Die Arbeit mit Menschen lag ihm besonders am Herzen

Nachruf auf Inselkantor Rainer Schmitz

Inselkantor Rainer Schmitz. Foto: privat

Wir trauern um Rainer Theodor Schmitz, der am 11. September 2022 nach einem schweren Krebsleiden verstorben ist. Wir gedenken seiner in großer Dankbarkeit. Er hat uns zu besonderen musikalischen Auftritten ermutigt und sie dann gemeinsam mit uns ermöglicht.

Er wurde am 1. November 1965 in Kronberg im Taunus geboren. Er wuchs mit  einem Bruder auf. Sein Vater arbeitete im Kaufmännischen, seine Mutter versorgte die Familie.

Schon als Kind zeigte er seine großen musikalischen Fähigkeiten. Er sang in mehreren Chören. Als Jugendlicher übernahm er die Leitung eines Chores und begleitete die Gemeinde in der Kirche an der Orgel. Diese Begabung führte ihn dann an die Musikhochschule in Freiburg im Breisgau, wo er Kirchenmusik und Komposition studierte.

Seit 1992 lebte er in Hamburg-Harburg, wo er an der Dreifaltigkeitskirche und Johanniskirche eine Anstellung als Kirchenmusiker fand. Hier gründete er einen Chor, ein Orchester und ein Flötenensemble. Mit diesen Gruppen, und natürlich so manchen Solisten, verwirklichte er wunderbare Aufführungen – einmal mit der Musik von klassischen Komponisten, dann aber auch mit seinen eigenen Kompositionen.

„Besonders die Arbeit mit Menschen liegt mir am Herzen“, hat Rainer immer gesagt. Ja, dieses Anliegen haben wir, die unter seiner Leitung Musik machten, gespürt. Als Chorleiter wie auch als Orchesterleiter zeigte er durch das Dirigat sehr deutlich, welche Vorstellungen er von der Musik hatte. Dazu kamen seine immensen Kenntnisse der Zusammenhänge, in denen die jeweiligen Stücke entstanden waren, die er gerne mitteilte. Und dann schließlich sein Humor, seine ver-Schmitz-te Persönlichkeit. Sie machte viele Proben zum Vergnügen. Befreiendes Lachen ließ die Musiker frei singen und musizieren. Es war eine Freude.

Ich hatte das große Glück, Rainer auch als Teamplayer kennenzulernen. Als Leiterin der Kirchdorfer Kantorei ermöglichte er mir, gemeinsam mit ihm und seinen Ensembles große Aufführungen zu machen. So kam es 2012 im Dezember zu unserer ersten Aufführung des Weihnachtsoratoriums. Ich dirigierte in der Paul-Gerhard-Kirche (sie ist inzwischen abgerissen), er in der Harburger Johanniskirche. Es hat noch mehrere solcher Kooperationen gegeben, die uns beiden und auch unseren Chören große Freude gemacht haben.

Als Abschluss meiner Arbeit mit der Kantorei und seiner mit dem Harburger Orchester haben wir im Herbst 2018 seine Komposition „Der Wiener Totentanz“ unter seiner Leitung und im Anschluss daran das Requiem von Mozart unter meiner Leitung aufgeführt. Eine sehr bewegende Aufführung.

Diese gemeinsame musikalische Arbeit hat mein Leben sehr bereichert. Ich bin Rainer Schmitz zutiefst dankbar dafür.

2018 verlegte er seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nach Wilhelmsburg. An der Emmauskirche arbeitete er als Organist, an der Kreuzkirche übernahm er von mir die Kantorei und arbeitete insgesamt für den Stadtteil als Inselkantor.

Auch hier war er für alle, die mit ihm in Kontakt kamen, eine große Bereicherung.

Ein weiteres Zitat von ihm ist: „Ich wundere mich manchmal über meinen Mut.“ Er gründete einen „Chor für Nichtsänger“ – das war mutig. Zu diesem Chor kamen Menschen, die der Meinung waren, sie könnten nicht singen. Mit großer Begeisterung kamen diese Chorsänger regelmäßig zur Probe. Er hat vielen von ihnen eine neue Freude am Singen ermöglicht.
Er hat es sehr bedauert, diesen besonderen Chor nicht weiterführen zu können.

Mit der Kirchdorfer Kantorei kam es zu einer beeindruckenden Aufführung: der „Petite Messe solonnelle“ von Rossini. Im Anschluss wurde – neben Aufführungen in Gottesdiensten und der Mitwirkung bei „48-Stunden Wilhelmsburg” – weiter an großen Werken geprobt. Die Schöpfung von Haydn war das Ziel wie auch die Chorfantasie von Beethoven.

Doch dann kam Corona und verhinderte die Weiterarbeit. Rainer hat sehr unter dieser Zeit mit ihren Einschränkungen gelitten. Danach ereilte ihn seine Erkrankung.

Rainer hinterlässt eine große Lücke.

Wir sprechen seinem Lebenspartner Andreas Sawall wie auch seinem Bruder unser herzliches Mitgefühl aus.

Monika Lütgert

3 Gedanken zu “Die Arbeit mit Menschen lag ihm besonders am Herzen

  1. Ich bin erschüttert über Rainers Tod. Viele Jahre lang durfte ich bei seinen legendären Silvesterkonzerten und einigen Gottesdiensten als Cellistin mitwirken. Obwohl wir uns aus den Augen verloren hatten, habe ich immer mit Freude – jetzt mit großer Wehmut – an die gemeinsame musikalische Zeit gedacht. Mein Mitgefühl gilt vor allem Andreas.

  2. Wie schrecklich, dass Rainer Schmitz gestorben ist.
    Ich habe ihn gerne singen gehört und wäre gerne auch in den Chor der Nichtsängerinnen eingetreten, wenn es zeitlich möglich gewesen wäre.

    Möge er in Frieden ruhen.
    Claudia Roszak

  3. Am 7.Juli 2022 schrieb ich an Rainer:

    Atem des Lebens

    Lieber Rainer,
    jeden Montag vermisse ich den Chor mit Nicht-Sänger*innen mit Dir.
    Ich habe dich dort als einen sehr ganzheitlichen Menschen erlebt, der mit Freude, Energie und Witz uns alle zum Singen gebracht hat.
    Und es wurde wirklich ein Klang, trotz aller Abstände und Beschränkungen.
    Dabei sang immer der ganze Mensch und war in Bewegung, der ganze Körper, vom Scheitel bis zur Fußsohle, der Geist und die Sinne, nicht nur die Stimme, die Stimmbänder und der Kopf.
    Ich wünsche Dir so sehr, dass die durchflutende Energie, dass der Atem des Lebens dir Heilung schenkt.
    Michael

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