Vernetzung, Entwicklung und viele offene Fragen

Der Akteurstag Georgswerder fand am 1. April 2026 im Bildungszentrum „Tor zur Welt“ statt. Zahlreiche Vertreter*innen aus bestehenden Einrichtungen, Initiativen, Vereinen sowie Neubürger*innen und Interessierte folgten der Einladung von Agathe Bogacz (Q8 Wilhelmsburg)

Bereits die Vorstellungsrunde zeigte die Vielfalt der Teilnehmenden: Neben der Stadtreinigung, Q8 Wilhelmsburg und der Internationalen Bauausstellung (IBA) waren unter anderem die Elbinselschule Rahmwerder Straße, der Sportverein Vorwärts 93 Ost, die Wohngemeinschaft Kirchenwiese, das Künstlerhaus Georgswerder, der Internationale Bund, die Volkshochschule sowie Träger aus den Bereichen Bildung, Beschäftigung und Stadtteilarbeit vertreten.

Wachstum im Quartier Kirchenwiese

Ein zentrales Thema war die Entwicklung des Quartiers Kirchenwiese. Dort entstehen rund 200 Wohnungen, von denen bereits ein Teil bezogen ist, während andere noch im Bau sind. Drei Baugemeinschaften – „Deichgezwitscher“, „Treibholz“ und „De Upfüller“ – prägen das neue Wohngebiet. Auch die SAGA hat ein Gebäude mit 60 Wohnungen am Niedergeorgswerder Deich errichtet. In Planung ist eine Kita und ein Stellplatz für Stadträder am Quartiersplatz. Die neu Zugezogenen betonten den Wunsch nach stärkerer Vernetzung im Stadtteil. Gleichzeitig fehlt noch wichtige Infrastruktur: Müllcontainer sind noch nicht überall vorhanden, ebenso stehen Gemeinschaftsräume teilweise noch nicht zur Verfügung.

Mit „Onkel Georg“ entsteht ein inklusives Café mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Menschen mit Behinderung. Träger ist die Alsterdorf Assistenz West gGmbH, die unter anderem Tagesförderung, Assistenzleistungen und Familienhilfe anbietet. Diskutiert wurde zudem die frühere Idee einer kleinen Nahversorgung. Wahrscheinlich ist jedoch nur ein ganz kleiner Einkaufsservice realisierbar.

Im Vordergrund eine Wiese und quer ein Graben. darüber ein Sandhaufen. Im Hintergrund dunkle Mehrfamilienhäuser mit hellen Schuppen davor.
Der Sandhaufen ist noch ein Spielplatz für die ersten
Bewohner*innen. Fotos: M. Groß

Infrastruktur und Bildung im Wandel

Die Elbinselschule an der Rahmwerder Straße bezieht ihr neues Schulgebäude mit allen Klassen und der Verwaltung während der Sommerferien. Noch fehlt der Stromanschluss. Bis danach das alte Schulgebäude abgerissen ist, wird der Quartiersplatz für die Pausen genutzt. Gegebenenfalls müssen die Pausenzeiten verlegt werden. Der Vertreter des benachbarten Sportvereins bot die Nutzung des Sportplatzes an. Die Schulsporthalle befindet sich in keinem guten Zustand. Über eine Sanierung oder den Abriss wird noch entschieden.

Auch der Schulweg war zuletzt problematisch, etwa durch die jahrelange Sperrung der Schulzenbrücke, die zu gefährlichen Verkehrssituationen führte, weil mehr Schüler*innen mit Elterntaxis gebracht wurden; und andere Kinder und Jugendliche, die zu Fuß oder per Rad auf den Umleitungen unterwegs waren, dadurch gefährdet wurden.

Ein Haus, im Erdgeschoss aus hellem Sandstein mit einer dunklen Tür mit Vordach, daneben zwei Fenster und rechts ein bodentiefes Fenster. Darüber zwei Stockwerke mit Holzverkleidung und großen Fenstern.
Teilansicht des neuen Schulgebäudes.

Ein weiteres Thema ist das denkmalgeschützte Gebäude der alten Schule, das bislang vom Künstlerhaus Georgswerder genutzt wurde. Die Künstler*innen müssen im Sommer ausziehen, wenn das Haus saniert wird. Die zukünftige Nutzung – etwa als Quartierszentrum – ist noch unklar, ebenso wie die Finanzierung. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte signalisierte jedoch Interesse an einer Weiterentwicklung des Standorts.

Bedarf an Angeboten für junge Menschen und Beratung

Mehrere Träger suchen aktuell nach geeigneten Räumlichkeiten in Georgswerder. Dazu gehört auch das Projekt Beschäftigung und Ausbildung für junge Menschen (BAM), das junge Menschen bis 24 Jahre beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützt. Zur Zeit findet die Beratung in der Thielenstraße 19 statt.

Beratungsangebote bleiben ein wichtiges Thema: Die Einrichtung Der Hafen, die seit Jahrzehnten kostenlose Krisenberatung anbietet, berichtete von hoher Nachfrage. Sie haben auf der Veddel in den alten Zollgebäuden neue Räume bezogen. Die Standorte in der Fährstraße und im Vogelhüttendeich werden aufgegeben. Es wurde berichtet, dass in dem alten Zollgebäude noch freie Räume seien.

Sportverein vor dem Neustart

Der traditionsreiche Sportverein Vorwärts 93 Ost in der Rahmwerder Straße steht vor einem Neuanfang. Nach einem starken Mitgliederrückgang hat sich eine neue Erste-Herren-Mannschaft gegründet. Der Verein plant den Aufbau weiterer Abteilungen und möchte sich wieder stärker im Stadtteil verankern. (WIR 17.2.26). Der neue Vorstand hat Kontakt zum ESV Einigkeit aufgenommen, wo 600 Kinder auf der Warteliste stehen. Dass der Verein die acht Kanus, die noch in seinem Besitz sind, nicht zur Schuldentilgung verkauft hat, fand bei den Nachbarn großen Beifall und Interesse.

Es fehlen Ärzte und Ärztinnen

Ein besonders drängendes Thema bleibt die medizinische Versorgung. Vertreterinnen von Q8 Wilhelmsburg wiesen auf die erhebliche Unterversorgung mit ärztlichem Fachpersonal auf den Elbinseln hin. Obwohl der Bedarf hoch ist, fehlen entsprechende Kassensitze, da der Bezirk Hamburg-Mitte formal als überversorgt gilt. Das ist allerdings nur nördlich der Elbe der Fall.

Beteiligung und Forschung

Auch die Stadtteilentwicklung war Thema: Agathe Bogacz bat um Mithilfe bei der Erstellung des Georgswerder Blicks 2026. Der Vertreter für Georgswerder im Beirat für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg wies darauf hin, dass Fördermittel für Projekte zur Verfügung stehen.

Zum Abschluss stellte eine Studentin ihre Masterarbeit über Georgswerder vor. Im Fokus ihrer Arbeit steht unter anderem der Energieberg und die Geschichte der ehemaligen Mülldeponie. Dafür werden aktuell Zeitzeug*innen gesucht. Interessent*innen bitte hier melden.

Fazit

Der Akteurstag machte deutlich: Georgswerder befindet sich im Wandel. Neue Wohnprojekte, engagierte Initiativen und frische Ideen treffen auf strukturelle Herausforderungen wie fehlende Infrastruktur, unzureichende Versorgung und offene Fragen bei zentralen Projekten. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung, wie groß das Interesse an Vernetzung und gemeinsamer Gestaltung ist.

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Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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