Nach der endgültigen Sperrung der Freihafenelbbrücke wird es auf der daneben verlaufenden Neuen Elbbrücke noch enger

Schlechte Nachricht für Hafenspeditionen und alle Pendler*innen, die täglich nach und aus Hamburg die Elbe überqueren müssen. Die Freihafenelbbrücke, die seit einer Schiffshavarie im Oktober gesperrt ist, ist irreparabel beschädigt und soll teilweise abgerissen werden. Sie steht als Alternative zur daneben verlaufenden Neuen Elbbrücke, die auch noch monatelang eine Baustelle sein wird, nicht mehr zur Verfügung.
In der vergangenen Woche teilte die Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation (BWAI) mit, dass der Zustand der Brücke nach der Havarie deutlich schlechter sei, als man ursprünglich angenommen habe. Nach eingehenden Prüfungen habe sich gezeigt, dass tragende Bauteile so stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind, dass die Statik der Brücke nicht mehr sicher sei und sogar Einsturzgefahr bestehe.
Die Havarie
Ende Oktober hatte der Kapitän eines mit Containern beladenen Binnenschiffs die Höhe seiner Ladung unterschätzt und die Brücke beim Unterqueren gerammt. Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen 10 Jahren, dass Binnenschiffe mit überhoher Ladung Brücken auf Süder- und Norderelbe schwer beschädigt haben (WIR 2/15). Erst vor vier Jahren war das Baggerschiff „Lemsterland“ bei Hochwasser unter der Freihafenelbbrücke stecken geblieben und hatte Träger und Leitungen beschädigt. Die Brücke war vier Monate gesperrt. Eine automatische Höhenkontrolle wie etwa am A7-Ebtunnel gibt es bei den Brücken nicht.
Die Brücke hätte in den nächsten Jahren ersetzt werden sollen

Die 100 Jahre alte Freihafenelbbrücke war schon seit längerem nicht mehr voll belastbar und seit Sommer 2024 nur noch für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen freigegeben. Sie sollte in den nächsten Jahren planmäßig durch eine neue Brücke ersetzt werden. Durch die Havarie im Oktober ist eine neue Situation entstanden. Besonders der Mittelteil der Brücke ist nach Angaben der BWAI so schwer beschädigt, dass Einsturzgefahr besteht. Er soll noch im Laufe dieses Jahres „zurückgebaut“ – werden.
Man kann das Nadelöhr nicht „weiträumig umfahren“
Die Vertreter*innen der Hafenwirtschaft sind wegen der deutlich verlängerten An- und Abfahrtszeiten zu und von ihren Betrieben alarmiert. Für die auswärtigen Pendler*innen und die Hamburger*innen, die täglich mit dem Auto die Elbe queren müssen, verlängern sich die Staus vor der Neuen Elbbrücke. Hier ist ein Ende der im Mai 2025 begonnenen Sanierungsarbeiten nicht in Sicht. Die Brücke bleibt bis auf weiteres ein Nadelöhr mit abenteuerlich verschränkten Fahrspuren.
Das berühmte „weiträumige Umfahren“, um dem täglichen kilometerlangen Stop an Go auf der A 255 und der B75 zu entgehen, bietet sich auch nicht an. Westliches Umfahren durch den A7-Tunnel ist bekanntlich auf keinen Fall eine Empfehlung. Östlich ginge es über die Norderelbbrücke, aber sie ist auch marode mit Tempobegrenzungen und verengten Fahrspuren und wird ab Frühjahr ebenfalls zur Baustelle. Die nächste Möglichkeit der östlichen Umfahrung wäre dann die Zollenspieker Fähre.
Die nächsten Schritte
Die Wirtschaftsbehörde hat angekündigt, bis Ende Februar bekannt zu geben, wie es weitergehen soll. Als Option werde die Möglichkeit geprüft, eine provisorische Behelfsbrücke als vorläufigen Ersatz zu errichten. Der Verein der Hafenspediteure forderte den Senat nach Pressemeldungen dazu auf, das neue Genehmigungsbeschleunigungsgesetz anzuwenden und das Genehmigungsverfahren für den Bau einer solchen Brücke „deutlich zu verkürzen“.

