Das Kriegerdenkmal – Kunst als DenkAnstoß

Das Kriegerdenkmal an der Emmauskirche wird zur Zeit in einem Holzverschlag „versteckt“. Nun soll es wieder enthüllt werden. Die Wilhelmsburger DenkMal-Gruppe lobt einen künstlerischen Wettbewerb aus zur kritischen Kommentierung des Kriegerdenkmals

Wen stört das? Das kann doch so bleiben! Weg damit! Denkmal stürzen! Versenken!
Verrücken! Im Kirchenkeller verstecken! Zerschreddern! Verwandeln!

Der Kirchenplatz an der Mannesallee: Ein paar Passanten in Eile, alte Leute auf der Bank ins Gespräch vertieft. Am Rand des neuen Spielplatzes auf dem Kirchengrundstück steht ein Stein: ein fast vergessenes Kriegerdenkmal. Seit 2018 wird es in einem Holzverschlag ‚versteckt‘ – auf Anraten des Denkmalschutzamtes. Einerseits zum Schutz, aber auch weil es seine Botschaft nicht unwidersprochen in der Öffentlichkeit behaupten soll.

Doch nun soll es wieder enthüllt werden. Die DenkMal-Gruppe, die sich seit 2018 intensiv mit der Geschichte und Brisanz des 1932 eingeweihten Denkmals beschäftigt, lobt einen künstlerischen Wettbewerb aus zur kritischen Kommentierung des Kriegerdenkmals.

Verwandlung durch Kunst?

Ja! Der Kunstwettbewerb ist die Herausforderung darüber nachzudenken, wie aktuelle Kriegserfahrungen, Erfahrungen verschiedener Generationen mit Verfolgung, Rassismus und Nationalismus in die Auseinandersetzung mit der Geschichte einbezogen werden können. Und er soll zeigen, dass dieses Nachdenken im öffentlichen Raum zeitgemäß gestaltet sein kann.
Wie kann man dieses Kriegerdenkmal mit seiner nationalistischen und militaristischen Botschaft mit dem heutigen kritischen Blick künstlerisch „verwandeln“?
Ab sofort werden Ideen gesucht zur kritischen Kommentierung dieses Kriegerdenkmals.
Noch 2022 soll der beste Entwurf umgesetzt werden.

Was ist so skandalös an dem Stein, und warum kann nicht alles bleiben, wie es ist?

Drei aufgestellte Gewehre dominieren den Gedenkstein, eingerahmt von Totenkreuzen, über die Stahlhelme gestülpt sind. Darunter sieht man eine abgebrochene Eiche, die neue Zweige austreibt als Symbol ‚für ein wiedererstarkendes deutsches Volk‘. Über diesem Motiv sind die Daten 1914 – 1918 eingemeißelt, ganz unten ist folgender Spruch zu lesen:
‚Den für Volk und Vaterland Gefallenen zur Ehre und im Glauben an die deutsche Zukunft‘.

Die Machtergreifung der Nazis im März 1933 und die folgende Gleichschaltung sollte zeigen, worum es bei dem Denkmal wirklich ging: Um Nationalismus, Militarismus und Verherrlichung des Krieges. Und die auf dem Stein beschworene deutsche Zukunft war Adolf Hitler, der vier Monate nach der Eröffnung des Denkmals die Macht ergriff. Im Zweiten Weltkrieg starben weltweit 55 Millionen Menschen.

Wann ist es soweit?

Der Kirchengemeinderat hat im Februar 2019 den Beschluss gefasst, sich „seiner Verantwortung für Kirche und Gesellschaft“ zu stellen. Die Finanzierung für einen Wettbewerb zur künstlerischen und kritischen Intervention am Kriegerdenkmal ist jetzt gesichert. Die Ausschreibung ist im Januar gestartet. Sie richtet sich an Künstler*innen aus ganz Hamburg, darüber hinaus wurden zuerst Wilhelmsburger Künstler*innen/ Gruppen angesprochen, sich mit Ideenskizzen zu beteiligen. Finanzielle Unterstützung zu diesem Projekt kam aus der Behörde für Kultur und Medien und von der privaten Liebelt-Stiftung.

Die DenkMal-Gruppe übernimmt die „Regie“, unterstützt von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg, die den gesamten Prozess gemeinsam mit der Ev. Reiherstieg-Kirchengemeinde angestoßen hat. Im Juni entscheidet eine paritätisch besetzte Jury, welcher Entwurf realisiert wird. Prämiert werden die drei besten Ideen, die – wenn alles klappt – auf dem Reiherstiegfest im September öffentlich präsentiert werden.

Videobeitrag im TIDE-TV: https://www.youtube.com/embed/K3z4JLAxhi4

Fragen zum künstlerischen Wettbewerb/ Kontakt zur DenkMal-Gruppe: menk.o@honigfabrik.de

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