Wilhelmsburger Störche finden keine Nahrung mehr

Der BUND Hamburg schlägt Alarm: Der dramatische Amphibienschwund auf der Elbinsel bedroht die Storchen-Population

Nahaufnahme zweier Kröten auf Aspahlt sitzend.
Einige wenige gabs in dieser Wandersaison noch: Kröten auf dem „Loop“ im Norden Wilhelmsburgs, fotografiert von aufmerksamen Radfahrenden. WIR bedanken uns an dieser Stelle nochmals für die Fotos!

Noch vor rund 20 Jahren war der Einlagedeich in Moorwerder im Süden Wilhelmsburgs im Frühjahr kaum befahrbar, ohne vorher die wandernden Frösche beiseite geräumt zu haben. Jene Zeiten sind vorbei, was dieses Jahr zur Laichzeit erneut zu beobachten war. Dabei sollten Amphibien wie Grasfrosch, Moorfrosch und Erdkröte gerade in der Wilhelmsburger Marschlandschaft mit ihren vielen Gräben weit verbreitet sein – stattdessen werden sie immer weniger und stehen auf der Roten Liste.

Das Sterben einer Art gefährdet weitere Arten

Der dramatischen Schwund der Amphibien in Wilhelmsburg zieht die Bedrohung weiterer Arten nach sich – vor allem der Störche. „Am Beispiel der Amphibien wird deutlich, wie wichtig der Schutz von Biodiversität ist: Zum einen sind die Frösche und Kröten die Nahrungsgrundlage für Störche und Ringelnattern, zum anderen fressen sie Mückenlarven, was auch uns Menschen zugutekommt. Stirbt eine Art, sterben weitere Arten aus und das ganze Ökosystem gerät aus dem Gleichgewicht“, beklagt Gisela Bertram, stellvertretende Vorsitzende des BUND Hamburg und Geschäftsführerin der Stiftung Ausgleich Altenwerder.

Naturzerstörung als Hauptursache für den Amphibienschwund

Eine Ursache für den massiven Rückgang nicht nur der Amphibien liegt in der immer noch zunehmenden Versiegelung von Landschaften. Durch den Bau von Gebäuden, Gewerbegebieten und Straßen werden die Lebensräume von zahlreichen Arten zerschnitten und langfristig zerstört.

Das gilt auch für die Gewässer, die den Amphibien als Laichhabitate und für die Entwicklung der Larven dienen. Häufig werden sie gänzlich trocken gelegt, also zerstört, oder sie führen im Zuge der Bebauung und Versiegelung der Landschaft nicht mehr genug Wasser für die Tiere.

Der Hamburger Senat ist jetzt gefordert!

Ein weiterer Grund für den Amphibienschwund ist die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Die Frage, welche Abstände beim Spritzmitteleinsatz von den Be- und Entwässerungsgräben einzuhalten sind, ist in Hamburg bislang nicht abschließend geklärt.

Den Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai 2024 nahm der BUND zum Anlass, den Hamburger Senat nachdrücklich aufzufordern, alles zu tun, um den dramatischen Rückgang der Arten aufzuhalten. Bis jetzt geschieht noch immer genau das Gegenteil. Dazu Gisela Bertram: „Wir müssten alles daran setzen, die Natur, die es noch gibt, in Ruhe zu lassen. Gerade in hoch verdichteten Städten wie Hamburg ist sie besonders wertvoll für zahlreiche Arten. Aber stattdessen baut Hamburg sogar neue Autobahnen wie die A26-Ost.“

„Der Hamburger Senat ist jetzt gefordert!“, bringt es Bertram auf den Punkt. „Der Flächenschwund muss ein Ende haben. Wir brauchen gesetzlich geregelte Abstände, innerhalb derer keine Spritzmittel eingesetzt werden dürfen. Dann haben auch die Landwirte eine klare Orientierung. Der Hamburger Senat muss alles daran setzen, bestehende Naturflächen zu erhalten.“

Was ist noch zu tun?

Zudem müssen an allen bestehenden Straßen, die die Wandergebiete der Tiere durchziehen, Querungshilfen für Amphibien und andere Kleintiere geschaffen werden. Solche Maßnahmen sind wichtig, damit Kröten und Frösche zwischen ihren Teillebensräumen ungefährdet hin und her wechseln können. „Dank des Amphibienzauns in Hamburg-Volksdorf konnten über 3.600 Amphibien sicher in ihre Laichgebiete gebracht werden. Auch in Neuwiedenthal sehen wir seit dem Einstau eines Grabens deutliche lokale Verbesserungen für den Lebensraum der Amphibien“, erläutert Gisela Bertram.

Wichtig ist außerdem, dafür zu sorgen, dass die noch vorhandenen Gewässer genügend Wasser führen, um als Laichhabitate dienen zu können. Es dürfen keine Gewässer mehr durch Eingriffe in die Natur zerstört werden. Der Bau von Ersatzgewässern taugt wenig. Denn diese Ersatzgewässer – wie etwa am Kreetsander Hauptdeich im Wilhelmsburger Osten – fallen oft trocken und sind somit nicht für Amphibien geeignet.

Wer sich beim BUND für den Artenschutz engagieren möchte, kann sich gerne per E-Mail melden unter mitmachen@bund-hamburg.de.

Ein Gedanke zu “Wilhelmsburger Störche finden keine Nahrung mehr

  1. In meiner Kindheit in den 90er Jahren war jeder Tümpel voll mit Fröschen und Kaulquappen. Überall war Laich zu sehen und man hörte das quaken. Ich sehe z.b. im Inselpark gar keine Frösche oder Kröten obwohl die sich da doch eigentlich wohl fühlen müssten. Krass ist für mich auch die Geschwindigkeit mit der dieses alles passiert.

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