Der Bürgermeister in Wilhelmsburg

Anlässlich seiner „Werbetour“ für Olympia in Hamburg, besuchte der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am 27. Mai 2026 die Inselpark Arena

„Olympia ist eine Chance für alle“, so könnte man die Botschaft zusammenfassen, die der Bürgermeister gerade seinen Bürger*innen zu vermitteln versucht. Herr Tschentscher war bemüht die positiven Aspekte einer Olympiabewerbung hervorzuheben, allerdings betonte er auch, dass alle geplanten Infrastrukturprojekte auch ohne Olympia realisiert werden. Die Veranstaltung in der Inselpark Arena war gut besucht. Aus dem Publikum gab es kritische Stimmen und Fragen zur Olypia-Bewerbung der Stadt.

Worum geht es eigentlich?

Hamburg möchte sich als Austragungsort für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Zusammen mit der Partnerstadt Kiel und den Nachbarbundesländern Niedersachsen und Schleswig Holstein soll eine starke Bewerbung für Spiele im Norden Deutschlands präsentiert werden. Dazu müsste die Stadt am 31. Mai 2026 beim Referendum in Hamburg, das „Ja“ der Bürger*innen bekommen. Danach muss Hamburg sich gegen die Konkurrenten Berlin, München und das Rhein-Ruhr Gebiet durchsetzen, um als möglicher deutscher Austragungsort ausgewählt zu werden.

Geplante Wettkampfstätten in Hamburg-Mitte, Foto: M. Brito

Die Kosten der Olympischen Spiele sollen gering bleiben

Das große Vorbild der Olympiabewerbung ist „Paris 2024“. Die Spiele dort gelten als „angepasst an die Stadt“, ohne eine Vielzahl an großen Neubauten. Die Olympischen Spiele in Paris sollen „nur“ 8,7 Milliarden Euro gekostet haben. So betonte Peter Tschentscher: „Daran orientiert sich auch Hamburg, mit geplanten 4,8 Milliarden Euro Kosten und 1,3 Milliarden Euro Investitionen“. Nicht ganz klar ist, was zu den Kosten gehört und was nicht. Inflationssteigerungen bis zum Jahr 2044 sind darin u. a. noch nicht enthalten. Doch der Wille seitens der Stadt, die Kosten klein zu halten, besteht.

Die Eröffnungsfeier soll in der Stadtmitte im öffentlichen Raum stattfinden, vorgesehen ist dafür die Binnenalster. Am Jungfernstieg soll ein prächtiger Aufbau, mit Tribünen in der Binnenalster, für die Eröffnungsfeier entstehen. In Bahrenfeld soll das „Olympische Dorf“ für die Athlet*innen aus aller Welt entstehen, dort würden dann 4500 Wohnungen gebaut.

Auch in Wilhelmsburg sind es einige Wettkampf- und Trainingsstätten geplant. In der Inselpark Arena „Moderner Fünfkampf“, in der Inselpark-Schwimmhalle „Wasserball“, in der Sporthalle Berufsschule Dratelnstraße „Handball“, in der Kletterhalle „Klettern“. Und sogar die Sporthalle Rahmwerder Straße würde fürs Training genutzt.

Imagegewinn und großes Signal für die Stadt

Die Ausrichtung der Olympischen Spiele solle eine „große Wirkung“ für die Stadt haben, wie damals in München 1972 oder Barcelona 1992. Ob dies wirklich positiv wird für die Stadt und ihre Einwohner*innen, weiß aber keiner. Auch der barrierefreie Ausbau der Infrastruktur Hamburgs wird durch die Paralympics, die kurz nach den Olympischen Spielen stattfinden, gefördert.

Auswirkungen der Spiele auf die Bewohner*innen ist unklar

Steigende Mieten, eine steigende Anzahl an Baustellen durch den Infrastrukturausbau, explodierende Kosten, nicht nachhaltige Bauten, dies sind nur einige der Themen, die den Bewohner*innen der Stadt Sorgen bereiten. Auch einige Fragen aus dem Publikum am Montagabend gingen in diese Richtung. Die schon von Baustellen geplagten Wilhelmsburger*innen befürchten –wahrscheinlich nicht zu unrecht – noch mehr Baustellen in der Stadt. Sorgen bereitet vor allem, dass durch Olympia das Geld in anderen Bereichen fehlt.

Nachhaltigkeit scheint momentan kein großes Thema zu sein

Es wurde betont, dass es Spiele der kurzen Wege werden sollen. Trotz der Partnerstädte Kiel, der Austragungsorte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, sollen 93 Prozent der Austragungsorte mit dem ÖPNV gut zu erreichen sein. Alle Spielstätten sollen nach den Olympischen Spielen weiter nutzbar sein. Das Leichtathletikstadion, das gebaut werden soll, wird der HSV-Fußballabteilung zur Verfügung gestellt. Ansonsten gab es nicht viele Informationen zu nachhaltigen Olympischen Spielen, die der Senat anstrebt.

Die Veranstaltung war gut besucht. Foto: M. Brito

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Chris Meyer

Wenn er sich nicht gerade um seine zwei Kinder kümmert, dann ist er auch für den WIR unterwegs auf der Suche nach spannenden Artikeln und Interviews.

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