Gesundheitsprävention auf den Elbinseln – Wie schaffe ich es, Unveränderbares zu akzeptieren – Positive Gefühle zu entwickeln -Welche Angebote gibt es?
Seit dem 1. Januar 2025 gibt es auch auf Wilhelmsburg eine Lokale Vernetzungsstelle Prävention (LVS). Elma Adedeji und Birte Diekmann von der Lawaetz-Stiftung sind mit der Durchführung und Koordination der LVS beauftragt. Birte Diekmann begleitet bereits seit 2022 zusammen mit ihrer Kollegin Vanessa Steenwarber den Quartiersbeirat Wilhelmsburg-Ost.
Auf der Gesundheitskonferenz Wilhelmsburg stellten Mitarbeiter*innen der LVS Wilhelmsburg das Thema „Gesundheitsförderung-Management und Prävention in Wilhelmsburg“ vor. Ziel ist es, allen Menschen Bedingungen zu ermöglichen, gesund zu leben. Besonders im Blick sind dabei Kinder und Jugendliche. Ein Kinderarzt im Publikum regte an, Gesundheit als Schulfach einzurichten. Aber schon in den Kitas müsste Gesundheit ein Thema sein. Das kommunale Gesundheitsförderungsmanagement (KGFM) beinhaltet den Abbau von gesundheitlicher Chancenungleichheit, gesundes Älterwerden, Klima und Gesellschaft, kommunale Bewegungsförderung – und das alles alltagsnah und niedrigschwellig. Es gibt bereits Arbeitsgemeinschaften (AG) zur Gesundheitsförderung in Kirchdorf-Süd und auf der Veddel. Sie sollen mit der AG Wilhelmsburg zu einer AG Gesundheit Elbinseln zusammengeführt werden. Die Gesundheitskompetenz der Bewohner*innen soll gefördert werden. Dabei sollen die vorhandenen Strukturen genutzt und vernetzt werden und eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Angebote erfolgen. Kleinere Projekte auf den Elbinseln, insbesondere im Bereich Bewegung und Sport, können von der LVS unterstützt werden. Ebenfalls kann bei der Antragstellung geholfen werden.
„Wie bleibe ich trotz Belastungen gesund?“
Claritta Martin, Fachärztin aus Sasel und Mitglied bei Psychologists for Future (Psy4F) wurde mit einem Vortrag zum Thema Krisenfestigkeit und Resilienz auf der großen Leinwand zugeschaltet. Sie erklärte, dass Prävention wichtig sei: „Wie bleibe ich trotz Belastungen, z. B. Klimakrise, Extremwetterereignissen und auch existenziellen Nöten gesund?“ Die Menschen merkten sich eher negative als positive Ereignisse. Um ein negatives Gefühl auszugleichen seien drei positive Gefühle nötig. Wichtig sei, Unveränderbares zu akzeptieren, Nachrichten bewusst zu dosieren, das heißt die Intensität zu mindern, also zum Beispiel zu lesen, ohne nebenbei Musik zu hören, oder zu hören, ohne dabei Bilder zu sehen. Aktivität und Erholung sollten in einem guten Verhältnis stehen.
Eine Besucherin erzählte von der Vereinbarung in ihrer Praxis, immer positive Karten, zum Beispiel mit „danke“, an die Pinnwand zu heften. In der Publikumsdiskussion wurde die Veranstaltung allgemein gut aufgenommen. Allerdings ist es ein Projekt auf Bezirksebene, so dass die zur Zeit wichtigen Themen auf Wilhelmsburg nur „mitgenommen werden können“. Einfluss auf die Schließung des Krankenhauses, den Bau der Stadtautobahn A26-Ost durch Wilhelmsburg oder die Vernichtung des Wilden Waldes hat die LVS Wilhelmsburg nicht.
Ein Besucher äußerte sich gegenüber dem WIR auch kritisch zu dem Thema der Konferenz: „Wenn das Thema der Konferenz ,Gesundheit’ ist, erwarte ich, dass nicht nur Teilbereiche thematisiert werden, also quasi nur soziale Aspekte von Gesundheit. Für mich gehören zu einem umfassenden Gesundheitsbegriff auch alle Aspekte der Pflege (Pflegedienste und stationäre Pflege und Beratungsangebote) sowie gesundheitspflegerische Angebote wie der Bereich der niedergelassenen Ärzte und Krankenhäuser. Wenn dies alles nicht berücksichtigt wird, dann fehlen bei der Beschäftigung damit entscheidende Aspekte. Ich bin der Auffassung, dass der Titel ,Gesundheitskonferenz’ irreführend ist. Der Titel ,Resilienzkonferenz’ wäre vielleicht angemessener.“
Am 4. Dezember findet im Freiraum von Vonovia, Korallusstraße 4, das nächste Treffen statt, zu dem Bewohner*innen, die Interesse an einer Mitarbeit haben, eingeladen sind.

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Was nützt es wenn die Kompetenzen der Bewohner*innen ausgebaut werden, wenn die Hardware: Praxen, Krankenhaus, Alten- und Pflegeeinrichtungen Mangelware sind. Hier muss als erstes mal versucht werden gleichwertige Lebensbedingungen auch südlich der Norderelbe zu schaffen. Die werden jedoch gerade abgebaut.
Alleine im Bezirk Hamburg Mitte kann man das ganz einfach nachlesen. Während , statistisch gesehen ( Zahlen aus 2024), auf 374 Bewohner*innen im Bezirk ein Arzt kommt, das ist ähnlich dem auf Hamburg bezogen der Wert, kommen in der Altstadt ein Arzt auf 10 Bewohner*innen , während dieses Verhältnis in Billstedt und Wilhelmsburg ungefähr bei 800 liegt und in Finkenwerder bei 1600. Diese Zahl beinhaltet alle Fachrichtungen, entsprechend schlecht ist die Hausarztversorgung in den unterschiedlichen Teilen der Stadt. Dieses Problem ist in der Behörde seit sehr langer Zeit bekannt und auch bei der KV kann man das wissen, wenn man will. Wir haben von den Grünen in der Bezirksversammlung Hamburg Mitte in den Nullerjahren , solange diskutieren wir bereits darüber, mal eine entsprechenden Anfrage an die Behörde gestellt. Es ging um die schlechte gesundheitliche Versorgung in Wilhelmsburg / Veddel. Die Antwort der Behörde war ganz erstaunlich. Die Bewohner*innen würden GERN ihre Ärzte in der Innenstadt aufsuchen. Da frage ich mich allerdings, wie viel Abstand von der Lebenswirklichkeit der Bevölkerung ist in der Gesundheits- bzw. in der Sozialbehörde vorhanden? Leider hat sich diese Einstellung auch heute anscheinend nicht verändert, das kann man an dem Umgang mit der Schließung des Krankenhauses Groß Sand in Wilhelmsburg sehen.