„Pepper“ und „Kimme & Popkorn“

Nils Mohl stellte seinen Roman „Pepper“ in der Buchhandlung Lüdemann vor

Die Lesung

Kleine schwarze Figur des Mädchens Pepper im Profil mit rotem Buch in der Hand. an die Wand gesorayt
Pepper an der Mauer neben dem Eingang der Buchhandlung Lüdemann. Foto: H. Kahle

In einer ausgebuchten Lesung mit Musik stellte Nils Mohr am 21. März 2026 in der Buchhandlung Lüdemann seinen gerade erschienenen Roman „Pepper“ vor. Das passte gut, denn Wilhelmsburg ist ein Schauplatz in der Geschichte und die Buchhandlung Lüdemann wird sogar zweimal erwähnt.

Nils Mohl ist ein mehrfach ausgezeichneter Jugendbuchautor. Er ist auch ein guter Performer. Er las Kapitel aus dem Buch im Wechsel mit der auf dem Screen „zugeschalteten“ Schauspielerin Isabell Will. Er ließ die Besucher*innen nach einer Stichwortliste darüber abstimmen, welchen Abschnitt sie hören wollten, und machte ein Quizz zu Namen kaum bekannter Bands. Denn eine kaum bekannte Band – Kimme & Popkorn – spielt in dem Roman eine wichtige Rolle. Nils Mohr veröffentlicht in der Geschichte mehrere Songs dieser „Band“, die einzelnen Kapiteln als Motto voranstehen, und am Ende sogar Playlists und verschiedene Plattencover. Auf der Lesung sang der Musiker Simon Rösel zwischen den Leseabschnitten „Kimme & Popkorn“-Songs zur Gitarre.

Die Geschichte

Buchcover mit großer Pepperfigur auf der linken Seite

Die 17jährige Pepper hat eigentlich ein schönes Leben. Sie wohnt mit ihrer alleinerziehenden Mutter, einer Grünen-Politikerin, in der Hamburger Hafencity, ist klug, hat im Gymnasium eine Klasse übersprungen und mit 17 Abitur gemacht. Sie jobbt zwischenzeitlich in der edleren Seniorenresidenz Augustinum – im Buch ADE-ADE genannt, und soll demnächst ein Praktikum bei der UNESCO in Paris machen. Sie ist allerdings, wie sie sagt, „anders“, hat bis auf den zwei Jahre älteren August keine Freunde. Außerdem vermisst Pepper, seit sie klein war, ihren Vater. Er sei eine flüchtige Affäre gewesen, sagt ihr ihre Mutter, aber seinen Namen will sie ihr nicht verraten. In einem Notizbuch sammelt Pepper alle Fragen, die sie ihm stellen möchte: „Wie würde es wohl klingen, wenn du meinen Namen sprichst?“, schreibt sie, „Was war dein schönstes Jahr? Rasierst du dich nass oder trocken?“

Die Suche nach dem Vater steht im Zentrum ihres jungen Lebens. Sie ist das eigentliche Thema des Buches. Nils Mohl schreibt im Nachwort, dass sich die Geschichte in der Zeit des Trauerns um den Tod seines eigenen Vaters „zusammengefügt“ habe. In einem schwachen Moment sagt Pepper zu August: „Du hältst mich für eine unterkühlte Spießerin mit Vatertick. Stimmt´s?“

Peppers Zeit vom zehnten bis siebzehnten Lebensjahr wird im zweiten Kapitel auf zwei Seiten „schnipp, schnipp schnipp“ zusammengefasst. Irgendwann verrät ihr ihre Mutter dann doch den Namen des Vaters: Uli Kimme. Und Pepper findet heraus, dass er Sänger der früher einmal bekannten Rockband „Kimme & Popkorn“ war, und jetzt noch mit seinen alten Bandkollegen in einer WG in Wilhelmsburg wohnt, in der, wie der Zufall es will, ein Nachmieter für ein leeres Zimmer gesucht wird. Pepper zieht inkognito in die WG ein.

Die Handlung nimmt dann einen traurigen Verlauf und Pepper gerät immer wieder in schwierige Situationen, in denen sie manchmal den Mut verliert. Aber Nils Mohr bevölkert die Geschichte mit originellen, teils schrägen Charakteren: Drei Alte aus der Seniorenresidenz, die Pepper mehrere Male zur Seite stehen, die Altrocker aus der Wilhelmsburger WG, die Musikjournalistin Tissy mit den rosa Haaren und der dandyhafte, arrogante Uli Kimme. Es gibt viele Szenen, die man sich lebhaft vorstellen kann, mit witzigen Dialogen – nicht nur Pepper ist sehr schlagfertig. Es gibt Beziehungsgeschichten und spätestens gegen Ende des Buches bei der Szene eines großen Überraschungskonzerts, bei dem alle Beteiligten zusammenkommen – von Pepper selbst als hart an der Kitschgrenze bezeichnet – wird klar: „Pepper“ ist ein gutes, trauriges, witziges und spannendes Buch. Aber es sollte unbedingt auch verfilmt werden.

Zum Schluss der Lesung stellte Nils Mohr noch den Graffiti-Künstler Brozilla vor, auf dessen Vorlage das Buchcover zurückgeht. Er hatte am Tag zuvor eine kleine Pepper draußen an die Wand der Buchhandlung gesprayt.

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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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