Der Protest gegen die Schließung des Krankenhauses Groß-Sand lief bisher ins Leere. Aber es sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft

Der engagierte Kampf vieler Wilhelmsburger*innen für den Erhalt des Krankenhauses Groß-Sand hat bisher keinen Erfolg gehabt. Der öffentliche Protest, Plakataktionen, alle guten Argumente auf Anhörungen, sind am Erzbistum abgeprallt. In der „Groß-Sand bleibt“- Initiative wurde die Vermutung geäußert, das Erzbistum spiele auf Zeit, um das Grundstück dann lukrativ für den Bau von Wohnungen zu verhökern – „Bischof-Heße-Real-Estate“. Und die Sozialbehörde verfolgt weiter den Plan einer Stadtteilklinik als Nicht-Krankenhaus (WIR 21.1.26).
Aller Protest war also ergebnislos. Ein Ereignis in der vergangenen Woche eröffnet nun vielleicht eine Möglichkeit auf Social Media, die bisher noch nicht in Betracht gezogen wurde: ein Shitsorm: Nach Wiki „eine Online-Kritik, die geeignet ist, rasante Empörung zu verbreiten, die zu Reputationsschäden führen und zur Notwendigkeit eines besonnenen Krisenmanagements führen kann“.
Der Kormoran
Am vergangenen Wochenende ging ein rührendes Foto mit der dazugehörigen Geschichte durch die Medien: In Bremen erschien ein Kormoran vor der Notaufnahme des Klinikums Links der Weser und klopfte dort an die Scheibe. Der Vogel war verletzt, ein Angelhaken hatte sich in seinem Schnabel verfangen. Das medizinische Personal ließ den Kormoran herein, entfernte den Angelhaken, versorgte die Wunde und entließ ihn nach erfolgreicher Behandlung wieder in die Freiheit.

Visualisierung: H. Kahle
Angenommen, ein Kormoran mit einem Angelhaken im Schnabel würde vor der geschlossenen Notaufnahme von Groß-Sand erscheinen und dort vergeblich anklopfen. Und ein Foto davon ginge viral – vielleicht mit der Bildunterschrift „Herzloser Erzbischof lässt verletzten Vogel verenden“. Das könnte doch vielleicht einen Shitstorm auslösen mit den oben genannten Folgen und das Bistum zu einem „besonnenen Krisenmanagement“ veranlassen. Wenn das Schicksal der Menschen in Wilhelmsburg Herrn Heße auch kalt lässt – Tiere gehen immer.

