Neubau der Köhlbrandbrücke vorgestellt 

Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard lud am Ostermontag zur Pressekonferenz ein, um die Pläne für eine neue Brücke über den Köhlbrand vorzustellen. Dabei stellte sie die Vorteile einer neuen, fünf Milliarden Euro teuren Brücke eindeutig in den Vordergrund. Aber es gibt auch kritische Stimmen

Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard (rechts) stellte die Pläne zur neuen Köhlbrandquerung am Ostermontag vor. Foto: C. Meyer

Eigentlich sollte vor Ostern schon alles geklärt und vorgestellt werden, doch es kam anders. Im Dockland präsentierte am Ostermontag Melanie Leonhard (SPD) in ihrer Funktion als Wirtschaftssenatorin, ihre Pläne für eine neue Köhlbrandbrücke. Dabei unterstrich sie vor allem die Kostenersparnis und die geringere Umweltbelastung gegenüber der vorher favorisierten Tunnellösung. Die gebürtige Wilhelmsburgerin hatte es offenbar eilig, ihre Pläne für eine neue Köhlbrandquerung zu präsentieren. Der jahrelang vom Senat geplante Tunnelbau würde die betroffenen Gewässer stärker belasten und auch der CO2-Ausstoß wäre doppelt so hoch wie beim Bau einer Brücke.

Die Kosten

Die hohen Kosten, geschätzte 4,4 – 5,3 Milliarden Euro, sollen zur Hälfte vom Bund bezahlt werden. Dabei verlässt sich der Hamburger Senat auf Zusagen des Bundesverkehrsministeriums. Dieses soll sich an den Kosten des Neubaus zur Hälfte beteiligen, weil die Köhlbrandquerung eine Bundesstraße ist. Da mit einer Bauphase bis 2040 gerechnet wird, ist dies aber eher eine optimistische Annahme, als eine feste Zusage, auf die man sich auch bei zukünftigen Verkehrsministerien verlassen könnte. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts hat der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Oliver Luksic (FDP), in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses des Bundestages darauf verwiesen, dass eine Entscheidung über die Kofinanzierung erst nach Vorlage der notwendigen Planungsunterlagen erfolgen werde. Hinzu kommen ja noch die Kosten für den Bau des anderen umstrittenen Neubaus der Autobahn A26 Ost, für die Stadt und den Bund.

Bauzeit

Geplant ist eine 73 Meter hohe Brücke, also 20 Meter höher als ihre Vorgängerin, mit vier Fahrspuren. Da sich die Planung der Brücke noch am Anfang befindet, der Senat hatte sich ja vorher auf einen Tunnelbau festgelegt, ist noch Vorlaufzeit nötig bis zum Beginn der Bauphase. Das bedeutet, die marode alte Köhlbrandbrücke, deren Verfallsdatum bisher mit 2030 angegeben wurde, muss noch mindestens zehn Jahre länger halten. Der Zustand der „digital bestüberwachten Straße Deutschlands“ wird mit Sensoren ständig geprüft. Das ist ein sehr hoher Aufwand, der beim verlängerten Weiterbetrieb der Brücke noch höher wird. Die große Anzahl an LKWs aus dem Hamburger Hafen und zusätzlich der enorme Individualverkehr haben der Brücke stark zugesetzt und ihr nachweislich geschadet. Die reine Bauzeit der neuen Brücke wird vom Senat auf zehn Jahre geschätzt, mit Fertigstellung um das Jahr 2040. Ein Pluspunkt ist, dass das Stadtbild mit einer Brücke erhalten bleibt, wenn man sich gegen eine Tunnellösung entscheidet.

Visualisierung der neuen Köhlbrandbrücke. Abb.: © Gärtner u. Christ GbR

Die neue Brücke soll eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren haben, dies wird auch durch ein modernes digitales Überwachungssystem möglich.

Kritik an den Plänen

Kritische Stimmen gab es unter anderem auch vom NABU und BUND: „Statt weitsichtiger Infrastrukturplanung folgen die aktuellen Brückenplanungen eher dem Prinzip ‚Nach mir die Sintflut‘. Denn die Kosten werden in der Gesamtschau aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso deutlich höher ausfallen wie die Klimabilanz schlechter“.

Eine ganz andere Art der Kritik kommt aus der Wirtschaft, der die Entscheidung zum Neubau nicht schnell genug kommt und die die bisher „vergeudete Zeit“ kritisiert.

So kann man sagen: Trotz der Kritik, die so eine große Infrastrukturentscheidung immer mit sich bringt, steht die Entscheidung für den Brückenbau. Auf jeden Fall drückt der Senat jetzt aufs Tempo bei einer so wichtigen Entscheidung für die Zukunft des Hamburger Hafens und somit einem wichtigen Bestandteil des Wirtschaftsstandorts Hamburg. Der von Leonhard betitelte „Jahrhundertbau“ wird auf jeden Fall noch die nächsten Jahrzehnte die Stadt bewegen.

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