Goldene Ehrennadel für eine Einmischerin

WIR-Redakteurin Marianne Groß erhielt die „Goldene Ehrennadel der Elbinseln“ 2026

Marianne in der ersten Reihe während der Lobrede
Sonst schreibt Marianne über die Verleihung der Ehrennadel. In diesem Jahr ist sie selbst die Geehrte. Fotos: M. Brito

Beim Jahresempfang des Regionalausschusses Wilhelmsburg/Veddel/Kleiner Grasbrook am 13. Februar 2026 im Wilhelmsburger Rathaus wurde auch in diesem Jahr wieder die „Goldenen Ehrennadel der Elbinseln“ verliehen.

Mit dem Bericht über die Verleihung haben WIR in diesem Jahr ein kleines Problem. Seit über fünfzehn Jahren hat unsere Kollegin Marianne Groß über die Verleihung berichtet und die Geehrten vorgestellt. Das geht diesmal nicht, denn in diesem Jahr ist Marianne selbst die Geehrte.

Eine lange Liste ehrenamtlicher Aktivitäten

Es war eine lange Liste von Mariannes ehrenamtlichen Aktivitäten, die Michael Weinreich, MdHB und Vorsitzender des Regionalausschusses, in seiner Lobrede aufzählte, Beispiele bürgerschaftlichen Einmischens auf den Elbinseln seit über 40 Jahren.

1973 zog Marianne, gebürtige Braunschweigerin, mit ihrem Mann und ihrer vierjährigen Tochter nach Kirchdorf, wo sie heute noch wohnt.

In der Zeit des Dioxinskandals in den 80er Jahren hat sie sich, wie sie sagt, politisiert. Sie nahm mit der gerade gegründeten Initiative „Dem Hass keine Chance“ an Mahnwachen in der damaligen Geflüchtetenunterkunft in der Dratelnstraße teil. 1993 war sie bei den – erfolgreichen – Demonstrationen gegen die geplante Müllverbrennungsanlage in Neuhof dabei.

„Kuchenfrau“ und Deutschlehrerin

Oft sind es unspektakuläre, aber umso wichtigere Kärnerarbeiten, die Marianne in Wilhelmsburg macht. So hat sie an Brennpunkten auf den Elbinseln Rundgänge veranstaltet, unter anderem im Spreehafen und auf der Deponie Georgswerder und Besucher*innen sowohl die Schönheiten als auch die Knackpunkte des Stadtteils gezeigt. Sie war zusammen mit Harald Köpke vom BUND 10 Jahre lang Mitorganisatorin des „Apfeltages auf dem Jacobsberg“ und ebenso lange Mitorganisatorin der Spreehafenfeste.

Davon, dass sie bis zur Schließung des Museums Elbinseln eine der „Kuchenfrauen“ war, hat auch die WIR-Redaktion auf ihren Sitzungen oft profitiert. Und wenn man mit Marianne durch den Stadtteil geht, kann es passieren, dass sie herzlich von Geflüchteten begrüßt wird – sie war ihre Deutschlehrerin. Wie zuvor schon in der Unterkunft Dratelnstraße in den 90er Jahren, gibt Marianne seit 2015 ehrenamtlich Deutschkurse für Geflüchtete, nicht ohne immer zu betonen, eigentlich sei sie ja gar keine Lehrerin.

Die Einmischerin

Zentrales Thema beim Jahresempfang war die aktuelle Gefährdung der Demokratie auch in unserem Land. Alle Redner*innen mahnten in ihren Beiträgen, dass jede*r sich mehr denn je für den Erhalt der Demokratie einsetzen müsse. Vor diesem Hintergrund hob Michael Weinreich Mariannes zivilgesellschaftliches Engagement hervor und lobte besonders ihre Arbeit im Wilhelmsburger InselRundblick als „einzigartiger Hamburger Stadtteilzeitung“.

Marianne am Rednerpult
Marianne schreibt lieber als zu reden: Sie hoffe, dass es den WIR noch lange gibt.
Rechts im Bild: Bildungssenatorin Ksenjia Bekeris.

Marianne war schon in den 90er Jahren im damals neu gegründeten Forum Wilhelmsburg aktiv. Sie ist Gründungsmitglied des Vereins Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg und natürlich: Sie hat den Wilhelmsburger Inselrundblick mit gegründet und ist bis heute aktive Redakteurin der Zeitung.

Mit all ihren Aktivitäten gehört Marianne zu den Wilhelmsburger*innen, die sich in die Geschicke der Elbinseln einmischen, sie ist eine Stimme in der vielgerühmten lebendigen – für die verantwortlichen Politiker*innen auch manchmal unbequemen – Wilhelmsburger Debattenkultur.

Schreiberin, Fotografin, Austrägerin

Als WIR-Redakteurin schreibt Marianne über alles, was auf Wilhelmsburg anliegt: Jubiläen, Feste, kulturelle Events und die Sitzungen der vier Stadtteilbeiräte. Und immer wieder konstruktiv und kritisch über die Stadtwicklung auf den Elbinseln, die Pläne, Versäumnisse und Zumutungen. Nebenbei, sie schreibt und fotografiert nicht nur, sondern hat auch jahrelang den ehrenamtlichen Vertrieb des gedruckten WIR mit organisiert und die Zeitung selbst mit ausgetragen. Nachdem der WIR seit 2021 nicht mehr gedruckt wird, sondern im Netz erscheint, hat sie die Entwicklung des eWIR von den Layout-Techniken bis zum Social-Media-Auftritt zu ihrer Sache gemacht.

Marianne bedankte sich für die Ehrung in gewohnt nüchterner Weise: Sie schreibe lieber als Reden zu halten. Sie betonte, dass der WIR ja nicht von ihr alleine sondern von mehreren Redakteur*innen gemacht würde. Und sie freue sich, dass es in den letzten Jahren auch einen Generationswechsel im WIR gebe, und so die Zeitung hoffentlich noch lange bestehen könne.

Wir gratulieren unserer Kollegin Marianne herzlich zur „Goldenen Ehrennadel der Elbinseln“.

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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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