Elbtower – privatisierte Gewinne, soziale Verluste

„Stadtpolitik nach dem Prinzip: erst Investoren, dann alle anderen“: Veranstaltung der Linken zum aktuellen Stand beim Weiterbau des Elbtowers

Ende Oktober gab der Senat bekannt, dass er sich entgegen seiner vorausgegangenen Beteuerungen doch am Weiterbau des Elbtowers beteiligen wolle. Vorangegangen war eine zwei Jahre dauernde vergebliche Suche des Investors Dieter Becken nach Mieter*innen für das Gebäude. Der Immobilienunternehmer Becken ist nach der Benko-Pleite der exklusive Verhandlungspartner des Insolvenzverwalters Torsten Martini.

Für 595 Millionen Euro will die Stadt 12 Stockwerke, knapp die Hälfte des Gebäudes, für die Einrichtung eines Naturkundemuseums kaufen. Aus Kostengründen soll der Tower aber statt 245 Meter nur noch 199 Meter hoch werden. Die Kaufentscheidung war gelinde gesagt umstritten und löste kurzzeitig öffentlichen Protest aus (WIR 30.10 25).

Zweifel am Bedarf

Unter dem Schlagwort „Desaster Elbtower“ hatte die Bezirksfraktion Hamburg-Mitte der Linken am 15. Januar 2026 zu einer Veranstaltung im Bürgerhaus eingeladen. Ronald Wilken, Abgeordneter der Linken Hamburg-Mitte, und Marco Hosemann, Bürgerschaftsabgeordneter der Linken und Fachsprecher für Stadtentwicklung, referierten über die Vorgeschichte des Towers und den aktuellen Stand des Projekts.

Die Idee, an dieser Stelle einen Wolkenkratzer als ein Hamburger Leuchtturmprojekt zu bauen habe es schon zu Beginn der Planung der Hafen City gegeben, sagte Marco Hosemann. Und die Frage, ob es für soviel zusätzliche Bürofläche überhaupt Bedarf gebe, sei auch damals schon umstritten gewesen.

Ungereimtheiten beim Kauf

Plakat von der Ruine mit satirischen Hinweisschildern für die alternatve Nutzung
Die AG OST, ein Netzwerk von Kulturschaffenden, hatte schon 2024 in einer satirischen Aktion ein alternatives Konzept für die Nutzung der Ruine …

Marco Hosemann wies dann auf mehrere Ungereimtheiten beim Kauf hin. So seien für das geplante Museum ursprünglich 26.000 Quadratmeter vorgesehen gewesen. Im Elbtower soll es aber eine Fläche von 46 000m2 einnehmen. Der Verdacht läge nahe, dass der Kauf einer fast doppelt so großen Fläche ein Zugeständnis an den Investor Becken sei.
Zudem erscheine der Quadratmeterpreis von 30.000 Euro auch für eine Immobilie in der Hafen City unverhältnismäßig hoch. Außerdem stehe der Vorwurf im Raum, der Senat habe die Alternativen – andere Standorte, Neubau – entgegen den offiziellen Erklärungen nicht ernsthaft geprüft.
Die 595 Millionen Euro für den Kauf sollen nach Angaben des Senats aus dem Sondervermögen Klimaschutz und Infrastruktur (SVIK) des Bundes kommen. Nach Meinung von Marco Hosemann wäre das eine Zweckentfremdung von SVIK-Geldern.

Satirisxches Bauschild mit den Mitgoeidern der AG Ost als Bauträger
… es gab schon ein Bauschild …

Die Linke hatte gleich nach der Bekanntgabe des Kaufs Akteneinsicht in alle Unterlagen des Entscheidungsverlaufs beantragt (WIR 30.10.25). Der Antrag, so Hosemann, wurde in der Bürgerschaft abgelehnt. Die Kaufverhandlungen seien weitgehend geheim gewesen. Der Senat wolle jetzt wohl ausgewählte Akten herausgeben, dann könne man weitersehen.

Der Drogeriemilliardär

Ende vergangenen Jahres stieg der Drogeriemilliardär Rossmann in das Investorenkonsortium ein, zu dem, neben ihm und Dieter Becken, jetzt Kühne Immobilien, Signal Iduna und die Baufirma Lupp gehören. Lupp ist die Firma, die 2023 die Arbeiten am Tower eingestellt hatte. Vor einigen Tagen hat das Bundeskartellamt im obligatorischen „Fusionskontrollverfahren“ grünes Licht für dieses Konsortium gegeben.

Das Hamburger Abendblatt schrieb: „der Weiterbau rückt näher“. Auch Marco Hosemann meinte, unter den neuen Bedingungen könne man wohl davon ausgehen, dass der Tower demnächst tatsächlich weitergebaut werde. Man wird sehen.

Kritik nicht nur von den Linken

Gespielte Einweihung mit einem Mutgied der Ag Ost als Senator mit überdimensionaler Schere
… und eine Einweihung gab es auch (WIR 17.4.24). Fotos: H. Kahle

Die Kritik am „Wortbruch“ des Senats kommt nicht nurvon den Linken. Auch andere Oppositionsparteien und der Bund der Steuerzahler kritisieren die undurchsichtige Entscheidungsgrundlage und die Verwendung öffentlicher Gelder für ein „gescheitertes Prestigeprojekt“.

Neben dem zentralen Kritikpunkt bleiben weitere offene Fragen: So die Sache mit der „Mitnahmesetzung“, die im Mai letzten Jahres für Schlagzeilen sorgte, und dann von den Offiziellen kleingeredet wurde. Gemeint ist die schon mehrfach gemessene Senkung des Gebäudes, die in Zukunft die danebenliegenden Bahnanlagen gefährden könnte.

Außerdem ist die Frage offen, ob sich der als Bürogebäude konzipierte Tower für ein Naturkundemuseum mit seinen raumgreifenden Exponaten überhaupt eignet.

Und da ist nicht zuletzt die Ästhetik: Wie soll der auf allen Computersimulationen zu sehende elegante, sich nach oben verjüngende 245 Meter hohe Turm als um 46(!) Meter verkürzter „Halber Olaf“ eigentlich aussehen? Man kann sich kaum vorstellen, dass der Architekt, wie es offiziell heißt, damit einverstanden ist. Da könnte man das Gebäude doch auch gleich in der jetzigen Höhe von 100 Metern belassen und hätte so noch weitere Kosten gespart.


Ein Gedanke zu „Elbtower – privatisierte Gewinne, soziale Verluste

  1. Moin moin,
    der „Elbtower“ sieht fürterlich aus. Hamburg ist nicht die Stadt der hohen Häuser.
    Leider sehen fast alle Häuser, die relativ hoch sind, nicht besonders toll aus.
    Laßt doch dänische Architekten an so ein Vorhaben. Außerdem war der „Tower“
    nicht für ein Naturkundemuseum gedacht. Es gibt dafür doch keine Räumlichkeiten.
    Aber ein Geschäft mit Kühne, Benko, Beeken und Consorten soll wohl unbedingt
    gemacht werden. Es lebe der soziale Wohnungsbau.

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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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