Der Sitzungssaal im Wilhelmsburger Rathaus platzte aus allen Nähten. Der Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel/Kleiner Grasbrook lud am 13. Februar 2026 zum Jahresempfang ein
Michael Weinreich (MdHB) und Vorsitzender des Regionalausschusses begrüßte die Gäste und dankte allen für ihr Engagement. Danach sang der Chor der Nelson-Mandela-Schule – die Kleinen aus den Klassen 5, 6 und 7 – das Hamburglied. Später trat der Chor noch zweimal auf. Die Gäste sangen den Refrain mit. Der Chor ist Mitglied von The young classX.
Wir müssen die richtigen Maßstäbe setzen
In seiner Rede erklärte Michael Weinreich, dass der Wohnungsbau, die Bildung und die Integration wichtige Themen für Wilhelmsburg seien. Er sei jedoch überzeugt: „Zusammen schaffen wir das“. Über globale Krisen, wie den Krieg in Europa und die negativen Entwicklungen in den USA kam Michael Weinreich auf den erweiterten Suizid in Wandsbek zu sprechen und betonte: „Wir müssen die richtigen Maßstäbe setzen. Wir wollen in Wilhelmsburg eine offene Gesellschaft.“ Hier passiere viel. In der Wilhelmsburger Mitte gehe es voran, Baugenehmigungen würden erteilt. Die Sanierung des Museums Elbinsel Wilhelmsburg (MEW) sei von hoher Qualität. Dort würde in diesem Jahr das Gedenken an die Flutkatastrophe 1962 beim Museum stattfinden. Positiv sei auch, dass der Bezirk Hamburg-Mitte den Betrieb des Museums übernehme.

Bildung geht uns alle an
Ksenija Bekeris, Senatorin für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) erzählte begeistert, dass sie „den tollsten Job im Senat“ habe. Es gebe große Veränderungen und hohe Erwartungen. Bildung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und genau diesem Anspruch folge die Arbeit ihrer Behörde. Sie warb jedoch um Verständnis, dass einiges länger dauere. Die Behörde sei „ordentlich“ groß. Ksenija Bekeris bekannte, dass sie von Wilhelmsburg beeindruckt sei. Schulen und Institutionen dächten über den Schulhof hinaus und vernetzten sich. Sie lüden Eltern ein und arbeiteten mit Einrichtungen der Jugendhilfe, mit Initiativen und Vereinen zusammen. Die Kinder stünden im Mittelpunkt. Ksenija Bekeris betonte, dass Demokratie im Moment in den Mittelpunkt gestellt werden müsse. Demokratie falle nicht vom Himmel. Sie müsse verteidigt werden, an Orten, an denen Kinder und Jugendliche das erleben – nicht als Belehrung, sondern durch Lernen vor Ort.
Sie verwies dann auf die Schule An der Burgweide, die 2025 den Deutschen Schulpreis und den Themenpreis Demokratiebildung (WIR 15.10.25) gewonnen habe. Die Senatorin schloss: „Schulen vor Ort zeigen, wie Schule gelingen kann. Laden Sie mich bitte oft nach Wilhelmsburg ein. Hier kann ich viel dazu lernen.“
Schulen auf Wilhelmsburg trauen sich was
Und dann kam die Schulleiterin der so gelobten Schule, Regine Seemann, ans Mikrofon. Sie ist seit fast 30 Jahren an der Schule An der Burgweide. Damals hatten die Schulen, wie auch Wilhelmsburg insgesamt, keinen guten Ruf in der Stadt. Auf dem Rückweg nach der mündlichen Prüfung ging im Flur der Schulbehörde eine Tür auf und eine kleine verhutzelte Frau fragte sie: „Wollen Sie eine Festanstellung? Die Schule hat einen ganz schlechten Ruf. Da will niemand arbeiten, im ganzen Stadtteil“. Damals gab es noch keinen Lehrermangel und so wollte sich Regine Seemann das mal angucken. Seitdem habe sich auf Wilhelmsburg viel getan. Die Schulen hätten mittlerweile Profilklassen, wie Englisch immersiv oder das Maritime Zentrum Elbinseln. An der Schule An der Burgweide gebe es das jahrgangsübergreifende Lernen. Die Schullandschaft bilde nicht nur die Unterschiedlichkeit der Menschen hier ab. Schulen auf Wilhelmsburg hätten nicht nur gute Profile, sondern sie trauten sich auch etwas. Auch Regine Seemann betonte: „Wir müssen erreichen, dass die Kinder sich für Demokratie einsetzen. Viele wollen es. Es ist wichtig, für Demokratie zu kämpfen. Es ist so wichtig, dass die Kinder lernen, für andere aufzustehen, für andere, die es nicht können. Ich wünsche mir, dass das schon in der Grundschule passiert. Nicht nur in der Schule, sondern auch im Elternhaus. Wir sind alle gefordert. Ich bin optimistisch: Wir schaffen das!“



