Die Senatsstrategie wurde gemeinsam mit der Rom und Cinti Union entwickelt
Am 9. April 2026 eröffnete Senatorin Melanie Schlotzhauer, Präses der Hamburger Sozialbehörde, in der Zentralbibliothek am Hühnerposten eine Kampagne gegen Antiziganismus. In ihrer Rede betonte sie, wie wichtig es sei, über Antiziganismus zu sprechen. Es sei kein Randphänomen, sondern tief verwurzelt in der Gesellschaft.
„Sinti und Roma sind seit über 600 Jahre in Hamburg zu Hause. Das ist länger als es das Rathaus gibt. Sie waren oft Ausgrenzung und Verfolgung ausgesetzt. Grauenvoller Höhepunkt war der Völkermord im Dritten Reich. Nur wenige kehrten aus den Konzentrationslagern zurück“, erinnerte die Senatorin.
Die negativen Erfahrungen gehen weiter. Erhebungen haben gezeigt, dass nur etwa 20 Prozent der Befragten persönlichen Kontakt zu Sinti und Roma haben. Viele stützen ihre Meinungen daher auf Hörensagen. Bundesweit werden jährlich 1.700 antiziganistische Vorfälle registriert.
Die Senatsstrategie für mehr Sichtbarkeit von Sinti und Roma wurde gemeinsam mit der Rom und Cinti Union entwickelt und basiert auf drei Punkten: Erinnerungskultur, Aufarbeitung und Selbstreflexion sowie Sichtbarkeit und Selbstermächtigung.
Gesichter der Kampagne
Ein besonderer Bestandteil der Kampagne sind drei Menschen, die öffentlich Gesicht zeigen: Gina, Jan und Shlica. Sie stehen mitten im Leben und setzen mit ihrer Teilnahme ein bewusstes Zeichen gegen Vorurteile und Antiziganismus. Ihr Engagement macht deutlich, dass Sinti und Roma selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind.



Der Verein Rom und Cinti Union ist stolz auf Jan, Shlica und Gina. Jan und Gina sind aktiv in die Bürgerrechtsarbeit des Vereins involviert. „Wir freuen uns sehr, dass sie Teil dieser wichtigen öffentlichen Sichtbarkeit sind“, heißt es aus der Organisation.
Melanie Schlotzhauer bat die Anwesenden: „Bitte teilen Sie die Kampagne, tragen Sie alle dazu bei, Antiziganismus zu bekämpfen“.
Warum machen Gina, Jan und Shlica mit?
Die drei berichten offen von ihren Beweggründen:
Gina, Romni, Schülerin: „Viele haben mir davon abgeraten mitzumachen, aber ich bereue es nicht. So etwas gab es vorher nicht. Wir müssen sichtbar sein, damit sich etwas verändert.“
Jan, Sinto und Rom, Azubi: „Ich war zuerst geschockt, aber die Kampagne zeigt, dass wir mitten in der Gesellschaft sind. Sie zeigt, warum es solche Initiativen geben muss, und sie stärkt auch andere benachteiligte Gruppen.“
Shlica, Sinteza, Kinderbuchautorin: „Es ist eine Möglichkeit zum Empowerment. Ich kann Vorurteilen entgegenwirken. Es werden positive Lebensrealitäten gezeigt“.
Alle drei betonten, wie schön sie ihre Heimatstadt Hamburg finden und wie gern sie hier leben.
Kommende Veranstaltungen
Kinderbuchlesung REILO & REILI, Freitag, 29. Mai 2026, 10 Uhr, Zentralbibliothek, Hühnerposten 1.
Die Autorin Shlica Weiß liest aus ihrem Bilderbuch über zwei Sinti-Kinder, die eine Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und Mut erleben.
Für Grundschulkinder; Anmeldung erforderlich: www.buecherhallen.de/zentralbibliothek-termine.html
Theater-Aufführung SUPPEN-PERFORMANCE, Mittwoch, 3. Juni 2026, 18 Uhr, Stadtteilschule Am Hafen (Cafeteria),
Bernhard-Nocht-Str. 12.
Das Theaterensemble Romplay zeigt sein interaktives Stück, in der die Suppe als Symbol für Gemeinschaft und soziale Verbundenheit steht. Anmeldung erbeten an: theater@bfoe-hh.de
Filmvorführung NICHT VON SCHLECHTEN ELTERN, Donnerstag, 18. Juni 2026, 17 Uhr, Rathauspassage, Rathausmarkt 3.
Präsentation des Kurzfilms „Nicht von schlechten Eltern – Erfolgreiche Bildungsbiografien von Sinti und Roma“ mit anschließender Diskussion. Anmeldung erbeten an: film@bfoe-hh.de
WIR möchten gern wissen, ob die auf Wilhelmsburg lebenden Sinti und Roma Verbesserungen durch die Kampagne erwarten. Wir haben den Landesverein der Sinti in Hamburg um eine Stellungnahme gebeten, die noch aussteht.
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