Hafenmuseum: Zeichen der Entwicklung

Am ersten Aprilsonntag startete das Hafenmuseum in die Saison 2022. (Der WIR berichtete). Die offizielle Eröffnung war auch Gelegenheit für das Museumsteam, über den Stand der Planungen für das „Große Deutsche Hafenmuseum” zu informieren

In den letzten beiden Jahren ist es, abgesehen von Schlagzeilen über die Peking, still geworden um das neue Museum. Nach langen Vorbereitungen und Diskussionen und nach der Sicherung der Finanzierung stand 2019 fest: Das Große Deutsche Hafenmuseum wird auf dem Grasbrook gebaut – mit der Peking am Ufer davor. Der Schuppen 50A im Hansahafen soll als zweiter Standort zum Museum gehören. Mit der Eröffnung, so Kultursenator Brosda damals, könne in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre gerechnet werden. Mit der Ertüchtigung der 50er Schuppen könne unverzüglich begonnen werden.

Veranstaltungen und Workshops

Auf der Saisoneröffnungsfeier Anfang April nahmen Haupt- und Ehrenamtliche des Museums die Gelegenheit wahr, über den Stand der Entwicklung zu berichten.
Carsten Jordan und Ursula Richenberger vom Team des Deutschen Hafenmuseums stellten unter anderem die neuen Objekte und das Veranstaltungsangebot in dieser Saison vor. Es wird wieder Baustellen-Führungen über die Peking geben, viele Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen sowie erstmals mehrere Workshops, bei denen sich Interessierte mit maritimem Handwerk wie Segelmachen und Takeln vertraut machen können.
Hans-Jörg Czech, Vorstand und Direktor der Stiftung Historische Museen Hamburg, nannte als „wichtiges Zeichen der Entwicklung” die Neubenennung des Museums in den 50er Schuppen. Der neue Name „Deutsches Hafenmuseum – Standort Schuppen 50A“ sei nicht nur ein anderes Etikett, sondern ein Signal für den geplanten weiteren Weg. So seien zum Beispiel neue Stellen für den Standort bewilligt worden. Es gebe natürlich noch viele Herausforderungen, zum Beispiel die ungeklärte Finanzierung für den Erhalt der Großobjekte. Aber auch da sei er sehr optimistisch.

Die Sorge der Ehrenamtlichen

Mehrere alte Portalkräne stehen am Kai vor dem Schuppen 50A. SIe zeigen Rostspuren.
Sanierungsbedürftige Großobjekte. Foto: H. Kahle

Holger Mahler, Vorsitzender des Vereins Hafenkultur, in dem die Ehrenamtlichen organisiert sind, sah das kritischer. Er wies noch einmal auf die großen Verdienste des Museums der Arbeit und der ehrenamtlichen Hafensenioren hin, die vor 30 Jahren mit dem Aufbau des Museums am Schuppen 50A begonnen und es bis heute weiterentwickelt hätten. Ohne sie würde es das Museum gar nicht geben. Denn der Senat habe sich eigentlich nie sonderlich für dieses Museum interessiert, das doch einen wesentlichen Bereich von Hamburgs Geschichte dokumentiere. Dem Senat seien größere Investitionen für die Entwicklung des Museums immer viel zu teuer gewesen. Erst die 120 Millionen Euro Bundesmittel (inzwischen sind es 185 Millionen Euro), die die Hamburger Abgeordneten Johannes Kahrs und Rüdiger Kruse vor sieben Jahren eingeworbene haben, hätten das geplante große Museum möglich gemacht.
Der Verein Hafenkultur freue sich über die nun auch offizielle Eingliederung in das Große Deutsche Hafenmuseum, frage sich aber, warum es seit drei Jahren am Schuppen 50A nicht vorangehe. Dem Vernehmen nach gebe es noch Uneinigkeiten über den Umfang der Instandsetzungsarbeiten und auch die Nachbarschaft zu einem Gefahrgutbetrieb stelle immer noch ein Vorbehalt für den Ausbau dar. Über den genauen Stand erhalte der Verein aber auch auf Nachfrage keine Auskunft. Besondere Sorge bereite ihnen, dass für den Erhalt der dringend pflege- und sanierungsbedürftigen Großobjekte am Kai noch kein Geld eingeworben wurde. Sie drohten zu verfallen. Der Verein Hafenkultur unterstütze daher auch eine aktuelle Online-Petition „Das Hamburger Hafenmuseum am Schuppen 50A darf nicht sterben”.

Komplexe Rahmenbedingungen

Bettina Kiehn, kaufmännische Direktorin der Stiftung Historische Museen, beschrieb im Gespräch mit dem WIR die komplexen Rahmenbedingungen, die dem zügigeren Vorankommen des „Leuchtturmprojekts“ im Weg stünden. So müsse mit dem Architekturwettbewerb für das Gebäude-Ensemble auf dem Grasbrook erst die Planung der Hafen City GmbH für den gesamten neuen Stadtteil abgewartet werden. Und für die Ertüchtigung des Schuppen 50A und der Kaianlage sei das Problem mit der Nachbarschaft zu einem Gefahrgutbetrieb in der Tat noch nicht endgültig geklärt. Sie bestätigte auch die Aussage des Vereins Hafenkultur, dass die bewilligte Geldsumme nach gegenwärtigem Stand gedeckelt sei. Der Verein befürchtet, dass bei erwartbarer weiterer Verschiebung des Baubeginns und ebenso erwartbaren Preissteigerungen das Große Deutsche Hafenmuseum am Ende kleiner ausfallen muss, als die Mütter und Väter des Projekts es ursprünglich geplant hatten.

Besondere Veranstaltungen in der Saison 2022

7. Mai, 15 Uhr: Erinnern im Hafen – Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft des Lagerhaus G – Partizipation und Perspektiven“ im Rahmen der Woche des Gedenkens
8. Mai, 10 bis 18 Uhr: Thementag „Frauen im Hafen“ mit Filmvorführung, Führungen und Gesprächen zum Internationalen Frauentag
18. Juni: Vorführungen zum historischen Güterumschlag
27. und 28. August: Schiffsmodellbautage
10. September: Vorführungen zum historischen Güterumschlag
2. Oktober: besonderes Programm zum Erntedankfest
29. Oktober: Dampf aus zum Saisonabschluss

Workshops zum maritimen Handwerk
Schmieden
7. und 8. Mai,
von 10 bis 17 Uhr
16. und 17. Juli, von 10 bis 17 Uhr
3. und 4. September, von 10 bis 17 Uhr
max. 12 Personen pro Kurs, Mindestalter 12 Jahre, Kursgebühr: 270 Euro pro Person, Schmiedematerial, Kohle und Verpflegung inklusive
Segelmachen
27. bis 29. Mai
, Freitag 14 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag jeweils 10 bis 17 Uhr
11. und 12. Juni, jeweils 10 bis 17 Uhr
24. und 25. September, jeweils 10 bis 17 Uhr
max. 10 Personen pro Kurs, Mindestalter 12 Jahre, Kursgebühr: 3-tägig: 320 Euro pro Person, 2-tägig: 270 Euro pro Person Verbrauchsmaterial und Verpflegung inklusive
Takeln
22. und 23. Oktober,
jeweils 10 bis 17 Uhr
max. 12 Personen pro Kurs, Mindestalter 12 Jahre, Kursgebühr: 270 Euro pro Person Verbrauchsmaterial und Verpflegung inklusive

Anmeldungen zu den Workshops über www.shmh.de

Termine PEKING-Führungen während der Saison 2022:
Mittwoch und Freitag, jeweils um 10, 12, 14 und um 16 Uhr, Sonnabend und Sonntag, jeweils um 10, 11, 12, 14, 15 und um 16 Uhr, Dauer ca. 60 Minuten, max. 10 Personen pro Rundgang
Anmeldungen über www.shmh.de oder telefonisch über den Museumsdienst Hamburg unter 040/428 131 0

Deutsches Hafenmuseum Standort Schuppen 50A,
Australiastraße
20457 Hamburg
Tel.: 040/428 137 130
www.shmh.de

Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

Alle Beiträge ansehen von Hermann Kahle →
Zurück nach oben