Schlickaufkommen in der Elbe: Vermehrte Baggerarbeiten sind falsch

Die Folgen der Elbvertiefung sind ökonomisch und ökologisch ein Desaster. Umweltverbände fordern weniger Baggerarbeiten, damit sich das Ökosystem der Elbe stabilisieren kann

Für einige wenige große Pötte wird mit der Elbvertiefung das gesamte Ökosystem der Tideelbe gefährdet. Foto: pixabay

Die im „Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe“ zusammengeschlossenen Umweltverbände BUND, NABU und WWF werten die Äußerungen des Bundesverkehrsministeriums und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (GDWS) als Eingeständnis dafür, dass die im Frühjahr offiziell abgeschlossene Elbvertiefung endgültig gescheitert ist. Die Ankündigung, in den nächsten zwei Jahren noch mehr zu baggern, um die geplante Fahrrinnentiefe wieder herzustellen, ist ökologisch fatal und wird die vielfältigen Probleme der letzten Elbvertiefung noch verschärfen.

Hamburg und die Bundesregierung haben bei der Elbvertiefung alle Einwände und Bedenken in den Wind geschlagen und werden nun mit den Folgen konfrontiert, vor denen Wissenschaft und Umweltverbände von Anfang an gewarnt haben. Das „Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe“ verweist hier auf die im Klageverfahren vorgetragenen Gutachten, die vorhergesagt hatten, was nun eingetreten ist. Die Maßnahmen zur Dämpfung der Tide haben nur kurzfristig funktioniert. Damit sind die Fluten schneller und mit höherer Schlickfracht aufgelaufen. Dies bewirkt eine sich weiter als je zuvor ausbreitenden Sauerstoffarmut in den Sommermonaten sowie eine massive zusätzliche Trübung des Elbwassers, die durch die Baggerarbeiten zur Freihaltung der Fahrrinne noch verstärkt werden. Alle Faktoren zusammen haben dazu geführt, dass bereits mehrere Jahrgänge der Jungfische in der Elbe und auch erwachsene Tiere gefährdeter Fischarten elend krepiert sind.

Wenn die Bundesregierung und Hamburg jetzt noch mehr baggern, werden sich alle diese Probleme weiter zuspitzen und es gibt keine absehbare Möglichkeit, die schadstoffbelasteten Schlickmassen ökologisch verträglich zu entsorgen. Der von Hamburg geplanten Verklappung vor der Vogelschutzinsel Scharhörn sowie den jetzt geplanten zusätzlichen Baggeraktivitäten werden sich die Naturschutzverbände mit allen rechtlichen Möglichkeiten entgegenstellen.

Zudem ist die weitere Steigerung der bereits heute jährlich 150 Millionen Euro teuren Baggerei eine verantwortungslose Plünderung der Steuerkassen.

Hamburg und die Bundesregierung müssen jetzt nicht mehr, sondern weniger baggern, damit sich das Ökosystem der Elbe stabilisieren kann! Es ist nicht erforderlich, dass jedes Schiff zu jeder Zeit den Hamburger Hafen anlaufen kann, wenn in Wilhelmshaven ausreichend Kapazitäten für die Abfertigung der größten Schiffe der Welt vorhanden sind. Von einer guten strategischen Zusammenarbeit der deutschen Seehäfen könnten alle Standorte profitieren, die Staatskassen und ganz besonders die Ökosysteme der Elbe, der Weser und des Wattenmeeres, das nicht zur Müllkippe für den Elbschlick werden darf. Eine Situation wie an der Ems, die aufgrund der dortigen Baggerarbeiten über mehrere Monate im Jahr ökologisch tot ist, darf es kein zweites Mal in Deutschland geben.

Die Strategie, die Elbe den Schiffen anzupassen, ist gescheitert. Jetzt müssen die Schiffe der Elbe angepasst werden und dafür brauchen wir eine schnelle Hafenkooperation.

2 Gedanken zu “Schlickaufkommen in der Elbe: Vermehrte Baggerarbeiten sind falsch

  1. Die letzte Elbvertiefung war ökologisch und ökonomisch unverantwortlich.
    Sie hat dem Hamburger Hafen auch nicht geholfen, wettbewerbsfähig zu bleiben,
    sondern genau das Gegenteil erreicht.
    Ich plädiere an den Hamburger Senat und die Verantwortlichen bei der Hamburg Port Authority zu verstehen, dass ein Umbau des Hafen hin zu Innovation und Abkehr des Wachstumsgedankens im Containerumschlag notwendig ist. Weniger Containerumschlag ist mehr.

  2. Dieses Problem wurde kürzlich ausführlich dargestellt in einer Dokz des NDR: Wohin mit den großen Pötten. Dort haben auch die Verantwortlichen für die letzte Elbvertiefung zugeben müssen, dass ihre Schätzungen künftigen wachsenden Bedarfs falsch waren. Leider hoffen sie auch weiter darauf.

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