Der Grasbrook und die nördliche Veddel werden Vorbehaltsgebiet

Die Zuständigkeit für die Bebauungsplanung und die Bauaufsicht wird bei der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) gebündelt. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte begleitet den Entwicklungsprozess

Von Juni 2018 bis Februar 2019 wurden in vier Grasbrook-Werkstätten die Planungen vorgestellt. Die Bewohner:innen der umliegenden Stadtteile Veddel, Wilhelmsburg, Innenstadt und HafenCity konnten Ideen zu dem neuen Stadtteil Grasbrook beitragen oder Kritik und Sorgen einbringen. Auch eine Online-Beteiligung war möglich. Aus den insgesamt 725 Beiträgen wurden sieben Themenblöcke für den Grasbrook zusammengefasst und den Planungsbüros vorgegeben. Den ersten Platz nahm die Querung Grasbrook-Veddel, die Veddelbrücke, ein. Dafür werden noch Lösungen gesucht. Weitere Themen waren die Nutzung der denkmalgeschützten Lagergebäude D, F und G, Lärmimmissionen, die Zugänge zum Wasser und die Ufergestaltung, der Umgang mit Bestandshallen und die Nachbarschaft zur nördlichen Veddel.

Im April 2020 berichteten WIR (4/2020) , dass das Büro Herzog & de Meuron (Basel), zusammen mit Vogt Landschaftsarchitekten (Zürich), das Wettbewerbsverfahren gewonnen hatte.

Die Pläne zu dem Vorbehaltsgebiet lagen aus

Die Öffentlichkeitsbeteiligung zu den Planverfahren im Vorbehaltsgebiet für den Bebauungsplan-Entwurf Kleiner Grasbrook 1 (Moldauhafenquartier) und zu den Änderungen des Flächennutzungsplans und des Landschaftsprogramms in den Stadtteilen Kleiner Grasbrook und Veddel fand pandemiebedingt in Form einer öffentlichen Auslegung statt. Laut Behörde werden die eingegangenen Stellungnahmen zurzeit für das weitere Verfahren ausgewertet.

Gute Ideen für die Veddelbrücke gesucht

Die Baustelle auf dem kleinen Grasbrook. Im Vordergrund Büsche an der Wasserseite. Im Hintergrund kleine Hafenkräne.
Die Baustelle auf dem Grasbrook. Mit der Webcam lassen sich die Arbeiten verfolgen.
Foto: grasbrook.de

In Planung ist die Veddelbrücke. Sie soll den Grasbrook und die Veddel angemessen verknüpfen. Wegen der Oberleitungen der Gleise muss sie zwölf Meter hoch sein. Gleichzeitig soll sie komfortabel, sicher und barrierefrei sein. Alle sollen sich trauen sie zu nutzen. Viele wünschen sich eine Grünbrücke (das ist eine bepflanzte Brücke nur für Fußgänger und Radfahrer).

Am 31. März 2022 informierte Bianca Penzlien, Gebietskoordinatorin bei der HafenCity Hamburg GmbH, den Ausschuss Elbbrücken über den Planungsstand. Das Überseezentrum ist schon abgebrochen. Sie betont: „Der Grasbrook ohne Veddel ist nicht zu denken, Nachbarschaften wachsen zusammen. Von beiden Seiten besteht großes Interesse.“

Das neue Große Hafenmuseum wird auf dem Veddel Höft gebaut.* Am Ufer soll die Peking Besucher anziehen (s. Artikel „Hafenmuseum: Zeichen der Entwicklung”). Die Flächen des Hafentorquartiers bleiben Hafennutzungsgebiet und verbleiben im Zuständigkeitsbereich der Hamburg Port Authority (HPA).

Geplant ist eine grüne Stadt am Wasser. Es werden 3.000 Wohnungen in dichter Bebauung entstehen, davon 35 Prozent öffentlich gefördert. Vorgesehen ist eine Fassaden- und Dachbegrünung. Um die Hafenbecken und zwischen den Gebäuden im Moldau- und Hafentorquartier sind Grünzonen geplant. Wertvolle Uferzonen werden geschützt und neue Grünanlagen sollen entstehen.
Gegenüber der nördlichen Veddel ist eine Grundschule mit vier bis fünf Zügen geplant.
Im Lagerhaus G soll ein Gedenkort entstehen.** Auch für die weiteren denkmalgeschützten Lagerhäuser werden Nutzungen gesucht.
Das Mobilitätskonzept mit Fortführung der U-Bahn, gewerblicher Logistik, Sharingkonzepten, Quartiersgaragen und Brücken muss noch entwickelt werden. Baubeginn der Infrastruktur soll Ende des Jahres sein, eventuell soll auch das Vergabeverfahren für die Grundstücke dann beginnen. Das hängt von der Nachfrage ab. Für die Veddelbrücke ist ein Beteiligungsverfahren für Ende 2024/Anfang 2025 geplant.

Weitere Informationsveranstaltungen sind geplant

In der Diskussion versprach Bianca Penzlien dann, in der nächsten Sitzung zu berichten, wie mit den Einwendungen zu dem Bebauungsplanentwurf umgegangen würde. Sie musste zugeben, dass die Fußgängerbrücke vom Baakenhöft zum Veddelhöft noch nicht sicher sei. Ausschussmitglieder hielten diese für unerlässlich. Dabei müsse allerdings der Seeverkehr auf der Norderelbe berücksichtigt werden. Auch eine Elbbrücke nach Rothenburgsort ist noch nicht gesichert.

Schwierig ist die Nahversorgung. Die Veddeler:innen wünschen sich dringend einen Vollsortimenter. Standorte in den neuen Nachbarschaften und Konkurrenzsituationen müssen bedacht werden: Baakenhöft, Veddeler Norden, Mobility Hub an der S-Bahn Veddel, neues Elbinselquartier und bestehende Zentren auf Wilhelmsburg.

* Der bekannte Hamburger Architekt Volkwin Marg, Träger der Bürgermeister-Stolten-Medaille, sprach in einer Veranstaltung zum 257. Gründungstag der Patriotischen Gesellschaft davon, dass die Teilung des Großen Hafenmuseums in einen Neubau am Veddel Höft und in das bewährte Hafenmuseum in den 50er Schuppen am Bremer Kai eine „verpasste Chance“ sei. Der Grund seien Störfallbetriebe. Er plädierte dafür, dass es eine andere Lösung als die Zweiteilung des Museumsstandortes geben müsse.

**Der in den Jahren 1903 bis 1907 erbaute Stückgutspeicher wurde in den Jahren 1944/1945 von der SS als Außenlager des KZ Neuengamme genutzt. An verschiedenen Stellen gibt es noch Zeugnisse aus jener Zeit. Die Initiative Dessauer Ufer kämpft seit 2017 um einen angemessenen Erinnerungsort.

Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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