ADFC fordert Behelfsbrücke

Die alte Freihafenelbbrücke ist auch für den Radverkehr voraussichtlich bis 2038 gesperrt. Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) fordert eine provisorische Brücke als Übergangslösung

Blick auf die Neue Elbbrücke mit viel Autoverkehr und rechts daneben der schmale Radweg mit Fahrradfahrer
Alternative für die gesperrte Freihafenelbbrücke: Der Radweg über die Neue Elbbrücke ist eine „Katastrophe“. Fotos H. Kahle


Ende Januar gab die Hamburger Wirtschaftsbehörde das endgültige Aus für die alte Freihafenelbbrücke bekannt. Die ohnehin marode Brücke war durch eine Schiffshavarie im Oktober 2025 beschädigt und musste gesperrt werden. Untersuchungen zeigten dann, dass der Schaden nicht zu reparieren ist und der Mittelteil der Brücke wegen Einsturzgefahr sogar noch in diesem Jahr abgerissen werden muss.

Neue Freihafenelbbrücke nicht vor 2038

Schlagzeilen wie „Hafen wird auf Jahre zum Nadelöhr“ machten klar, was der Verlust der Freihafenelbbrücke bedeutet: Die Staus vor der Neuen Elbbrücke auf der B4/75 werden noch länger. Leidtragende sind vor allem die Pendler und die Hafenwirtschaft. (WIR 4.2.26).

Der Ersatz der Freihafenelbbrücke ist nach Aussage der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) Teil eines umfassenden Brückenbauprojekts, zu dem vor allem der Neubau der daneben verlaufenden Eisenbahnbrücken gehört. An Stelle der dann entfernten Freihafenelbbrücke sollen ab 2031 während des Abrisses der alten Bahnbrücken für sieben Jahre zwei Bahn-Interimsbrücken errichtet werden, die dann als neue Bahnbrücken in die Lücke geschoben werden – so der Plan. Das heißt aber, dass die Freihafenelbbrücke nicht vor 2038 ersetzt werden kann.

Frust auch bei Radfahrer*innen

In den Berichten über die Folgen der Brückensperrung war – auch im WIR – vor allem von den Beeinträchtigungen für den Auto- und LKW-Verkehr die Rede. Aber sie betreffen mindestens ebenso den Fahrradverkehr.

Dirk Lau, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat in einem Bericht im Hamburger Abendblatt die Verkehrssituation für Radfahrer*innen geschildert. Für Radler*innen aus dem Süden sei die Freihafenbrücke eine Abkürzung auf dem Weg in die Hamburger Innenstadt gewesen. Der Elbtunnel als Alternative sei sechs Kilometer entfernt, die Fähre 73 wolle er ausklammern. Außerdem sei die Brücke eine wichtige Verbindung zwischen Der U- und S-Bahnstation Elbbrücken und der Veddel gewesen.

Gelbes Schild mit Rechtsabbiegepfeil und Fahrrad- und Fußgängersymbol
Vorwegweiser zum „gemeinsamen Geh- und Radweg“ Neue Elbbrücke

Die einzige Alternativstrecke verlaufe jetzt über die Neue Elbbrücke entlang der B4. Dieser schon häufig kritisierte Radweg über die Neue Elbbrücke sei katastrophal. Der Weg, Teil der Veloroute 12, ist nur 1,50 Meter breit, wird auf der einen Seite vom Brückengeländer und auf der anderen Seite von der Leitplanke zur vierspurigen B4 begrenzt. Außerdem ist er ein „gemeinsamer Geh- und Radweg“, Fußgänger*innen und Radfahrer*innen müssen aneinander vorbei.

Provisorische Behelfsbrücke?

Der ADFC fordert für die Zeit bis zur Fertigstellung der neuen Freihafenelbbrücke als Zwischenlösung eine provisorische Brücke für den Fahrradverkehr. Als Vorbild nennt Dirk Lau die Behelfsbrücke an der Tatenberger Schleuse über die Dove Elbe. Die Behelfsbrücke wurde dort im letzten Sommer für die Dauer des Neubaus der alten Brücke in kurzer Zeit errichtet. Allerdings sind die Breite der Dove Elbe und die Verhältnisse an der dortigen Baustelle nicht mit denen an der Freihafenelbbrücke vergleichbar. Eine Alternative wäre, so Dirk Lau, eine andere Aufteilung des Verkehrsraums auf der Neuen Elbbrücke.

Die BVM beschäftigt sich mit der Frage einer Behelfsbrücke. Bereits im Januar gab sie bekannt, man prüfe in Abstimmung mit allen beteiligten Behörden mögliche Entlastungen der Verkehrssituation bis hin zum Bau einer provisorischen Behelfsbrücken nicht nur für den motorisierten Individualverkehr, sondern auch für den Fuß- und Radverkehr. Das Ergebnis dieser Prüfung sollte Anfang März vorgestellt werden.

Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen

Blick zwischen zwei Brücken hindurch
Insgesamt drei Brücken müssen bis 2038 ersetzt werden

Vor ein paar Tagen äußerte sich nun die Behördensprecherin Renate Pinzke in der Presse. Es werde geprüft, heißt es in Behördendeutsch: „… inwiefern ein bauliches Provisorium den Entfall (der alten Brücke) verkehrlich kompensieren kann“. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen. Der Bau einer Interimsbrücke in unmittelbarer Nähe der gesperrten alten Brücke „wäre denkbar“. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass auf der Trasse der alten Freihafenelbbrücke ja schon ab 2031 die Eisenbahn-Interimsbrücken verlaufen werden (s. o.). Die Wechselwirkungen zum Brückenprojekt der Bahn, heißt es denn auch, müssten bei der Prüfung eines Provisoriums in jedem Fall berücksichtigt werden.

Wann und wie es eine provisorische Alternative zu der gesperrten Freihafenelbbrücke geben wird, ist also noch unklar. Einen voraussichtlichen Termin für die Entscheidung der Behörde nannte Renate Pinzke nicht mehr.

3 Gedanken zu „ADFC fordert Behelfsbrücke

  1. Danke ADFC!!!!
    Eine Behelfsbrücke wäre für uns Veddeler:innen echt sehr, sehr hilfreich!

    Geil wäre auch, wenn Elbinsulaner:innen (oder alle, die rüber wollen?!?) gratis die eine Station S-Bahn zwischen Elbbrücken und Veddel fahren dürften! Hab keinen Bock, mir ein Deutschlandticket zu kaufen, nur um über die Elbe zu kommen (in der Hafencity ist der nächste Supermarkt außer Penny …)

    Und wenn da weniger streng die Fahrradsperrzeit kontrolliert würde (z.B. nur Strafzettel, wenn Bahn wirklich voll). So was würde auch echt helfen!!

  2. Ja, mit dem Fahrrad war das der entspannteste und direkte Weg von Wilhelmsburg in die Hafencity. Es ist jetzt umständlicher, beispielsweise zur MS Stubnitz zu gelangen.
    Für mich hat sich der Wegfall der Brücke als klare Barriere für Fahrten über die Elbe abgezeichnet.
    Neben der Schließung des Krankenhauses Großsand inkl. Notaufnahme ist das eine der spürbaren Verschlechterungen im Leben auf der Elbinsel.😒

  3. Ich fahre mehrmals wöchentlich über die Neue Elbbrücke. Da mein Ziel östlich vom Berliner Tor ist, wäre die Freihafenelbbrücke für mich keine Alternative. Außerdem finde ich die Anbindung per Fahrrad an den Stadtteil Veddel lebensgefährlich.
    Die gemeinsamen Fuß-/Radwege auf der neuen Elbbrücke sind zu schmal. Die Leitplanken ragen außerdem 50 cm über den Fuß-/Radweg. Sehr ärgerlich ist, dass viele Radfahrer*innen in der falschen Richtung über die Brücke fahren. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die korrekten Wege von beiden Seiten nicht ausgeschildert sind. Außerdem müssen Radfahrer*innen entweder auf dem Hin- oder auf dem Rückweg unter der Straße hndurch, das bedeutet also immer Steigung. Die viele gern vermeiden.
    Stadteinwärts gibt es außerdem den Auto-Abbieger Rtg. Elbbrücken (momentan gesperrt), an dem ich schon richtig schlimme Situationen hatte. Autofahrer*innen biegen dort sehr häufig ab, ohne zu gucken und/oder die Geschwindigkeit zu verringern. Ich sage immer, dass ich ich Stelle kenne, wo ich irgendwann platt gefahren werde.
    Auf der Neuen Elbbrücke gibt es immer noch die zwei Spuren, die früher Straßenbahnspuren waren. Jetzt werden sie nur von Bussen (und manchmal RTW) genutzt. Es gab schon häufiger die Forderung, diese für Radfahrer*innen zu öffnen. Von der Veddeler Seite wäre das sehr einfach, sogar ohne Ampel, aus Richtung Zentrum bräuchte es eine Ampel (oder eine Untertunnelung).

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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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