Der Wilhelmsburger InselRundblick trauert um Axel Trappe

Axel Trappe, Mitbegründer und langjähriger Redakteur des Wilhelmsburger Inselrundblicks ist im Alter von 82 Jahren gestorben

Axel Trappe (1944 – 2025). Foto: privat

Axel war kein gebürtiger Wilhelmsburger, er wohnte auch nicht hier. Aber er war als Leiter des jungen Bürgerhauses seit 1987 auf den Elbinseln der „richtige Mann zur richtigen Zeit“. Wenn er auch nicht hier wohnte, so war ihm Wilhelmsburg wichtig. So weihten er und seine Frau Inga 1997 das neue Trauzimmer (die Bauernstube) im Museum Elbinsel Wilhelmsburg gemeinsam mit Ulla und Peter Falke mit einer Doppelhochzeit am 2. Oktober 1997 ein.

Die Hamburger Politik hatte Wilhelmsburg nach der Flutkatastrophe 1962 als Wohngebiet lange abgeschrieben. Widerstand dagegen hatte es auch schon vorher gegeben. In den 90ern erfuhr der Widerstand neuen Auftrieb. Die Dioxinfunde in Georgswerder, die geplante Müllverbrennungsanlage in Neuhof und der Titel „Bronx“ brachte die Wilhelmsburger*innen auf die Straße. Es bildete sich als Zusammenschluss mehrerer Initiativen das „FORUM Wilhelmsburg“, dessen Stimme im Hamburger Senat nicht zu überhören war. An allen diesen Aktivitäten war Axel Trappe maßgeblich beteiligt.

Nicht zuletzt an der Gründung der Stadtteilzeitung „Wilhelmsburger Inselrundblick“. Auf einer Tagung des Club of Rome zum Thema „Nachhaltige Stadtentwicklung“ 1997 hielt Axel ein Referat zu den „Erfahrungen einer Bürgerinitiative in einem sozialen Brennpunkt“ (abgedruckt in „Eine starke Insel mitten in der Stadt“. Hrsg. Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg e. V.). Dort beschrieb er die „Geburt“ des WIR so:
„Aus einer spontanen Idee entstand im Herbst 1994, also mitten im eben geschilderten Ablauf, eine Stadtteilzeitung: der ,Wilhelmsburger InselRundblick‘. Ihr Grundgedanke: Es muss doch möglich sein, für die Menschen in Wilhelmsburg eine Zeitung herauszugeben, die sie selbst eigenverantwortlich mitgestalten können. Innerhalb weniger Wochen wurde ein Konzept entwickelt und ebenso schnell umgesetzt – und aus anfänglich angedachten acht Seiten Umfang und 2.000 Exemplaren Auflage sind jetzt 16 bis 24 Seiten Umfang und 6.500 Exemplare Auflage geworden, redaktionell gestaltet aus Beiträgen aller möglichen Einrichtungen, Einzelpersonen und Organisationen – aufgearbeitet und ergänzt durch Beiträge einer Redaktionsgruppe …“

Axels politisches Engagement im Stadtteil, das nach seiner Auffassung zu den Aufgaben des Bürgerhauschefs dazugehörte, gefiel nicht allen. Neben dem „Forum-Blatt WIR “, das er, wie behauptet wurde, „während seiner Arbeitszeit“ herstelle, war vor allem auch sein Engagement in der Initiative „Dem Hass keine Chance“, die sich schon 1993 gegen Ausländerfeindlichkeit auf Wilhelmsburg gegründet hatte, dem „rechten Lager“ ein Dorn im Auge. Einigen galt er als „Strippenzieher der linken Szene in Wilhelmsburg“.

Als Geschäftsführer des Bürgerhauses ging Axel 2006 in Pension. Den WIR hat er bis 2016 mitgestaltet und weiterentwickelt, darunter lange Jahre als Chefredakteur.

In der Jubiläumsausgabe zum fünfjährigen Bestehen schrieb Axel darüber, wie sich der WIR von der acht Seiten starken, auf dem Kopierer hergestellten Nullnummer zur monatlichen Ausgabe mit 24 Seiten und einer Auflage von 7.000 Exemplaren entwickelt hatte. Und wie sich der WIR unter seinem Motto „von Vielen für Alle“ von seinen Anfängen als Organ des Forums emanzipiert und zu einer „richtigen“ Stadtteilzeitung und wichtigen Stimme auf den Elbinseln entwickelt hatte.

Nach dem Tod der langjährigen Herausgeberin der 1981 eingestellten „Wilhelmsburger Zeitung“, Gertrud von Thaden, gestorben 1998, durfte der WIR auf Initiative von WIR -Redakteurin Ulla Falke die Rechte an dem Titel des Traditionsblattes übernehmen. Nach dem Tod von Ulla beantragte Axel Trappe die Rechte und so trägt der WIR bis heute den Zusatz „Wilhelmsburger Zeitung“ im Titelkopf.

Als wahrer Zeitungsmensch hat Axel alles gemacht: er war Autor, Organisator, und Layouter. Und manchmal hat er sich unter dem Pseudonym Eritas Tchisrov auch eine satirische Glosse gegönnt: So über die „sächsischen und ostpreußischen“ Kolleg*innen unseres Providers, die uns nach unserem Umzug in die Honigfabrik monatelang mit dem neuen Anschluss hingehalten hatten – unter anderem weil es in der Hofa keine Raumnummern gibt.

Bei den 24 Seiten und der 7.000er Auflage ist es dann geblieben, bis der WIR 2021 von der Print- zur Onlinezeitung wurde. Den Umstieg hat Axel nur noch aus der Ferne miterlebt. 2016 ging er in den verdienten Zeitungsruhestand.

Wir erinnern uns an Axel als Freund und Begleiter in der wechselvollen Geschichte unserer ehrenamtlichen Stadtteilzeitung, dem Wilhelmsburger InselRundblick

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