicklung meinte er: Der Kostenrahmen sei gedeckelt. Falls die Kosten stiegen, müsse entweder auf der Ausgabenseite Abstriche gemacht, oder die Einnahmen erhöht werden.
Die barriereärmste Stadt Deutschlands
Finanzsenator Dressel und Steffen Rülke hoben die Ausgaben für Sportstätten hervor, mit dem die Spiele den Breitensport voranbringen würden, und wiesen auf den Ausbau der Barrierefreiheit der Stadt im Rahmen der Vorbereitung auf die Paralympics hin. Hamburg werde die barriereärmste Stadt Deutschlands sein. Und sie betonten, auch mit Verweis auf München 1972, die Spiele könnten ein „Motor“ sein für viele Bereiche der Stadtentwicklung: So würden unter anderem mit dem Bau des olympischen Dorfes Wohnungen für 9.000 Menschen geschaffen, darunter 56 Prozent geförderte Mietwohnungen. Außerdem würde mit der Unterstützung durch den Bund beschleunigt der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden können. Die Hamburger Wirtschaft bekäme Rückenwind für neue Investitionen.
Bezahlbare Wohnungen und besseren ÖPNV nicht erst 2040

Die Kritiker*innen stellten die Bedeutung für die Wirtschaft und den Breitensport mit Bezug auf Paris infrage. Die Spiele 2024 hätten dort nur einen äußerst geringen Gewinn gebracht, für die Kultur und das Übernachtungsgewerbe sogar einen Rückgang der Einnahmen. Und die Mittel für den Breitensport seien entgegen den Ankündigungen in den beiden Folgejahren sogar gekürzt worden. Außerdem brauche man jetzt neue bezahlbare Wohnungen, Entwicklung der Barrierefreiheit und des ÖPNV und nicht in zehn bis zwanzig Jahren, wenn denn die Spiele stattfinden sollten.
Für und Wider in der Publikumsdiskussion
Auch in der anschließenden Publikumsdiskussion gab es positive und negative Stimmen. So kritisierte eine Vertreterin des BUND, dass der im Olympia-Konzept behaupteten Nachhaltigkeit die Klimabeeinträchtigung – unter anderem beim Neubau der Anlagen und durch den Flugverkehr während der Spiele – entgegenstünde. Ein Teilnehmer meinte, der Senator verdiene eine Medaille für „Schönrechnen“. Die Präsidentin des Hamburger Sportbundes begrüßte hingegen die Chance auf viele neue Sportstätten und der Präsident der Handwerkskammer die Aussicht auf die im Konzept vorgesehene Bevorzugung lokaler Firmen bei der Auftragsvergabe für die Realisierung der Planungen.
Die Drohung des Senators

Irritierend war eine Äußerung des Senators, die sich wie eine Drohung anhörte: Hamburg brauche für die Realisierung der Verkehrsprojekte Gelder vom Bund, die andernfalls (bei einem negativ ausgehenden Referendum) nach München gehen würden. Ähnlich äußerte sich schon Sportsenator Andy Grote bei der Vorstellung des Finanzkonzepts: Die Stadt werde mit den Spielen mehr Geld für die Zukunftsthemen der Stadt haben und könne es sich deshalb nicht leisten, auf Olympia zu verzichten.
Das Meinungsbild
Sascha Mummenhoff betonte in seinem Schlusswort, dass statt Werbeveranstaltungen eine solche offene und sachliche Debatte über dieses Großprojekt mit Folgen für die Zukunft der Stadt wichtig sei. Der Steuerzahlerbund spreche sich nicht gegen die Spiele aus, fordere aber eine umfassende Transparenz über alle anfallenden Kosten.
Zum Schuss wurde mit JA- und NEIN-Kärtchen ein Meinungsbild erstellt. Grob gezählt stimmte eine knappe Mehrheit mit NEIN. Und das entsprach auch dem Ergebnis einer Meinungsumfrage, die der NDR einen Tag später veröffentlichte.

