Die Sozialbehörde verschließt sich bisher allen Forderungen aus Wilhelmsburg, einen vollwertigen Ersatz für das Krankenhaus Groß-Sand zu schaffen

Über die Demonstration gegen die Schließung des Krankenhauses im Juli vergangenen Jahres und die Protestversammlungen und Ausschussbesuche in den Folgemonaten hat der WIR regelmäßig berichtet (u. a. WIR 17.9.25; WIR 2.10.25).
Inzwischen hat die sichtbare Empörung auf den Elbinseln nachgelassen. Die Initiative „Groß-Sand bleibt“ ist aber nach wie vor aktiv und kämpft für den Erhalt des Standortes. Auf einem Treffen der Initiative am 10. Dezember 2025 wurde über den Stand der behördlichen Planung und über das letzte Gespräch mit Vertretern der Sozialbehörde berichtet.
Basismedizinische Versorgung
Bei diesem Gespräch Anfang Dezember mit Staatsrat Tim Angerer von der Sozialbehörde und dem Amtsleiter Gesundheit Marco Kellerhof wurde das Konzept der Stadt für den Standort Groß-Sand konkretisiert. Es wurde unter anderem bekräftigt, dass für Wilhelmsburg keine Notaufnahme und kein vollwertiges Krankenhaus vorgesehen sei. Vielmehr werde eine Stadtteilklinik, also eine ambulante basismedizinische und sektorübergreifende Versorgung mit Chirurgie angestrebt, mit sozialer Beratung und „Flying Nurses“, mobilen Pflegefachkräften, die vor Ort im häuslichen Umfeld der Patient*innen eine medizinische Begutachtung vornehmen.
Marodes Gebäude

Eine Begehung des Krankenhauses habe gezeigt, dass das Gebäude sehr marode sei, sodass als Plan B erwogen werde, die Liegenschaft gar nicht zu übernehmen. Details wollten die Behördenvertreter aber nicht nennen. Allerdings seien auch die Verhandlungen mit dem Erzbistum extrem schwierig. Das Bistum verlange einen sehr hohen Kaufpreis und stelle Bedingungen. Die Initiativenvertreter*innen äußerten die Vermutung, das Erzbistum pokere darauf, dass der Bebauungsplan verändert wird und auf dem Gelände von Groß-Sand Wohnungen gebaut werden könnten.
Marienkrankenhaus nicht geeignet
Von den Problemen mit dem Erzbistum abgesehen, ist offenbar auch unklar, was aus der im Krankenhaus noch verbliebenen Geriatrie und der neurologischen Früh-Reha nach der endgültigen Schließung von Groß-Sand werden soll. Nach den ursprünglichen Plänen sollten diese Abteilungen 2026 in das Marienkrankenhaus in Hohenfelde verlagert werden. Nun zeigt sich, dass die dortigen Gebäude dafür nicht geeignet sind.
Statt Bürger*innenbeteiligung – Zum Zuhören verdammt!
In einer aktuellen Stellungnahme des Vereins Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg wird zum wiederholten Mal die Wiedereinrichtung eines vollwertigen Krankenhauses mit notfallmedizinischen, chirurgischen und stationären Angeboten auf Wilhelmsburg gefordert.
Die Aussichten dafür sind schlecht: Der Staatsrat konkretisierte in dem Gespräch die von Senatorin Schlotzhauer im Juli angekündigte Bürger*innenbeteiligung, die keine „Pseudobeteiligung“ sein sollte: Es werde bei der Planung kein Mitspracherecht der Bevölkerung geben, sondern lediglich eine Mitbeteiligung in Sinne von Zuhören.
Die Statistik und der Klinikalltag
In allen Diskussionen mit der Sozialbehörde im letzten Halbjahr zeigte sich, dass die Behördenvertreter*innen sich ausschließlich auf die Mittelwerte der Statistik berufen und auf die Schilderungen aus dem Klinikalltag über die teils dramatischen Verschlechterungen seit der Schließung von Groß-Sand im Juli nicht eingehen.

Die Verschlechterungen betreffen nicht nur Wilhelmsburg sondern ebenso Harburg, wo das Asklepios Klinikum Harburg (AKH) als nunmehr einzige medizinische Notaufnahme für 250.000 Menschen südlich der Elbe seit der Schließung von Groß-Sand 13 Prozent mehr Fälle aufnehmen muss. Das zweite Harburger Krankenhaus Mariahilf nimmt seit 2017 nur pädiatrische und gynäkologische Notfälle auf. Auf einer Sitzung des Sozialausschusses der Harburger Bezirksversammlung berichteten Bezirksabgeordnete und Mediziner*innen, dass das AKH schon vorher überlastet gewesen sei. Patient*innen hätten in der Notaufnahme nicht selten bis zu sechs Stunden warten müssen. Immer wieder hätte die Klinik ihre Notaufnahme „abmelden“, d. h. für Rettungswagenfahrten sperren müssen. 2025 habe es statt 40.000 Patient*innen im Jahr davor 46.000 Patient*innen in der Notaufnahme gegeben.
Amtsleiter Marco Kellerhof (s. o.) bestätigte die Zahlen, meinte aber zum Erstaunen der Anwesenden,, die Notaufnahme des AKH sei für bis zu 55.000 Patient*innen ausgelegt. Außerdem seien Abmeldungen in allen Hamburger Krankenhäusern normal. Da sei das AKH keine Ausnahme.
Nur ist im nördlichen „Hamburg“ das nächste Krankenhaus gleich um die Ecke. In Harburg ist die nächste Notaufnahme auf der anderen Seite vom Elbbrücken-Stau oder in Buxtehude oder Winsen.


Eine Kleingarten-Nachbarin, Kleingartenverein Hövelhof e. V. in Niedergeorgswerder, wurde von einer Hornisse gestochen und wurde kurz vor Bewusstlosigkeit ins Marienkrankenhaus gebracht: Es gibt keine Garantie, dass solche Notfälle immer „glimpflich“ verlaufen!
Nun heißt es, das Gebäude ist marode. Hatte die Stadt nicht Sanierungsmittel zugesagt die dann nicht abgefordert wurden? Die Katholische Kirche bzw. das Bistum verhält sich wie die übelsten Miethaie und Vermieter in Hamburg. Das Gebäude / die Einrichtung wird vernachlässigt, nicht saniert und dann wird das Bistum auch noch damit belohnt, dass es aus der Versorgung aussteigt. Dann muss man nur noch auf die Abrissgenehmigung warten und schon kann man auf dem Wohnungsmarkt spekulieren was das Zeug hergibt. Eine Nutzungsänderung für die Fläche darf nie von der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte , die sind für die Aufstellung von B-Plänen zuständig, positiv beschieden werden. Sollte die BV zustimmen, würde sie sich zum Verbündeten von Spekulanten machen und gegen die Interessen der Bevölkerung – ihrer Wähler*innen – handeln.
Hallo,
meine Tante (88 Jahre alt) war im Oktober mehrfach in der Notaufnahme des AKH. Bis zu 6 Stunden hat sie dort verbracht. Die Notaufnahme war so voll, dass man ihre Tochter nicht zu ihr gelassen hat. Die Tochter ist dann nach Hause gefahren. Gegen 22:00 Uhr wurde meine Tante dann nach Hause geschickt. Man wollte ihr ein Taxi rufen. Meine Tante hat eine halbe Stunde gewartet, dann hat sie ihre Tochter angerufen. Diese ist dann aus Schnelsen losgefahren um ihre Mutter wieder nach Hause (Wilhelmsburg) zu bringen.
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Plastwich
Unfassbar solche Situationen!