Helft alle mit, den WiWa bis zum 28. Februar GANZ zu bewahren! Kommt zur werktäglichen Mahnwache ab 7 Uhr
Ein Aufruf des Bündnisses WiWa bleibt!
Es gibt eine Fällgenehmigung für 800 Quadratmeter des Wilden Waldes an der Schlenzigstraße. Wann dort gerodet werden soll, wissen wir nicht. Aber diese Rodungssaison hat nur noch 10 Tage. Es kann also jederzeit passieren.
Um das zu verhindern, müssen wir jetzt jeden Tag gut aufpassen und präsent sein. Geht spazieren am WiWa, kommt zur Mahnwache, macht eine kleine Radtour. Alle Aufmerksamkeit hilft! Wenn euch etwas in Richtung Bautätigkeit oder Rodung auffällt, ihr z. B. eindeutige Baufahrzeuge seht oder beobachtet, dass ein Bauzaun aufgebaut wird, dann ruft diese Notfallnummer an: 0157 – 811 94 105 und sagt Bescheid.

Kurz vor Ende der Rodungssaison hat der Bezirk Hamburg-Mitte nun schnell noch die Baugenehmigung für die Erweiterung des Firmengeländes der Firma „BM Bau“ erteilt. Damit macht der Bezirk den vom „Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen“ (LIG) gewünschten Flächentausch mit „BM Bau“ möglich. Mit der Baugenehmigung geht die Fällgenehmigung für 800 Quadratmeter des Wilden Waldes am östlichen Rand einher.
Der Naturschutzbund Hamburg (NABU) hat Widerspruch gegen die Genehmigung eingelegt. Dieser wurde noch nicht beschieden. Solange kann jederzeit mit den Fällungen begonnen werden. Falls in der Zwischenzeit Rodungsvorbereitungen sichtbar werden, würde vom NABU umgehend eine Einstweilige Verfügung beantragt.
Wir werden dann versuchen, die Baumaschinen für die entscheidenden Stunden aufzuhalten. Kommt dazu und helft mit, dass kein Baum angerührt wird! Die Möglichkeiten eines kreativen oder/und friedlichen Widerstands sind vielfältig. Niemand muss sich in Gefahr begeben. Weitreichendere Informationen zu unterschiedlichen Formen des Widerstands findet ihr hier.
Im Wilden Wald wird nicht gefällt!
WiWa bleibt GANZ!

Infos
www.waldretter.de
https://wiwableibt.noblogs.org/
WIR 17.9.25
Hintergrund
Die Firma „BM Bau“ an der Schlenzigstraße 16 möchte sich um gut 800 Quadratmeter in den Wilden Wald hinein vergrößern. Das Waldstück gehört der Stadt Hamburg, es wird vom Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) verwaltet. Das Interessante: Der LIG bietet es der Firma im Tausch gegen einen kleineren Zipfel ihres Betriebsgeländes an.
In der „Standortbezogenen Vorprüfung des Einzelfalls“ heißt es zur Begründung für das Vorhaben: „Vom Eigentümer [der Firma ,BM Bau‘] wird eine Erweiterung des Betriebsgeländes gewünscht, weil das Unternehmen stark gewachsen ist und dringend Lagerfläche für Baumaschinen und Baumaterialien benötigt.“ Einige Zeilen vorher, gleich zu Anfang, heißt es allerdings: „Der LIG möchte dem Eigentümer des benachbarten Flurstücks 7940 [,BM Bau‘, Betriebsgelände] diese Teilfläche zum Tausch gegen die westliche Spitze seines Grundstücks anbieten.“
Warum möchte der LIG das? Weil die westliche Spitze des Firmengeländes für das Bauvorhaben „Spreehafenviertel“ (B-Plan Wilhelmsburg 102) benötigt wird! In die Bebauungspläne für das „Spreehafenviertel“ ist der Flächentausch sogar schon eingezeichnet. Das „Spreehafenviertel“ ist jedoch noch nicht genehmigt. Das Bebauungsplan-Verfahren läuft noch. Insofern ist der Antrag unserer Ansicht nach nicht rechtmäßig.
Die Umweltverbände aus der AG Naturschutz kamen seinerzeit in ihrem mehrseitigen Gutachten zu dem Schluss: „Die Rodung der o. g. Teilfläche des Wilden Waldes in Wilhelmsburg ist konsequent abzulehnen. [ … ] Generell sind die Planungen im Bereich des Wilden Waldes ein hochumstrittenes Politikum. Insofern wird von uns auch eine Salamitaktik zur Beseitigung des Waldes strikt abgelehnt.“
Mit dieser Salamitaktik zur Flächenfreimachung für das „Spreehafenviertel“, indem man lauter kleine Teilstücke des Waldes unter fadenscheinigen Begründungen zu roden beginnt, darf die Stadt auf keinen Fall durchkommen! Wir werden uns dem entschieden entgegenstellen!


Sehr geehrter Jürgen!
Den von Ihnen unterstellten Widerspruch gibt es im vorliegenden Fall gar nicht! Natürlich haben wir zu wenig bezahlbaren Wohnraum, gebraucht werden auch Flächen für Firmen.
Aber, der WIWA ist nicht einfach eine Grünfläche wie viele andere!
Der Naturschutzrat, ein im Hamburgischen Naturschutzgesetz verankertes, ehrenamtliches Gremium von Sachverständigen, das jeweils für drei Jahre vom Senat auf Vorschlag der BUKEA ernannt wird, hat für den WIWA und andere Pionierwälder 2025 eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben. Ich will nur 5 Feststellungen hervorheben:
– Infolge ihrer natürlichen Entwicklung sind sie sehr gut an den Standort angepasst und bestehen aus einer klimaangepassten Pflanzengesellschaft. Solche Wälder sind in Hamburg selten geworden und werden kurz- bis mittelfristig in der wachsenden Stadt verschwinden, wenn ihre Bedeutung bei Entscheidungsträgern nicht deutlich hervorgehoben wird.
– Sie sind in einer Großstadt wie Hamburg ein seltener und wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Pilze u.a. Sie können infolge der stetigen und starken Nachverdichtung wichtige Ausweichhabitate bieten.
– Die Bestände sind nicht angepflanzt, jede Art, jedes Individuum, hat sich spontan z.B. über Saat in mehreren Ereignissen angesiedelt. Dadurch ist eine hohe innerartliche genetische Diversität gegeben – wodurch sich das Risiko eines Totalausfall des Bestands bei Schädlingsbefall oder Krankheiten verringert.
– Sie können sich den Folgen des Klimawandels besser anpassen, da sie extreme Witterungsabläufe mit Starkregen und Trockenphasen sowie erhöhte Temperaturen bereits als Jungpflanzen überstanden haben.
– Sie speichern Kohlenstoff und wirken so dem Klimawandel entgegen. Und sie mindern die Belastungen, die durch den Klimawandel mit steigenden Temperaturen, Dürren und Starkregenereignissen entstehen, in dem sie durch Verdunstung und Verschattung kühlen und Regenwasser im Boden halten und damit auch der Entlastung des Sielnetzes dienen.
Abschließend der Naturschutzrat:
„Am Beispiel des Bebauungsplans Wilhelmsburg 102 mit der Rodung eines 8 Hektar großen Waldes wird deutlich, dass die Dringlichkeit der Resilienz noch immer nicht erkannt wird und der Hamburger Senat damit seine umweltpolitischen Ziele konterkariert. … In Zeiten von Klimawandel und Biodiversitätsschwund fordert der Naturschutzrat Hamburg daher, „Wilde Wälder“ und wilde waldähnliche Strukturen in Hamburg zu identifizieren und auf Dauer zu erhalten.“
Ein Nein löst keine Probleme.
Leider haben wir in Hamburg mehrere Probleme, für die Lösungen gesucht werden.
Wir haben viele Grünflächen, in denen sich die Bevölkerung erholen kann, die aber auch Begehrlichkeiten wecken.
– Wir haben zu wenig bezahlbaren Wohnraum und viele Sozialwohnungen fallen aus der sozialen Bindung.
– Wir brauchen Flächen für Firmenansiedlungen und -erweiterungen, um Arbeitsplätze zu erhalten und neu zu schaffen.
Jetzt bringt es leider wenig, nur zu sagen: Nein, bei uns nicht. Denn wenn nicht hier, wo dann? Man sollte sich also zusammensetzen und mal konstruktiv zusammenarbeiten. Vielleicht findet sich dann ja doch eine geeignete Fläche oder Lösung. Eine Blockadehaltung bringt meist nichts, denn dann wird nach juristischen Erwägungen entschieden. Notfalls über die Protestierenden hinweg. Die Suche nach Kompromissen fällt dann erfahrungsgemäß aus.
Also vielleicht mal ein Miteinander wagen, statt ständig auf Dissens zu gehen. Konstruktives Mitreden ist immer besser als sich gegenseitig zu Blockieren.
Sehr geehrter Jürgen,
„Wir brauchen Flächen für Firmenansiedlungen und -erweiterungen, um Arbeitsplätze zu erhalten und neu zu schaffen“, schreiben Sie.
Wissen Sie überhaupt, worum es geht?
Ich erklär’s Ihnen: Die Firma BM Bau hätte sich gern auf einen Flächentausch mit dem städtischen Betrieb für Immobilien- und Grundstücksmanagement eingelassen: Ein Stückchen von ihrem Gelände auf der einen Seite gegen ein etwas größeres Stück aus städtischem Besitz auf der anderen Seite der Werkshalle. Das sollte entbaumt und versiegelt werden – zur Lagerung von Baumaterialien und Baufahrzeugen.
Wie dadurch Arbeitsplätze entstehen sollen, ist mir schleierhaft.
Sie schreiben: „Eine Blockadehaltung bringt meist nichts, denn dann wird nach juristischen Erwägungen entschieden.“ Ja, zum Glück!
Noch leben wir in einem Rechtsstaat und es existiert das Verbandsklagerecht (an dem die Bundesregierung gerade mächtig herumsäbelt). Mit seiner Hilfe erzielen die Umweltverbände immer wieder gute Erfolge für den Natur- und Klimaschutz – denn vor Gericht wird in der Tat zumeist nach rein juristischen Erwägungen entschieden.
So hat es nun auch das Verwaltungsgericht getan und die Rodung der 800 Quadratmeter des Wilden Waldes bis auf weiteres untersagt, weil die Bau-/Fällgenehmigung nicht rechtens ist.
Aus dem Quell Ihrer Weisheit dürfen wir zuletzt noch erfahren: „Die Suche nach Kompromissen fällt dann erfahrungsgemäß aus.“
Na, das erklären Sie mir dann mal, wie ein Kompromiss zwischen Wald oder kein Wald aussehen soll. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit ein bisschen Wald! Ein bisschen Wald gibt es nicht.