„Rettet Hamburgs Grün – Klimaschutz jetzt!”

Eine Volksinitiative mit diesem Titel will alle Hamburger Grünflächen, die größer sind als ein Hektar, erhalten

Beetgraben-Landschaft im Wilhelmsburger Osten. Foto: S. Clausen

Am 15. September startete die Volksinitiative „Rettet Hamburgs Grün”. Ihr Ziel ist, alle „großflächigen Grün- und Landwirtschaftsflächen” Hamburgs ab der Größe von einem Hektar vor der Versiegelung durch Bebauung zu schützen. Es sollen also „keine neuen Baugebiete durch Bebauungspläne ausgewiesen werden”.
Die Forderung gilt ausnahmslos für alle Flächen, die im Amtlichen Liegenschaftskataster mit Stand 1. September 2021 als „Wald/Gehölz”, „Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche” (dazu gehören auch Friedhöfe und Kleingartengebiete) oder „Landwirtschaft” definiert sind und die „einzeln oder im Verbund” mindestens einen Hektar groß sind.

Es geht um Klimaschutz

Hauptbegründung der Initiator:innen sind die negativen Klima-Folgen der voranschreitenden Versiegelung offener Flächen in der Stadt:
1. Die (aufgrund des Klimawandels) immer öfter niedergehenden Starkregenfälle können nicht mehr versickern.
2. Die Stadt heizt sich immer weiter auf, je weniger Grünflächen sie hat. Denn Grünflächen haben einen kühlenden Effekt auf ihre Umgebung. (Die Hamburger Umweltbehörde selbst hat festgestellt, dass Grünflächen bereits „ab einer Mindestgröße von 0,5 Hektar relevant für den Kaltluftaustausch sind und eigene Kaltluftströme induzieren können”.)
3. Grünflächen binden CO2. Alle Pflanzen tun dies, je größer und verholzter sie sind (Bäume) desto mehr. Doch auch im Boden werden große Mengen CO2 gebunden. Diese wichtige Funktion geht bei der Versiegelung verloren (und das Aufreißen des Bodens bei Baumaßnahmen setzt sogar große Mengen CO2 frei).

Versiegelung stoppen

Im Jahr 2017 waren 39 Prozent der Fläche Hamburgs versiegelt. Allein zwischen 2000 und 2017 nahm die Flächenversiegelung um drei Prozent zu, hat die Initiative herausgefunden. Diese drei Prozent entsprächen 110 Mal der Fläche der Binnenalster. Seit 2017 dürfte der Flächenverbrauch noch einmal deutlich gestiegen sein. Nach Ansicht der Initiative vernachlässigt die Stadt Hamburg durch diese Versiegelungspolitik ihre Verpflichtung zum Schutz der „natürlichen Lebensgrundlagen” und vor allem ihre „Verantwortung für die zukünftigen Generationen” im Sinne des Artikels 20 a des Grundgesetzes.

Warum steht das im eWIR?

WIR stellen die Volksinitiative hier vor, weil sie auch den Schutz von Grünflächen auf Wilhelmsburg ermöglichen würde, so sie denn erfolgreich ist. Denn sie bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf Flächen von der Innenstadt bis zum 2. Ring, sondern auf die Grünflächen der gesamten Hansestadt – und damit zum Beispiel auch auf den Wilden Wald am Ernst-August-Kanal oder auf Wilhelmsburger Kleingartengebiete, die von Bebauung bedroht sind.
Solange die entsprechenden Bebauungspläne noch nicht genehmigt sind, könnten die Vorhaben durch die Ein-Hektar-Regelung verhindert werden. Wenn die Initiative schnell genug funktioniert.

So geht’s!

10.000 Unterschriften braucht die Volksinitiative, um dann ein gesetzlich wirksames Volksbegehren starten zu können. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 15. März 2022. Unterschreiben dürfen alle in Hamburg lebenden EU-Bürger:innen ab 16 Jahren.
Die Unterschriftenlisten liegen in Cafés, Gaststätten und Läden im Reiherstiegviertel aus. Auch im Büro der WALDRETTER im 2. Stock rechts in der Honigfabrik kann unterschrieben werden. Volle Listen können dort abgegeben werden.

Alle Infos:
Volksinitiative: https://rettet-hamburgs-gruen.de/
Sammeln helfen: https://rettet-hamburgs-gruen.de/sammlerin-werden/
Hamburger Liegenschaftskataster – Liegenschaftskatasterinformationssystem: https://geoportal-hamburg.de/geo-online/
Dort dann auf „Themen” > „Hintergrundkarten” und „ALKIS-Express (farbig)” anhaken. Die Legende für die Farben gibt’s unter https://www.daten-hamburg.de/zz_sonstiges/legenden/Legende_ALKIS.pdf
Kühlung durch Grün: https://www.hamburg.de/contentblob/12763874/85efe919b45682d9d973d70ee378af0e/data/d-fachkarte-gruen-vernetzen-erlaeuterungen.pdf (dort auf S. 18)
https://www.hamburg.de/contentblob/3519382/b3ca0bd3483c0397fdf1a87ce4e1846a/data/gutachten-stadtklima.pdf (dort auf S. 30)
Flächenversiegelung in Hamburg: https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/70562/wie_hat_sich_die_versiegelung_von_nebenflaechen_in_hamburg_entwickelt.pdf

Sigrun Clausen

Wenn sie nicht am Nachbarschreibtisch in ihrer Schreibstube arbeitet oder in der Natur herumlungert, sitzt sie meist am Inselrundblick. Von ihm kann sie genauso wenig lassen wie von Wilhelmsburg.

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