Museum Elbinsel Wilhelmsburg (MEW): Ein Ort des Erinnerns und der Zukunft

Das historische Amtshaus erstrahlt in neuem Glanz

Hinter einem großen Pflastersteinplatz steht ein ockerfarbenes zweistöckiges Gebäude mit rotem Ziegeldach und weißen Sprossenfenstern.
Historisches Amtshaus in neuem Glanz. Foto: M. Groß

Viele Wilhelmsburger*innen haben schöne Erinnerungen an das „Museum“ wie es in Wilhelmsburg immer nur genannt wird. Vor 40 Jahren nannte es sich Milch-Museum, um sich ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Museumslandschaft zu geben, und stellte die Geschichte der Milchwirtschaft auf den Elbinseln in den Fokus. Da gab es zum Beispiel ein Kinderferienprogramm, bei dem die Kinder erst durch die Ausstellung geführt wurden und hinterher so viel Milch trinken durften, wie sie wollten. Und jedes Jahr nutzten etwa 100 Vorschul- und Grundschulklassen das Museum im Rahmen der Heimatkunde für verschiedene Führungen und regionale Aktivitäten.

Bis zur Schließung wegen Sanierung im Jahr 2022 war die Kaffeestube an jedem Sonntag im Sommer ein beliebter Treffpunkt: Ein Kreis von ca. 15 Bäckerinnen, spendete jede Woche einen Kuchen oder eine Torte. Das Gebäck wurde im Museumscafé Eléonore verkauft (benannt nach Eléonore d’Olbreuse, die 1674 Gräfin von Wilhelmsburg wurde). Der Erlös kam dem Museum zugute. Wie schön war es, unter den alten, riesigen Bäumen zu sitzen. Tatsächlich drehten sich wegen des historischen Ortes viele Gespräche der Wilhelmsburger*innen und auch der Gäste von woanders um Historisches. Das kam ganz von selbst. Aber dann musste das Haus geschlossen werden. Die Wiedereröffnung wird von vielen sehnsüchtig erwartet!

Die Hauptarbeit ist geschafft. Am 19. August 2026 wurde der Abschluss der Sanierungsarbeiten am Hauptgebäude des MEW gefeiert. Das historische Amtshaus von 1724 erstrahlt nach aufwendiger, denkmalgerechter Sanierung in neuem Glanz. Bauherr des Projekts war der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG), für die Sanierung war die Sprinkenhof GmbH verantwortlich.

Drei Männer im Gespräch stehen vor zwei Aufstellern.
v. l .: Martin Sowinski, Geschäftsführer Sprinkenhof, Senator Dr. Andreas Dressel und Ralf Neubauer, Bezirksamtsleiter. Foto: M. Groß

Dr. Andreas Dressel, Finanz- und Bezirkssenator, erklärte: „Wir wissen zwar, dass es ein Denkmal von nationaler Bedeutung ist, aber das wurde in Berlin nicht ganz so gesehen und so wurden die Bundesmittel gestrichen.“ Er dankte der Bürgerschaft, dem Bezirk Hamburg-Mitte und seiner Finanzbehörde, trotzdem die Mittel von 6,2 Millionen Euro für die Sanierung aufgebracht zu haben und lobte: „Das Ergebnis kann sich sehr, sehr sehen lassen. Grüße an das Denkmalamt, mit dem jeder Farbton und jedes Stück Mauerwerk intensiv abgestimmt wurde.“ Er bedauerte, dass die Arbeiten so lange gedauert hätten, aber im Verhältnis zu der über 300-jährigen Geschichte des Hauses wäre das ein Wimpernschlag.

Ein Museum für ganz Hamburg

In Hamburg gibt es viele Museen – das MEW ist nun jedoch das einzige Museum in bezirklicher Verantwortung. Für die laufenden Kosten sind im Haushaltsentwurf von Hamburg-Mitte jährlich 500.000 Euro eingestellt und Senator Dressel appellierte an die Bürgerschaft, diesen Mitteln zuzustimmen. „Es kann nicht sein, erst für 6,2 Millionen Euro das Haus schick zu machen und dann nicht zu bespielen. Wer A sagt, muss auch B sagen,“ erklärte er. Er versprach, als Besucher wiederzukommen.

Die geplante Flutausstellung biete die Chance, Menschen aus ganz Hamburg nach Wilhelmsburg zu locken. Das Museum werde ein Ort des Erinnerns und Informierens, der es schaffe, die Flutkatastrophe von 1962 wieder stärker ins Bewusstsein der Hamburger*innen zu tragen. Ein würdiger und guter Ort, für den sich jeder Euro lohne.

Der Museumsverein bleibt ein wichtiger Partner

Der neue „Museumsdirektor“, Bezirksamtsleiter Ralf Neubauer, geht mit gemischten Gefühlen an die neue Aufgabe heran. Er freue sich, aber es sei auch eine große Aufgabe. Auch das Nebengebäude werde noch saniert. Das bedeute neue Möglichkeiten für das Museum. Unter anderem könne dort das Archiv und Arbeitsplätze untergebracht werden. Zwei Stellen für die Museumsleitung sollen kurzfristig ausgeschrieben werden. Ein Zeitpunkt für die Eröffnung des Museums steht noch nicht fest. Jetzt läuft erst einmal das Interessenbekundungsverfahren. Zusammen mit den örtlichen Akteuren wird überlegt, wie eine Zwischennutzung aussehen kann. Das zukünftige Museumskonzept wird der Bezirk gemeinsam mit dem Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere entwickeln.

Ralf Neubauer betonte ausdrücklich, dass der Museumsverein auch zukünftig ein wichtiger Partner bleiben werde. Die bezirkliche Verantwortung sei keineswegs eine „feindliche Übernahme“. Das Museum solle weiter die Vielfalt Wilhelmsburgs abbilden, von der Bauernwirtschaft, der Industrialisierung bis hin zu den wertvollen Kinderzeichnungen aus dem 1. Weltkrieg. Ralf Neubauer versprach: „Die Woge (Flutdenkmal am westlichen Ende des Vogelhüttendeichs) kommt hierher.“

„Ein kleines, aber wertvolles Projekt“

Für Martin Sowinski, den Vorsitzenden der Sprinkenhof GmbH, ist die Sanierung des historischen Amtshauses ein „kleines, aber wertvolles Projekt“. Es hieße, die Sprinkenhof könne lange Projekte. Hier sei mit sehr guter Qualität saniert worden. Als Beispiel nannte er die handgefertigte Außentreppe. Im Hinblick auf den 16. Februar 1962 sei das Haus ein Denkmal und gleichzeitig ein Mahnmal. Für die Sprinkenhof sei die Sanierung ein kleines, aber wertvolles Projekt.

„Dieses über 300 Jahre alte Amtshaus hat seine Würde zurück erhalten“

Drei Damen in Tracht sitzen vor einem Fenster. Sie haben ein Glas Sekt in der Hand.
Vom Museumsverein: Anke Holtmann und Elke Leppin, die mit dem „Museum auf Wanderschaft“ die Sanierungszeit überbrückt haben, und Zitronenjette Klara Bolle (v.l.n.r. ). Foto: M. Groß

„Dies ist ein besonderer Tag für unseren Verein Museum Elbinsel Wilhelmsburg. Nach vielen Jahren des Leerstandes und der Frage, wie geht es weiter mit unserem Haus, stehen wir heute hier und sind sehr dankbar. Dankbar dafür, dass aus einer großen Idee und einer großen Hoffnung am Ende Wirklichkeit geworden ist,“ erklärte der Vereinsvorsitzende Frank Kibat. Er dankte allen, die daran geglaubt haben und insbesondere den Handwerker*innen der verschiedenen Gewerke. Dies sei vielleicht der schönste Moment für den Museumsverein. Er freute sich, dass das Museum nun eine Heizungsanlage, eine Behindertentoilette und einen Fahrstuhl bekommen habe. Das Haus ist jetzt barrierefrei.

„Hamburg-Mitte übernimmt Verantwortung für dieses besondere Gebäude und es wird in gewisser Weise Neuland sein. Wir als erfahrener Museumsverein seit 1907 möchten dabei aufmerksam und voller Tatendrang zur Seite stehen. Wir stehen bereit, so schnell wie möglich mit Ausstellungen dabei zu sein und das Café Eléonore in Betrieb zu nehmen,“ sagte Frank Kiebat. Der Museumsverein konnte bereits neue Mitglieder begrüßen und hofft auf zahlreiche Besucher*innen auch über Hamburg hinaus.

Bei einem Gläschen Sekt, ausgeschenkt vom Museumsverein, und Chili con Carne und Butterkuchen von der Sprinkenhof GmbH wurde anschließend die gelungene Sanierung des historischen Amshauses gefeiert.

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Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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